Wahre Hassliebe: Smartphone-Game Flappy Bird treibt Spieler in den Wahnsinn

Flappy Bird ist gar nicht kompliziert. Es gibt einen kleinen Vogel, den der Spieler durch Antippen dazu bringt, ein Stückchen in die Höhe zu fliegen. Tippt der Spieler nicht auf den Bildschirm, fällt der Vogel zu Boden. Eigentlich eine einfache Mechanik, wären das nicht die, wie aus Super Mario Brothers kopierten, grünen Rohre durch deren Lücken der Vogel navigiert werden müsste.

Update: Entwickler Dong Nguyen hat das Spiel schon wieder aus den App Stores genommen. Ihm sei der ganze Hype um das Spiel zu viel geworden. Schade.

Ich wollte dieses Spiel eigentlich nur kurz testen, da jeder darüber sprach. Ich installierte es, startete es das erste Mal. Der erste Versuch und ich navigierte den Vogel direkt kopfüber gegen die grüne Röhre – er stürzte ab. Kein Problem, das war das erste Mal und man muss sich eben ein bisschen an die Steuerung gewöhnen.

Zwei Stunden später: Unter Adrenalin feiere ich meinen Rekord von sieben durchflogenen Röhren. Dazwischen immer wieder lange Phasen, in denen ich einfach bereits vor die erste Röhre flog. Aber ich startete das Spiel wider jeglicher Vernunft neu, weil ich mir beweisen wollte, dass ich es doch schaffen kann.

Adrenalin, Verzweiflung, Hass

Eine weitere Stunde später gebe ich auf. Aus dem kurzen Antesten wurde eine dreistündige Odyssee, bei der ich das Spiel viele Male genervt neu startete, mich über mich selbst aufregte, dann über das Spiel, dann über mein scheinbar nicht rechtzeitig reagierendes Smartphone. Kein Zweifel: Dieses Spiel macht irgendwie Spaß und gleichzeitig hasse ich es.

Wieso will man sich aber nicht damit zufrieden geben, dass man es nicht direkt schafft durchzuspielen? Der Trick: Das Spiel scheint nur einfach zu sein, aber eigentlich erfordert es sehr viel Geschick und Koordination, den tollpatschigen Vogel durch die sehr engen Röhrenlücken zu navigieren. Ein falsch platzierter Tipp auf den Screen und man muss von vorn beginnen. Und weil es eigentlich einfach scheint, möchte man sich selbst nicht eingestehen, dass man diese eigentlich einfache Aufgabenstellung nicht direkt mit Bravour erledigt.

Und so habe ich Flappy Bird wieder deinstalliert. Ich kenne mich. Ich würde vermutlich in jeder freien Minute versuchen, meinen Rekord von mickrigen sieben Röhren zu schlagen. Und vermutlich würden dafür Stunden draufgehen, die ich eigentlich nicht habe und die ich auch eigentlich nicht mit diesem Spiel verbringen wollen würde. Dem Entwickler kann man aber hier nur das größte Lob aussprechen. Er hat genau den Nerv der Smartphone-Zocker getroffen und ein einfaches Spiel geschaffen, dass den Spieler herausfordert, verzweifeln, aber weitermachen lässt. Damit wird er gerade reich: 50.000 US-Dollar setzt er damit angeblich täglich um. Jetzt aber ohne mich. Ich gebe auf.

Das Spiel ist derzeit nicht mehr in den App Stores erhältlich.

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2 Kommentare zu “Wahre Hassliebe: Smartphone-Game Flappy Bird treibt Spieler in den Wahnsinn
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