Wir haben nichts gegen Hochformat-Video-Apps wie Periscope, aber uns würde schon mal interessieren, was das soll

Die Nachrichten sind dieser Tage voll von Schreckensmeldungen, da freut es uns direkt mal, über etwas Harmloses schreiben zu dürfen: Der neue Schrei sind hochformatige Live-Video-Apps. Vor zwei Wochen war es noch Meerkat, aber das ist in Hipster-Kreisen längst Schnee von gestern: Wer nicht mindestens seit heute Periscope benutzt, ist total passé. Periscope ist wie Meerkat, aber wird – nach einer vorangegangenen Übernahme – von Twitter selbst herausgegeben und hat einen entscheidenden Vorteil. Nein, keinen Querformat-Modus, den gibt es auch hier nicht.

Warum eigentlich nicht?

Nun, auf die Frage einer Freundin, die genau das wissen wollte, als ich ihr vom neuen Trend Hochformat-Videos erzählte, wusste ich auf die Schnelle keine Antwort. Die Frage scheint ohnehin niemand mehr zu stellen. Muss wohl einfach so sein. Meerkat (Meerkatze mit langem Hals) und Periscope tragen diese Eigenheit ja schon im Namen. Und klar: Im Rennen um die kurze Aufmerksamkeitsspanne möglicher Nutzer gewinnt nur, wer derart anders ist, dass er deswegen für Aufmerksamkeit sorgt. Dass sich querformatige Videos in Formaten wie 16:9, 16:10, 3:2 oder zur Not auch 4:3 als augenfreundlicher erwiesen haben, scheint dabei keine Rolle zu spielen. Periscope und Meerkat suchen ihr Heil im Hochformat, weil, warum nicht?

Meerkat: Was soll das mit diesem Hochformat?

Meerkat: Was soll das mit diesem Hochformat?

Nur wer anders ist, fällt auf

Ein Grund dafür dürfte die gruppenorientierte Ausrichtung der Apps sein. Wer einen Livestream mit einer der Apps betreibt, kann sehen, wer von seinen Freunden oder Followern sich diesen gerade anschaut. Die Follower können das, was sie sehen, live kommentieren. Auf Periscope haben die Nutzer zudem die Möglichkeit, dem Anbieter Herzchen zu schicken – und derer auch gleich mehrere über die ganze Sendung verteilt. Der Sender sieht den Input direkt auf seinem Bildschirm. Vielleicht ist es für diese Form der Interaktion schlicht praktischer unter dem Videofenster die Interaktion gleich mit zu verfolgen und hierfür etwas Bildschirm übrig zu haben. Bei einem Querformat-Video wäre das vielleicht nicht so einfach möglich gewesen.

Oder?

Ganz ehrlich: wir wissen und verstehen es nicht so ganz. Vorgeschrieben ist die hochformatige Darstellung auf einem iPhone (und nur für Apples Smartphones sind die beiden Apps bisher erschienen) jedenfalls nicht. Es dürften schlicht marketingtechnische Gründe sein: Wenn du anders bist, spricht man über dich. Und irgendwann, wenn es dann keiner mehr tut, führst du als viel beachtetes neue Feature den Querformatmodus ein.

Qik: Hochformatvideos gibt es auch von Skype, hat aber jeder schon vergessen.

Qik: Hochformatvideos gibt es auch von Skype, hat aber jeder schon vergessen.

Eigentlich ist das aber auch schon unser einziger echter Kritikpunkt. Denn dass Apps mit sozialen Livevideo-Funktion boomen, ist eigentlich ein erfreulicher Trend – oder zumindest einer, der niemandem weh tut. Man kann live über etwas berichten und die Freunde kriegen es sofort mit. Und im Falle von Periscope – das ist der anfangs erwähnte leichte Vorteil gegeüber Meerkat – können Freunde, die die Übertragung verpassen, sich später eine Aufzeichnung davon ansehen.

Friedhof der Live-Video-Apps wächst beständig

Neu sind solche Live-Video-Apps aber keinesfalls. Schon zahlreiche Unternehmen wie Qik (inzwischen von Skype übernommen und neu gestartet), Livecasting, Justin.tv, Socialcam oder Viddy haben sich in der jüngeren Vergangenheit an der schweren Aufgabe verhoben, aus einer mobilen Live-Video-Möglichkeit ein funktionierendes Business zu formen. Jedes Jahr wieder wird der Trend mobiles Livecasting dann für tot erklärt und neu ausgerufen.

Statt einer App nur eine Fehlermeldung: Vor Meerkat und Periscope haben sich bereits etliche andere wie Socialcam erfolglos an der Herausforderung einer Live-Video-App versucht.

Statt einer App nur eine Fehlermeldung: Vor Meerkat und Periscope haben sich bereits etliche andere wie Socialcam erfolglos an der Herausforderung einer Live-Video-App versucht.

Dass diesmal alles anders ist, wagen wir zu bezweifeln angesichts der offenbar gerade einmal zweiwöchigen Ruhmeszeit von Meerkat, die nun von Periscope beansprucht wird. Vielleicht klappt es diesmal, weil schnelle LTE-Verbindungen immer weiter verbreitet sind und es mittlerweile auch erschwingliche Datenpakete dafür gibt. Aber darauf wetten würden wir nicht. Immerhin hat Periscope den Vorteil, dass Twitter dahintersteht, das Tool also vom Zwang, zwingend Geld einnehmen zu müssen, nur indirekt betroffen ist. Meerkat derweil wurde schon halb von Twitter ausgesperrt, was nicht unbedingt eine rosige Zukunft verheißt. Aber wie gesagt: Tut keinem weh, sollen sie mal machen.

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Ein Kommentar zu “Wir haben nichts gegen Hochformat-Video-Apps wie Periscope, aber uns würde schon mal interessieren, was das soll
  1. Wenn eins wichtig ist, dann, dass ständig irgendwer den neuen heißen Scheiß findet… ob das nun gut oder schlecht ist, ist erstmal zweitrangig… jetzt sind es endlich Hochformatvideos.

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