WhatsApp als E-Mail-Ersatz in Unternehmen? Ein klares „Na ja…“ dazu

Der Traum von der Abschaffung der E-Mail ist in etwa so alt wie die E-Mail selbst. Bloß weg mit diesem Zeiträuber, heißt es in immer mehr Unternehmen, und hin zu besser geeigneten Tools. Nur: Welche sollen das sein? WhatsApp in der heutigen Form jedenfalls nicht.

Schön und gut, dass WhatsApp-Chef Jan Koum WhatsApp zu einem Tool ausbauen will, das auch Unternehmensaufgaben beherrscht. Das sagte er jüngst in einem Interview mit Focus-Netzökonom Holger Schmidt. WhatsApp ist denn auch seit kurzem verschlüsselt, so dass NSA und Co. nicht mehr (so leicht) mitlesen können. Auch PDFs lassen sich damit verschicken und Koum plant, weitere Tools für Management-Aufgaben einzuführen, die die E-Mail ersetzen sollen.

Spart Zeit? Ja, wem denn?

Und ich glaube sogar, dass das für einige eher fortschrittliche und kleinere Unternehmen teilweise funktionieren kann. Dann schickt man eben ein PDF, ein Excel-Sheet oder eine Kalender-Datei per WhatsApp zum nächsten Mitarbeiter. In Unternehmen, die Tablets und Smartphones im regen Einsatz haben, kann das durchaus eine Erleichterung sein.

Und für alle anderen? Ich stelle mir das so vor, dass der Chef dem kleinen Angestellten Meier ein PDF per WhatsApp schickt. Die von der IT-Abteilung herausgegebenen Guidelines, die private Smartphones am Arbeitsplatz verbieten, ignoriert er dabei. Meier soll das PDF nun auf seinem Rechner mit Windows XP öffnen (ja, ist noch auf mehr Rechnern im Einsatz als ihr denkt). Wie kriegt er das PDF dorthin? WhatsApp für Desktop-Systeme gibt es ja leider nicht. Also schickt Meier sich das PDF selbst per E-Mail. Kostet Zeit, ist umständlich und besonders sicher dann leider auch nicht mehr. Ein echter Gewinn? Nur in wenigen Fällen.

Alle Jahre wieder

Es gibt alle paar Jahre wieder Dienste und Ideen, die E-Mail abzuschaffen. Den größten Hype verzeichnet derzeit das Tool Slack. Und so schön und praktisch das gemacht ist: Es eignet sich nicht für alle Einsatzzwecke und es erstrahlt in zeitraubendem Glanz: Vielen gefällt es so gut, dass sie jeden Tag Stunden damit verbringen.

Dann vielleicht der Produktivität halber doch lieber wieder zurück zur mausgrauen, alten E-Mail? Die ist nicht chic und genau das könnte ihr Vorteil sein: Man hat gar keine Lust, sich länger mit ihr zu befassen. Ein paar kurze Phrasen eingetippt, abgeschickt, fertig. Zumindest viel einfacher ist WhatsApp auch nicht…

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