Wie ich mit WhatsApp Status meinen Spaß an Social Media zurückgewann

Trendblog-Redaktionsleiter Jürgen Vielmeier hatte sich frustriert von Social Media abgewandt – und mit WhatsApp Status neu entdeckt. Ist das nur eine flüchtige Leidenschaft oder am Ende gar die große Liebe?

Social Media halte ich eigentlich für eine gute Sache. Ich mag nur nicht, was aus dem Ganzen geworden ist. Facebook und Twitter empfinde ich mittlerweile nur noch als Wettrennen um die nächste Aufmerksamkeit. Wenn ich nicht oft genug etwas poste, werden meine Beiträge dem Großteil meiner Freunde gar nicht erst angezeigt. Meinen letzten Facebook-Post sahen gerade noch zwei Leute. Gleichzeitig fragen mich Freunde, wo ich gerade bin und was ich so mache. Wie passt das zusammen?

Seit ein paar Monaten lasse ich Facebook links liegen, mit Twitter sieht es mittlerweile ähnlich aus. Und ich fühle mich besser damit. Ein Blick auf die jeweilige Timeline frustriert mich jedes Mal eher, als dass ich mich über neue Nachrichten freue. Was meine echten Freunde machen, erfahre ich dort auch kaum noch. Das ist doch paradox.

WhatsApp Status: Posten, was die Freunde wirklich sehen

Seit ein paar Tagen fahre ich mit dem Auto in Richtung Nordkapp und arbeite von unterwegs. Und kürzlich dachte ich, es wäre doch eigentlich mal wieder schön, ein paar Eindrücke davon mit Freunden zu teilen. Einige Freunde verbreiten seit einiger Zeit Neuigkeiten über WhatsApp Status. Ein Dienst, der sich innerhalb der WhatsApp-App befindet. Ähnlich wie Facebook Stories oder Instagram Stories kann man dort in kurzen Bildern mit einer Tagline zeigen, was einen gerade bewegt.

Die Meldungen von WhatsApp Status bleiben für 24 Stunden abrufbar, dann verfallen sie automatisch. In der Zeit schaut eigentlich fast jeder Nutzer einmal bei WhatsApp vorbei und hat damit die Chance, das Update zu sehen. Freunde können zusätzlich kommentieren, der Urheber des Status‘ erhält dann die Antwort als Chat-Nachricht. (Was ich nicht ganz gelungen finde, es gibt also noch Luft nach oben.)

Der Urheber sieht außerdem, wie viele seiner Freunde sich den Status in der Zwischenzeit angeschaut haben und wer genau das gewesen ist. So lassen sich mitunter auch Kontakte reaktivieren, an die man vielleicht gar nicht mehr gedacht hatte.

Für mich ist WhatsApp Status damit eine noch etwas elegantere Lösung als WhatsApp Broadcast, was Kollege Peter Giesecke benutzt, und was in eine ähnliche Richtung geht. Bei WhatsApp Broadcast verfasst man eine Nachricht, die an mehrere Empfänger geht. Allerdings nicht in Form einer Gruppe, sondern jeder Empfänger erhält die Nachricht einzeln. Eine praktische Möglichkeit, in meinen Augen aber mit dem Nachteil behaftet, dass man als Empfänger schnell merkt, dass man hier auch nur eine Massennachricht bekommt. Der positive Effekt ist dann schnell verraucht.

Noch einmal neu anfangen

Das kann bei WhatsApp Status natürlich genauso der Fall sein. Jetzt gerade ist die Funktion noch neu und sie erscheint mir unaufdringlich. Schön ist sie auch deswegen, weil sie bisher kaum jemand nutzt, man sie also nahezu exklusiv hat. Aber das kann sich natürlich über die Zeit ändern. Mehr Leute werden das nutzen und wahrscheinlich dann auch wieder die falschen, sprich: die besonders mitteilsamen unter den gar nicht mal soo engen Freunden. Und weil man natürlich auch mehr als nur einen Status am Tag posten kann, dürften manche Nutzer und sicher auch Firmen/Influencer das schnell als Marketingkanal für sich verwenden.

WhatsApp Status hat aber den Vorteil, dass es weiterhin im Hintergrund steht. Ich rufe den Service nur auf, wenn auf WhatsApp sonst gerade nichts läuft und ich mehr Unterhaltung möchte. Der Dienst drängt sich einem nicht auf. Und selbst wenn dort zwanzig meiner Freunde etwas gepostet hätten, könnte ich mir immer noch aussuchen, welche der Beiträge ich mir anschaue. Anders als bei Facebook bekomme ich sie nicht direkt angezeigt – und das ist sehr viel angenehmer.

Vielleicht wird sich das wieder ändern, wenn WhatsApp Status nicht mehr neu und nicht mehr, wie alles Neue zuerst, aufregend ist. Aber bis dahin macht es mir sehr viel Spaß. Und ich benutze es als dezente Rückkehr in die sozialen Netzwerke. Oder gerne auch: in die etwas sozialeren privaten Netzwerke.

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6 Kommentare zu “Wie ich mit WhatsApp Status meinen Spaß an Social Media zurückgewann
  1. Moin, ich habe durch Deinstallation von Twitter, WA usw. sehr viel Zeit zurück gewonnen. Verwende wieder mehr SMS, es hat dann auch wieder mehr Substanz. Man hat ab und zu Lust mal ein Bild zu versenden, aber mehr aus Reflex, wenn man sich dann die Relevanz für den Empfänger überlegt, lässt man es meist, es artet doch schon sehr oft in Selbstdarstellung und „Überflutung“ aus. Wichtiges geht per Mail raus.

    • Eine andere Möglichkeit wäre, einen Messenger zu nutzen, der nicht die Telefonnummer als Benutzernamen hat. Threema zum Beispiel. Dann ließe sich nur mit den 3-4 Kontakten verbinden, die einem nahe stehen und die über die gleich Nicht-Geschwätzigkeit verfügen wie man selbst.

  2. Das stimmt natürlich, aber die meisten sind ja bei WA, und lassen sich nicht mit Argumenten der Datensicherheit (wie man dies auch immer verstehen/verwenden will) mitziehen, die meisten Kontakte sind eben bei WA. Der Vorteil der SMS ist, dass diese universell ist, und auch im Ausland ohne I-net-Zugang funktioniert, mittlerweile hat auch fast jeder eine SMS-Flat. Ich hoffe man wird durch RCS-e-Funktionalität bei (hoffentlich baldiger) direkter Implementierung in Android die SMS wieder mehr und vielfältiger nutzen können, zum Beispiel auch für Kommunikation die Jürgen hier beschreibt. Die ganzen Stand-Alone-Apps (Join) waren eine schlechte Umsetzung, um mit WA mitzuhalten muss es eben universell und „nativ“ sein.

    • Die Freunde zu überreden, ist in der Tat die größte Hürde. Mittlerweile springen sogar die letzten Skeptiker bei WhatsApp auf, um nicht die Fotos aus Familie und Freundeskreis zu verpassen. Wie sollen die alle zu einem anderen System gelotst werden? Wobei die Frage ist, welches das überhaupt ist. Mit RCS habe ich mich noch nie beschäftigt. SMS verschicke ich jedenfalls nur, wenn es gar nicht anders geht. Hatte auch nie eine SMS-Flatrate.

    • Danke für den Link! Ich würde dann aber doch einen internetbasierten Messenger einem Dienst vorziehen, dessen Erreichbarkeit an einen Provider gekoppelt ist. Die meisten Nachrichten lese und verschicke ich auch immer noch vom Desktop-Rechner. Der richtige Messenger für mich ist sicherlich noch nicht gemacht. 😉

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