Die große Masse surft heute auf dem Desktop oder Laptop mit Google Chrome. Ich selber hielt jahrelang treu zum Firefox – in meiner Vorstellung würde ich damit das freie Web noch etwas länger verteidigen. Zuletzt kamen aber immer mehr neue Browser auf den Markt und ich sah nicht ein, nur aus gutem Gewissen bei einem vermeintlich veralteten Browser zu bleiben und moderne Trends zu verpassen. Hängen blieb ich bei meinem Rundgang durch verschiedene Browser ausgerechnet bei Opera Air.
Und dass Opera Air nun mein Standard-Browser geworden ist, ist ein streitbarer Entschluss. Aber lass mich dir das erklären, denn du könntest auch einmal über einen Browser-Wechsel nachdenken.
Opera Air mit einer Lösung für das Tab-Chaos
Noch immer haben die Browser-Anbieter keine Lösung für das Tab-Chaos gefunden. Tabbed Browsing war der logische Schritt vor schon über 20 Jahren und die Antwort auf zu viele Browser-Fenster. Seitdem gab es aber keine vernünftige Weiterentwicklung. Einige Browser setzen auf Tab-Gruppen, Tab Islands, Tabs in der Seitenspalte. Oder sie zentrieren sich gleich um KI-Maschinen, wie die bekanntesten KI-Browser, die Kollege Frank Müller kürzlich getestet hat. Aber auch die setzen schon wieder auf: Tabbed Browsing, ohne das Problem sinnvoll anzugehen.
Auf meiner Suche nach der Lösung aus diesem Chaos heraus, fand ich bei Opera etwas sehr Interessantes:
Workspaces
Das bedeutet: Zusätzlich zu den horizontal angeordneten Tabs gibt es in einer – sehr schmalen – Spalte links vertikal angeordnete Tab-Leisten, eben „Workspaces“ genannt. Die Idee dahinter: Du kannst beliebig viele Browser-Tabs zu einem Thema in einer Leiste einsortieren. Und zum nächsten Thema in einer weiteren Leiste. Zum Beispiel in die Bereiche…
- Alltag
- Arbeit
- Spiel & Freizeit
- Reise
- Shopping
Oder auch weniger. Ich habe meine Tabs in drei Workspaces einsortiert: Alltag, Arbeit und Spiel:

Zwischen diesen Gruppen wechselst du nach Gusto und hast dann jeweils nur die Tabs vorliegen, die du in dieser Umgebung brauchst. Also fast so, als würdest du für jedes Thema ein neues Browser-Fenster öffnen. Nur mit viel mehr Ordnung und alles ganz leicht wiederzufinden dank der thematisch ausgewählten Icons.
In meinem „Alltags“-Workspace befinden sich gerade etwa Tabs über Bücher, die ich noch lesen möchte, Gegenstände, die ich bestellen möchte. Im „Arbeits“-Fach eben Arbeits-Mails, Beitragsentwürfe, Dinge, die noch organisiert werden müssen. So schreibe ich gerade auch diesen Beitrag in einem Tab innerhalb des „Arbeits“-Workspace. Bei Freizeit & Spiel sind es Infos über einige meiner Freizeitaktivitäten, Ergebnisse meines Tischtennisvereins, Wanderrouten fürs Wochenende, Song-Tabs zum Nachspielen für die Ukulele.
Opera Air, „Achtsamkeits-Browser“ mit ein paar Nachteilen
Und das klappt bisher ziemlich gut. Natürlich ertrinke auch ich zuweilen in Tabs, gerade wenn es im Arbeits-Workspace an umfangreiche Recherchen für das Trendblog geht. Aber doch behalte ich so alles in allem sehr gut die Übersicht. Workspaces sind für mich die bisher beste Lösung für das Tabbed-Browsing-Chaos.
Und warum gerade Opera Air? Auch der normale „Opera Browser“ bietet diese Workspaces an. Opera Air aber kommt noch zudem in einer sehr minimalistischen Darstellung daher. Ruhig, unaufgeregt. Es gibt in der Seitenleiste weiter unten sogar „Achtsamkeits-Tools“ wie Boosts, Pausen-Übungen, aber auch den eigenen KI-Assistenten Aria direkt in der Seitenleiste. Die gaben bei mir nicht den Ausschlag, ich benutze sie kaum, sind aber ein nettes Add-on.
Daneben gibt es eigene Pinboards und Lesezeichen. Mit Flow könnte ich Tabs in der Cloud speichern und etwa im Opera auf dem Smartphone wieder öffnen (dort nutze ich ihn aber nicht). Auch ein Ad Blocker ist direkt mit eingebaut.
Für mich ist aber alleine schon die Funktion der Workspaces derart vorteilhaft, dass ich den Opera Air zu meinem Standardbrowser gemacht habe, obwohl er – und jetzt kommt’s – keinesfalls perfekt ist:
- Der Opera Air auf meinem Apple MacBook Air hängt zuweilen und reagiert dann für einige Sekunden nicht. Das ist im Alltag schon ärgerlich.
- Mir fehlen einige moderne Funktionen, die andere Browser längst eingebaut haben, etwa KI-Zusammenfassungen oder eine zuverlässige Rechtschreibprüfung (die im Opera Air ist nur so okay).
- Der offiziell in Norwegen beheimatete Browser ist mittlerweile mehrheitlich in den Händen eines chinesischen Konsortiums, und es ist unklar, in wie weit der chinesische Staat darin involviert ist und weiß, was ich im Browser so treibe.
Opera-Gründer Jon Stephenson von Tetzchner ist aus dem Projekt seinerzeit ausgestiegen und macht an anderer Stelle mit dem Vivaldi-Browser weiter. Würde ich wahrscheinlich auch, wenn Vivaldi Workspaces noch unterstützen würde (tat er mal).
Und nicht zuletzt finde ich es überraschend, dass die Macher hinter Opera Air die Möglichkeiten hinter den Workspaces selbst noch gar nicht richtig durchdrungen zu haben scheinen. So kann ich von einem Workspace keine Tabs in einen anderen verschieben. Das wäre aber sinnvoll. Manchmal kommen einem während der Arbeit ja Gedanken, zum Beispiel, wohin man am Wochenende zum Wandern hingehen könnte. Kurz mal was nachgeschlagen und dann erstmal weg mit dem Tab in den Freizeit-Workspace. Geht aber leider nicht in Opera Air.

So etwas wäre mir lieber als immer neue Funktionen wie kürzlich die Einführung einer virtuellen Katze, die in leeren Browser-Tabs umherschleicht. Nichts gegen solchen Jux – das Internet und Katzen, da war ja auch mal was. Aber mir wäre es lieber, das Opera-Team würde erst einmal die Sachen optimieren, die es schon gibt.
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Für mich läuft es jetzt ohnehin darauf hinaus, dass ich mehrere Browser gleichzeitig nutze. Kürzlich hatte ausgerechnet mein „alter“ Firefox die Möglichkeit einer KI-Zusammenfassung auf Knopfdruck eingeführt (hört hört!), was für manche Webseiten sehr hilfreich sein kann. Der Perplexity-Browser Comet hat eine ähnliche Funktion. Google Chrome hat eine wirklich gute Rechtschreibprüfung gleich eingebaut – ideal für die redaktionelle Arbeit. Denn auch meine Kollegen und ich hier auf dem Trendblog – man glaubt es kaum – machen zuweilen Fehler. Und für alles andere eben: Opera Air.
Alles in einem Browser, vielleicht sogar einen ohne jegliche staatliche Kontrolle, das wäre charmant. Aber darauf muss ich wohl noch eine Weile warten. Bis dahin bleibt es bei mir der Opera Air. Und bei dir?
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Hi Jürgen, sind diese workspaces nicht eigentlich auch nur Tabgruppen, wie ich sie zum Beispiel bei Safari finde? Die nutze ich dort ähnlich wie du mit Opera Air. Ich wechsle inzwischen immer zwischen Safari und Brave. Habe mittlerweile die YouTube App gelöscht und schaue YouTube nur noch im Brave Browser, weil der die nervige Werbung ausblendet.
Liebe Grüße
Frank
Ist im Safari ganz ähnlich, ja, aber für meinen Geschmack noch zu umständlich. Du klickst mindestens einmal mehr, um zwischen den Workspaces/Tab-Gruppen zu wechseln, und auch die Darstellung ist anders. Bin mit Safari auf dem Desktop nie ganz warm geworden.