War es das schon für Jolla? Und welche mobilen Systeme haben in der Zukunft noch eine Chance?

Dem finnischen Startup Jolla scheint die Puste auszugehen. Die Zukunft um Sailfish OS, eine Alternative zu Android und iOS, ist daher ungewiss. Was erneut die Frage aufwirft, welche anderen Systeme es eigentlich noch gibt und womit in Zukunft zu rechnen ist.

Jolla-Chef ging von Bord, Tablets können nicht ausgeliefert werden

Jolla war im Jahre 2011 an den Start gegangen, um das von Nokia verlassene alternative Betriebssystem MeeGo unter einem eigenen Ableger fortzuführen: Sailfish OS. Zwar war hier im September bereits Sailfish OS 2.0 auf den Markt gekommen, gleichzeitig aber hatte Gründer und CEO Mark Dillon das Unternehmen verlassen. In dieser Woche erklärte Chefentwickler Casten Munk, sich anderen Projekten widmen zu wollen. 12.000 vorbestellte Tablets können wohl nicht ausgeliefert werden. Finnische Medien berichten nun von Zahlungsproblemen des Startups und dass die Hälfte der Belegschaft „temporär“ entlassen werden soll.

Die Gründe dafür können vielfältig sein. Ohne Frage ist aber auch, dass alternative Systeme es neben Googles Android und Apples iOS derzeit sehr schwer haben, zumal die Märkte für Smartphones und Tablets stagnieren.

An Google und Apple führt derzeit kein Weg vorbei

Klarer Markführer bleibt Googles Android mit einem derzeitigen Marktanteil laut Gartner von 84,7 Prozent gemessen an Neuverkäufen. Apples iOS – Betriebssystem der nach wie vor meist verkauften Smartphones und Tablets iPhone und iPad – hält Position 2 mit 13,1 Prozent. Für Microsofts Windows Phone/Mobile ging es zuletzt auf 1,7 Prozent bergab. Man darf gespannt sein, ob universelle Apps, die unter Windows 10 sowohl auf einem PC und einem Smartphone laufen, die Marktchancen für Microsoft noch einmal verbessern. Auch die Nutzung des neuen Windows-Smartphones Lumia 950 gleichzeitig als Telefon und PC könnte für viele Kunden spannend genug sein, es noch einmal mit Windows auf einem Smartphone zu versuchen.

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Während Blackberry die Eigenentwicklung Blackberry 10 zwar noch nicht aufgegeben hat, deutet die Veröffentlichung des Blackberry Priv mit Android-Betriebssystem und die Ankündigung eines weiteren Geräts mit Android darauf hin, dass der einstige kanadische Marktführer selbst nicht mehr all zu viel von Blackberry 10 erwartet. Chancen darf sich noch Mozillas Firefox OS ausrechnen, das zuletzt Zuspruch von Sony erhielt, sich auf Android-Geräten ausprobieren lässt und von Panasonic als Smart-TV-System eingesetzt wird.

Bliebe noch Ubuntu für Smartphones – interessant eigentlich nur für Tüftler und Anwender, die das Linux-System auch auf einem Desktop nutzen. Zuletzt hatte der junge spanische Smartphone-Hersteller bq ein Ubuntu-Smartphone vorgestellt. Auch der chinesische Hersteller Meizu hat eins in petto, aber ansonsten hat sich das System auf Smartphones bisher nicht durchgesetzt. Letzter noch nennenswerter Vertreter mit einem eigenen System wäre Samsung mit der Eigenentwicklung Tizen, die derzeit nur in Schwellenländern vermarktet wird – aber alleine dadurch laut Strategy Analytics immerhin schon Blackberry überholt haben soll. Samsung setzt das System auch auf TV-Geräten und Smartwatches ein.

Prognose

Sollte Jolla wirklich in Kürze die Segel streichen, dürften weitere Mitspieler folgen. Gerade für kleine Hersteller ist die kostspielige Entwicklung eines eigenen Systems nicht lukrativ, angesichts der Marktmacht der Großen, die zusätzlich mit den besten Anwendungen werben können. Langfristig dürften sich nur vier bis fünf Systeme halten: Android, iOS, Windows, Firefox OS und – mit dem potenten Samsung im Rücken – vielleicht noch Tizen. Für alle übrigen Kandidaten, selbst Blackberry, sieht es düster aus.

Bild: Jolla, Grafik: Gartner

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