Zehn Jahre Firefox: Eine Geschichte mit Höhen und Tiefen

Mozilla, die Organisation hinter quelloffener Software, feiert in diesen Tagen den zehnjährigen Geburtstag des Browsers Firefox. Als Gegengewicht zum wohl meist verhassten Browser aller Zeiten gewann der Firefox als Retter in der Not schnell an Beliebtheit und wurde in manchen Ländern der meist genutzte Browser. Doch dann kam Konkurrenz von unerwarteter Seite.

Zehn Jahre ist es her, genauer: am 10. November 2004, als Mozilla die erste stabile Version 1.0 des Firefox-Browser vorstellte. Begonnen hatte die Alternative aber schon früher: Die drei Entwickler Dave Hyatt, Joe Hewitt und Blake Ross begannen unter dem Dach von Mozilla in den früheren 2000er Jahren mit der Entwicklung eines eigenen Browsers, hervorgegangen aus der Open-Source-Version des einstigen Marktführers Netscape. Nachdem sich Mutterkonzern AOL nach der Niederlage im berühmten Browserkrieg mit Microsoft immer mehr von Netscape zurückzog, entstand daraus die unabhängige Mozilla-Foundation, die heute für Firefox und weitere Projekte wie das (auslaufende) Mailprogramm Thunderbird und das mobile Betriebssystem Firefox OS verantwortlich ist.

Direkter Nachfahre von Netscape

Veröffentlicht wurde der Vorläufer des ersten stabilen Firefox allerdings schon 2002 unter dem Namen Phoenix, der schon damals große Aufmerksamkeit erregte. Um einen Namenrechtsstreit zu vermeiden, wurde Phoenix zunächst in Firebird und im Februar 2004 schließlich in Firefox umbenannt, damals noch in der Version 0.8. Der Zuspruch war anfangs riesig, gerade auch in Ländern wie Deutschland. Grund war die Quasi-Monopolstellung Microsofts.

Der Software-Gigant hatte damals nach wenig beliebten Betriebssystemen wie Windows 98, Windows Me und der Gängelung anderer Software-Alternativen, die schließlich zum faktischen Sieg im Browserkrieg gegen Netscape mündeten, einen denkbar schlechten Ruf. Die damals aktuelle Version Internet Explorer 6 erforderte von Webdesignern zahlreiche Anpassungen im Vergleich zum Standard-HTML, funktionierte dennoch eher schlecht als recht und war bei Nutzern gleichermaßen verhasst. Die Veröffentlichung des Firefox hatte für viele Windows-Nutzer deswegen die Wirkung eines Sterns am Nachthimmel: endlich eine vernünftige Alternative (vom damals schon aktiven Opera einmal abgesehen).

Firefox10_Claim

Der Firefox war in den Folgejahren zeitweise der beliebteste Browser in Deutschland, erzielte in manchen Ländern einen Marktanteil von über 50 Prozent – und rief weitere Nebenbuhler auf den Plan. Zunächst Apple: Der beliebte IT-Konzern portierte seinen Safari-Browser ab dem Jahr 2007 nach Macs auch auf Windows und bringt es dort mittlerweile in einigen Ländern auf Marktanteile im zweistelligen Bereich. Ein Jahr später folgte Google mit einer kommerziellen eigenen Version des Chromium-Projekts. Der Browser Chrome wuchs schnell, überholte den Firefox in zahlreichen Ländern und ist heute Marktführer. Mittlerweile duelliert sich Firefox nach aktuellen Zahlen von StatCounter um den dritten Platz mit Microsofts Internet Explorer.

Fast 500 Millionen Nutzer

Eine Umstellung im Veröffentlichungszyklus verschaffte Mozilla im Jahr 2011 nicht nur Freunde. Nachdem man sich in den Jahren zuvor nur mit geringen Versionssprüngen (wie von 4.1 auf 4.2) begnügt hatte, änderte sich dieser Zyklus abrupt: Gut alle sechs Wochen sollte es eine neue Vollversion geben, auch wenn die Änderungen jeweils marginal sein würden. Mittlerweile ist man deswegen bei Version 33 angelangt. Gab es zwischenzeitlich Kritik unter anderem wegen Sicherheitslücken, der Geschwindigkeit und des Designs, steht der Firefox seit der Version 29 und der bei Kritikern anerkannten neuen Australis-Designoberfläche wieder hoch im Kurs.

Derzeit ist der Firefox nach Angaben von Mozilla auf fast 500 Millionen Geräten weltweit installiert. Problematisch bleibt die Finanzierung, die heute nach wie vor in weiten Teilen durch Google geschieht. Der Suchriese zahlt Mozilla eine Gebühr für die standardmäßige Platzierung der Suchmaschine in der Firefox-Suchleiste. Es wurde in der Vergangenheit immer wieder spekuliert, dass Google diese Finanzierung kappen könnte, um die Marktsituation seines eigenen Browsers Chrome zu verbessern. Bislang ist das nicht passiert. Allerdings sinken die Marktanteile von Firefox gegenüber Chrome ständig, gerade auch aufgrund von Googles Marktmacht im mobilen Bereich und der dortigen Vorinstallation des mobilen Chrome-Browsers.

Mozilla wirbt nach wie vor damit, dass der Firefox der einzige wirklich unabhängige Browser sei. Um das noch einmal zu unterstreichen, gab die Stiftung anlässlich des Geburtstags die Zwischenversion 33.1 heraus, die verbesserte Optionen zur Privatsphäre enthält. Der Kampf um das freie Web geht demnach weiter – hoffentlich noch mehr als weitere zehn Jahre. Denn ohne den Firefox wäre das Surfen im Netz nahezu fest in der Hand von reinen Großkonzernen.

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