WhatsApp ist für die Masse. Was du brauchst, ist einen Messenger, der deine Persönlichkeit unterstreicht!

WhatsApp ist für die Masse. Was du brauchst, ist einen Messenger, der deine Persönlichkeit unterstreicht!

WhatsApp ist der ultimative SMS-Ersatz? Von wegen! Es gibt heute mehrere Dutzend Möglichkeiten, mit Freunden Nachrichten und Bilder auszutauschen. Das völlige Kuddelmuddel, klagen die einen. Falsch, sagen die anderen: Das ist der Luxus des kleinen Mannes. Wer heute etwas auf sich hält, benutzt seinen ganz persönlichen Messenger.

Kürzlich bekam ich ein neues Smartphone und musste alle Apps neu installieren. Zuvorderst dabei, natürlich: WhatsApp, der VW Golf unter den Messengern. Mangels Zeit schrieb ich einer Freundin auf diesem Wege „hallo“. Ich wartete deutlich länger also sonst, dann die Antwort: „Wieso schreibst du mir hier? Wir hatten doch bisher Threema. WhatsApp habe ich eigentlich nur noch deswegen, weil andere es von mir wollen.“

WhatsApp?! Darüber waren wir doch längst hinweg!

Threema, na gut. Etwas nerdig und von mir eine Zeitlang gerne benutzt. Aber auch etwas umständlich, nicht so chic und elegant wie andere Messenger. Wir einigten uns schließlich auf Wire, einen Messenger wie aus dem Modemagazin: mit vollformatigen Hintergrundbildern, schwarzweißen Profilen, großen Überschriften und einem völlig neuen Look and Feel. Und wir sind damit nahezu die einzigen, denn keiner sonst in meinem Freundeskreis benutzt Wire.

Messenger Wire: Modisch, modern, jung – kaum benutzt
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Denn die Realität sieht so aus: Ein anderer Freund ließ sich von Threema nicht abbringen, ein Kollege aus dem Sportverein schwört auf SMS – dank einer Flatrate für ihn kein Problem – ein Dritter ist nur über Google Hangouts zu erreichen. Wer in Apples Universum unterwegs ist, benutzt typischerweise gerne iMessage. Alle klagen über Facebook, aber den Messenger lieben und benutzen so manche. Ein Kumpel fragte neulich nachts sogar per Twitter-Direktnachricht, ob ich noch in die Kneipe um die Ecke vorbeikäme. Ich las die Nachricht leider erst tags drauf.

Messaging geht sogar produktiv, sagt Anbieter Slack
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Ich könnte noch ein paar Absätze lang so weiter machen. Nehmt Line, wenn euch der japanische WhatsApp-Konkurrent besser gefällt, Telegram aus Russland, WeChat aus China, Kik aus Kanada, oder, klassisch, die E-Mail; Slack oder Skype für die Arbeit, Snapchat für die Jüngeren oder – wer noch mag – ICQ.

Zum kleinen Schwarzen lieber WeChat

Ich habe es mittlerweile aufgegeben, alle Freunde zu einem Dienst zu überreden. Es funktioniert ja doch nicht. Jeder hat seinen Favoriten, und es gibt derart viele Dienste, dass man darüber problemlos die eigene Individualität herausstellen kann: Willst du hip sein, trinkst du deinen Sidamo-Kaffee aus der Handkanne nicht nur mit Bart und Fernfahrer-Cäppi. Nein, wenn du dich von der Masse absetzen willst, hast du auch deinen eigenen Messenger. Hangouts? Furchtbar ordinär! Threema? Für Nerds!

Messenger Confide: Snapchat für 40-Jährige
Messenger Confide: Snapchat für 40-Jährige

Nein, du benutzt Confide, wenn du Snapchats selbstzerstörende Nachrichten haben willst, ohne plötzlich den Freunden deiner Kinder über den Weg zu laufen. Viber, wenn du unterstreichen willst, wie jung du geblieben bist. Imo, wenn du zeigen willst, dass du ja wohl nicht kontaktscheu bist. Und deine Freunde? Täten gut daran, sich darauf einzustellen. WhatsApp? Kann jeder!

Nur echt mit bunten Tier-Emojis: Messenger Line
Nur echt mit bunten Tier-Emojis: Messenger Line

Nur manchmal – meistens dann, wenn mal wieder ein neues Smartphone ins Haus kommt und alle Apps neu installiert werden wollen – manchmal kommt er wieder auf, der Wunsch nach einem Messenger für alle. Oder zumindest nach einem offenen Protokoll, über das man mit allen Freunden chatten kann, egal welchen Messenger sie benutzen. Klingt unmöglich? Ist seit gut zehn Jahren ein Standard im Netz dank des Chatclients Jabber, der das offene Protokoll XMPP verwendet. Das könnten die Anbieter heutiger Messenger auch, aber weil es auch ums Geld geht, kocht jeder lieber am eigenen Herd. Mit aller Individualität – und ihren Nachteilen.

Beitragsbild: Line

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3 Kommentare zu “WhatsApp ist für die Masse. Was du brauchst, ist einen Messenger, der deine Persönlichkeit unterstreicht!

  1. Würden alle Wert auf ein bisschen Datenschutz legen, hätten wir das Problem gar nicht. Dann hätten sich die meisten Messenger nämlich längst disqualifiziert.

    Aber der Masse ist es leider egal und sie geben fröhlich ihr komplettes Telefonbuch an Whattsapp frei, auch wenn sie damit Daten von Menschen frei geben, denen das eigentlich gar nicht so recht ist…

  2. Selten so gelacht. Stimme grundsätzlich zu, es gibt zu viele Messenger. Was Threema betrifft, gehe ich allerdings nicht ganz mit dir einig: OK, vielleicht ein bisschen nerdig, aber äusserst chic (hast du das schwarze Theme schon gesehen?) und einfach zu bedienen (wird sogar von meiner Mutter genutzt — und das ist eine Tatsache, nicht bloss ein rhetorisches Bild). Sicher im Moment die beste Wahl.

  3. Das große Problem mit allen Messengern ist, dass sie kein Standard sind. Was fehlt, ist ein SMS 2.0, was die Fähigkeiten aktueller Messenger bietet, auf allen Systemen läuft und mit dem alten SMS-System zusammen arbeitet. Apples iMessage wäre da die Lösung gewesen, es ist konzeptionell am nächsten dran, aber da Apple hat ja lieber wieder auf proprietären Blödsinn gesetzt. Und so tummeln sich auf dem Smartphone neben iMessage noch Whatsapp, Threema, der Facebook-Messenger und natürlich Telegram, was ausgesprochen nervtötend ist.

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