Rückseite des Samsung Galaxy S8 (Bild: Samsung)

Wo das Samsung Galaxy S8 (Plus) Kompromisse macht: Fingerabdrucksensor, Kamera und Akku

Tolles Display, schneller Prozessor, doch das Samsung Galaxy S8 (Plus) liefert nicht nur Spitzenwerte. Kompromisse wurden gemacht, und die können euch im Alltag vielleicht ganz schön nerven.

„Kein großer Wurf“, hieß es in den letzten Jahren meist, wenn Samsung ein neues Spitzen-Smartphone vorstellte. In diesem Jahr sieht es anders aus: Das Samsung Galaxy S8 bzw. das Samsung Galaxy S8+ verfügt über ein Infinity-Display. Blöder Name (da ist nichts unendlich), aber wirklich beeindruckend. Doch das Smartphone gehört nicht ins Schaufenster, sondern in die Hand. Es stellt sich also die Frage, was es wirklich kann. Die Daten zu Display, Prozessor und Speicher sind längst bekannt. Niemand zweifelt daran, dass alles flüssig läuft. Doch es sind oft die kleinen Funktionen, die im Alltag Ärger bereiten. Lasst uns die mal anschauen.

Gesichtserkennung bereits ausgetrickst

Das beginnt damit, dass ihr das Smartphone in die Hand nehmen und entsperren müsst. Das Samsung Galaxy S8(+) kann euer Gesicht erkennen, wenn ihr ein Selfie macht und ein Bild hinterlegt habt, mit dem es abgeglichen werden kann. Dummerweise reicht es auch, ein Foto vor die Kameralinse zu halten. Ein spanischer Videoblogger demonstrierte dies mit zwei Galaxy S8. Mit einem macht er ein Selfie und nutzt dieses, um den Sperrbildschirm auf dem zweiten S8 zu deaktivieren. Offenbar wird für die Gesichtserkennung nur ein wenig Geometrie verwendet: Abstände von Augen, Nase und Mund, aber keine Bewegungen, die 3D-Informationen liefern würden.

Mehr Sicherheit soll der Irisscanner bieten, den S8 und S8+ vom Samsung Galaxy Note 7 übernommen haben. Das menschliche Auge ist so einzigartig wie der Fingerabdruck. Allerdings muss das Smartphone vor das Auge gehalten werden. Das ist vielleicht sicherer, sieht aber nicht immer elegant aus, vor allem wenn es nicht auf Anhieb klappt. Beim Note 7 zeigten sich die Tester sehr zufrieden, doch es fehlt das Feedback der Nutzer über einen längeren Zeitraum. Vielleicht halten sie es für zu umständlich, Kamera und Auge so zu justieren, dass der Irisscan durchgeführt werden kann. Das Entsperren muss nicht nur sicher, sondern vor allem schnell und einfach funktionieren.

Schlecht platzierter Fingerabdrucksensor

Dafür gibt es eigentlich auch schon eine Lösung: Der Fingerabdruckscanner hat sich in den letzten Jahren als sichere Alternative zur PIN durchgesetzt. Zuerst nur in Spitzengeräten zu finden, eroberte er mittlerweile auch die Mittelklasse. Es reicht, den Finger kurz aufzulegen, schon ist das Smartphone entsperrt. Samsung baute den Sensor in den Homebutton ein, doch mit dem neuen Infinity-Display ist kein Platz mehr für diesen. Der Fingerabdruckscanner wanderte deshalb beim S8 auf die Rückseite neben die Kamera. Doch das war keine gute Entscheidung.

Das Samsung Galaxy S8 (Plus) kommt mit einem tollen Display, muss dafür aber Kompromisse machen (Bild: Samsung)

Das Samsung Galaxy S8 (Plus) kommt mit einem tollen Display, muss dafür aber Kompromisse machen (Bild: Samsung)

Anders als seine Vorgänger muss das Galaxy S8 vom Tisch aufgehoben werden, um es zu entsperren. Wird es dann in einer Hand gehalten, ist der Sensor für den Finger jedoch kaum zu erreichen. Beide Geräte sind zwar zwar relativ schmal geworden, aber auch sehr lang. In der Mitte wäre der Sensor besser zu erreichen gewesen. Zudem wird die Fingerkuppe im Suchmodus häufiger auf der benachbarten Kameralinse landen und dort seine fettigen Spuren hinterlassen. Diese Lösung war nicht Samsungs erste Wahl, eigentlich sollte der Fingerabdrucksensor auf der Frontseite unter dem Display sitzen, doch das von Synaptics entwickelte Modul hat es wohl nicht rechtzeitig zur Marktreife geschafft.

Wo die nackten Werte nichts sagen

Geleakte Prototypen des Galaxy S8 haben nicht nur gezeigt, dass der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite fehlte, sondern auch, dass eine Dual-Lens-Kamera angedacht war. Doch auch hier scheint Samsung zurückgezogen zu haben. Verbaut sind die Sensoren S5K2L2 ISOCELL von System LSI und IMX333 von Sony. Die Werte beider Kameras liegen recht nah am Samsung Galaxy S7. Erste Vergleiche zeigen jedoch, dass die Bilder bei einzelnen Testaufnahmen merklich besser geworden sind. Die Software scheint aus der Hardware einiges mehr herauszuholen, was aber auch wieder an der Hardware liegt: Der Image Signal Processor (ISP) im Exynos 8895 bietet mehr Leistung. Bei der Frontkamera des Galaxy S8 (Plus) erhöht sich die Auflösung von 5 auf 8 Megapixel. Sie bietet eine Pixelgröße von 1,22 µm, eine f/1.7-Blende und ist eine der wenigen Selfie-Kameras mit Autofokus.

Gemischte Gefühle hinterlässt der Sound. Das Samsung Galaxy S8 (Plus) verfügt über keinen Stereo-Lautsprecher. Wenn Gäste am Tisch sitzen und das Smartphone auf laut gestellt wird, klingt der Sound nicht so gut, wie er klingen könnte. Die Konkurrenz ist da weiter. Samsung setzt offenbar auf die Ausgabe per Bluetooth und hat Interessantes zu bieten: Das Smartphone lässt sich mit zwei Lautsprechern und Kopfhörern verbinden und auf beiden Geräten gleichzeitig der Ton abspielen, sogar mit unterschiedlicher Lautstärke. Kein anderes Smartphone kann das derzeit. Das ist praktisch, wenn zwei Personen einen Bluetooth-Hörer tragen, im Zug oder auf dem Rücksitz im Auto. Bluetooth 5.0 macht es möglich.

Fazit

Beim Akku wollte Samsung offenbar kein Risiko eingehen und nicht den gleichen Fehler machen wie beim Galaxy Note 7. Dort wurde ein zu großer Akku in ein zu kleines Gerät gequetscht, es kam zu Bränden. Galaxy S8 und S7 verfügen nun beide über einen 3.000 mAh großen Akku. Beim Galaxy S8+ ist die Kapazität sogar im Vergleich mit dem Samsung Galaxy S7 edge von 3.600 mAh auf 3.500 mAh gesunken. Dabei stieg in beiden Fällen mit dem größeren Display auch der Energieverbrauch. Doch die Laufzeiten haben anscheind nicht darunter gelitten, sind untereinander vergleichbar. Sowohl neue Hardware als auch neuere Versionen des Betriebssytems arbeiten stromsparender. ZDNet hat mehrere Szenarien verglichen: Manchmal kommen S8 bzw. S8+ auf eine längere Laufzeit, zum Beispiel bei der Wiedergabe von Musik oder Videos, das S8+ zusätzlich noch bei Internetverbindungen über UMTS/HSPA. Aber auch das muss sich erst in der Praxis beweisen.

Was lautet nun das Fazit? Samsung Galaxy S8 und Samsung Galaxy S8+ sind noch lange nicht perfekt. Das großartige Display auf der Vorderseite wurde mit einigen Kompromissen erkauft, bei denen sich aber schon erahnen lässt, dass im nächsten Jahr auch dort elegante Lösungen gefunden werden. Vor allem aber hat es Samsung dort richtig gemacht, wo es allen wichtig ist (Display, Prozessor) und dort die Kompromisse gemacht, wo es mehr oder weniger Geschmackssache ist (Fingerabdrucksensor, Kamera, Sound). Wer sich mit den aktuellen Modellen nicht anfreunden kann, wartet einfach noch ein Jahr.

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Update: Samsung Galaxy S9 erschienen

Samsung hat daraus gelernt und beim Samsung Galaxy S9 genau die Verbesserungen vorgenommen, die ich im Artikel oben noch kritisiert hatte. Der Fingerabdrucksensor ist nach unten gewandert. Die Kamera wurde aufgewertet. Wir haben für euch auch schon das Samsung Galaxy S8 mit dem Galaxy S9 verglichen. Einschließlich der Plus-Modelle.

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