Videotelefonie ohne Festnetz: So klappt es mit Oma und Opa

Wie könnt ihr (nicht nur) in Zeiten von Corona ohne Probleme eure Oma im Altenheim oder den Opa ohne Internet sehen? So kann Videotelefonie ohne Festnetz-Internet funktionieren.

Um es gleich vorweg zu sagen: Ohne Internet geht’s bei Videotelefonie nicht. Wenn euch beispielsweise die Großeltern auf dem Land, naturliebhabende Freunde ohne Festnetzanschluss oder die wenig versierten Eltern trotzdem mal wieder sehen möchten, müssen kreative Lösungen her. Am besten welche, die das Gegenüber nicht überfordern.

Ausgangssituation: Kein Festnetzanschluss mit Internet

Ja, es klingt unglaublich, aber es gibt sie: Menschen ohne Internet-Anschluss. Doch wir müssen uns hier keineswegs Einsiedler im Wald vorstellen, sondern es sind oft ältere Menschen, die beispielsweise in Pflegeheimen wohnen oder in ihrem Leben kaum Berührungspunkte mit der digitalen Welt hatten. Sicher dürften es die Kinder und Enkel häufiger versucht haben, sie von den Vorzügen des Internets zu überzeugen, doch spätestens jetzt gibt es einen triftigen Grund: Die Corona-Krise zwingt uns zur Distanz, das persönliche Treffen der Generationen ist nicht ungefährlich.

Wie aber können Oma und Opp auch die Kinder, Enkel, Urenkel live sehen? Mit einem regulären Breitband-Internetanschluss oder zumindest WLAN empfehlen sich Anwendungen wie Skype, WhatsApp, Facetime oder Google Duo. Doch fehlt es am Festnetz-Internet – was dann?

Videotelefonie ohne Festnetz? Dann mit mobilem Internet!

Eine überaus flexible Lösung kann das Schaffen eines Hotspots bei der Person ohne Internet sein. Eine zwar nicht ganz günstige, aber praktische Option wäre der von mir vor einiger Zeit getestete Skyroam Solis X, mit dem ihr völlig unabhängig von Mobilfunkanbietern Datenvolumen auch aus der Ferne kaufen könnt und ein geschütztes WLAN-Netz für mehrere Teilnehmer aufbaut.

Dieser kleine Hotspot bietet euch volle Flexibilität. (Foto: Sven Wernicke)

Dieser kleine Hotspot bietet euch volle Flexibilität. (Foto: Sven Wernicke)

Ähnlich funktionieren Mini-Router wie zum Beispiel der mobile Hotspot Vodafone R218 oder der gleichnamige LTE Minirouter von Congstar, der sogar einen integrierten Akku besitzt. Mit dem Alcatel LinkZone MW40V LTE-Router erhaltet ihr ein passendes Gerät, das ihr nur mit einer geeigneten SIM-Karte für ausreichend Datenvolumen ausstatten müsst. Der TP-Link TL-MR6400 verfügt sogar über 4 LAN-Ports, sofern die nötig sind. Mobilfunkanbieter haben unter Umständen geeignete Komplettpakete parat. Ob diese dann günstiger sind, ist freilich eine andere Frage.

Ein LTE-Router bringt WLAN in die Wohnung. (Foto: TP-Link)

Ein LTE-Router bringt WLAN in die Wohnung. (Foto: TP-Link)

Der Vorteil von LTE-Routern ist, dass ihr diesen bei euch daheim einrichten könnt, eure Eltern oder Großeltern müssen ihn nur noch aufstellen und einschalten. Eine Verwaltung der Kosten kann dank Prepaid-SIM über euch erfolgen. So wären sie ohne viel Aufwand zumindest mit mobilem Internet versorgt. Was ihr noch bräuchtet, wäre ein Gerät wie ein Smartphone oder Tablet, das über WLAN mit dem Router verbunden und auf dem Skype oder eine andere Videotelefonie-Software installiert ist.

Ein betagtes Smartphone für die Großeltern

Liegt noch ein altes Smartphone in der Schublade, könnt ihr dieses auch euren Großeltern in die Hände drücken. Bevor ihr sie damit überfordert, ein paar grundsätzliche Ratschläge:

  • Wählt, sofern kein LTE-Router im Einsatz ist, einen Prepaid-Tarif mit ausreichend Datenvolumen pro Monat
  • Entfernt vom Smartphone alle unnötigen Apps, die irritieren könnten.
  • Nutzt möglichst einfache Apps. Auf dem iPhone empfiehlt sich FaceTime, unter Android Google Duo
  • Weist das Gegenüber darauf hin, dass ihr anruft. So müsst ihr nicht erklären, wie das alles funktioniert
  • Sucht passende Smartphone-Hüllen oder Ladeschalen, damit das Telefon immer richtig positioniert ist für die Verwendung
  • Bei Bedarf: Richtet das Smartphone seniorentauglich ein

Im besten Fall steht das Smartphone bei euren Verwandten an einem festen Ort und wartet darauf, dass ihr anruft. Oma, Opa, Onkel, Tante, Mutti, Vati müssen also nur den ankommenden Anruf annehmen, was vermutlich niemanden überfordern dürfte.

Smart Display für Videotelefonie

Ein Smart Display mag nicht für alle sinnvoll sein, doch gerade bei Videotelefonie sehe ich persönlich einen echten Mehrwert. Das Lenovo Smart Display ist aufgestellt schon in der optimalen Position für Video-Telefonie, die in diesem Fall über Google Duo ablaufen kann. Der Vorteil: Das Modell mit 10-Zoll-Display lässt Nutzer auch den Anrufenden viel besser erkennen als auf einem kleinen Smartphone-Bildschirm. Ähnlich geartet ist der Echo Show 10, über das Amazon-eigene System erfolgen hier Videogespräche. Klar – unter Umständen schöpfen die Großeltern das Potenzial der Smart Displays nicht aus, da sie ja auch Lautsprecher und Sprachassistent sein können, doch für Videotelefonie alleine sind sie gute Kandidaten.

Praktisch und schick - das Lenovo Smart Display. (Foto: Lenovo)

Praktisch und schick – das Lenovo Smart Display. (Foto: Lenovo)

Wichtig zu wissen: Smart Displays benötigen immer eine Internetverbindung, sodass ihr auch hier einen LTE-Router oder WLAN-Hotspot braucht. Eine Einrichtung und teils auch Fernsteuerung kann dagegen direkt bei euch erfolgen.

Ein neues Tablet mit LTE

Wenn euch das alles etwas zu kompliziert ist, wäre da noch eine andere Lösung: Kauft euren Angehörigen ein Tablet mit integriertem LTE-Modul. Auch hier benötigt ihr eine SIM-Karte, zum Beispiel von einem Prepaid-Anbieter.

Ein iPad ist auch eine gute Wahl. Denkt an einen geeigneten Ständer, damit es mit der Videotelefonie ohne Festnetz klappt. (Foto: Apple)

Ein iPad ist auch eine gute Wahl. Denkt an einen geeigneten Ständer, damit es mit der Videotelefonie ohne Festnetz klappt. (Foto: Apple)

Ein iPad Mini 4 mit LTE und 8-Zoll-Display kostet längst nicht mehr die Welt, ein klassisches iPad mit 10,2 Zoll und 4G-Modul ist ebenfalls nicht teuer. Diese Apple-Tablets eignen sich vor allem dann, wenn ihr ihr selbst ein iPhone oder iPad besitzt und so über FaceTime kommunizieren könnt.

Im Bereich Android lohnt ein Blick auf das Samsung Galaxy Tab A10 mit LTE, das sich für Google Duo oder Skype eignet. Das ist schön groß und preislich fair.

Wie viel Datenvolumen bei Videotelefonie sollte ich einplanen?

Es lässt sich schwer pauschal sagen, welche Datenmengen bei Videotelefonie entstehen. FaceTime, WhatsApp und Co. verbrauchen zwischen 4 MB und 10 MB pro Minute, was wiederum von vielen Faktoren abhängig ist. So erhöht sich bei FaceTime der Traffic bei einer bestehenden WLAN-Verbindung, bei LTE dagegen sinkt sie. Rechnet ihr also mit 10MB pro Minute, seid ihr auf der sicheren Seite.

Plant ihr längere Videotelefonate pro Monat, geizt bei einer Prepaid-Karte nicht mit dem Datenvolumen. 5GB (und mehr) sind ratsam. Einige Provider bieten hier auch spezielle Daten-Tarife an.

Was ihr noch wissen solltet

Bisher war kaum die Rede von WhatsApp, was mehrere Gründe hat. Zwar ist der Messenger überaus praktisch und eignet sich für Videotelefonie ohne Festnetz, doch setzt dieser immer eine aktive SIM-Karte voraus und ist doch gerade für Laien zu Beginn recht kompliziert. Wie bei FaceTime, Skype oder Google Duo gilt auch hier: Eine Einrichtung sollte eine erfahrenere Person übernehmen, die das Smartphone oder Tablet so gestaltet, wie es die Internet-lose Gegenseite gut verwenden kann. Dann klappt’s natürlich auch mit WhatsApp.

Und noch etwas: Sollten sich eure Angehörigen in Pflegeheimen befinden, fragt doch einmal nach, ob ihr dort ein WLAN nutzen könnt. Das erspart euch den Umweg über einen LTE-Router, verlangt aber auch hier eine Konfiguration der Hardware.

Habt ihr eine Lösung gefunden, wie ihr trotz fehlender Internetverbindung mit euren Lieben in Form von Video-Telefonaten in Kontakt bleiben könnt? Ich freue mich über einen Kommentar.

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2 Kommentare zu “Videotelefonie ohne Festnetz: So klappt es mit Oma und Opa
  1. Wenn die Grosseltern kein Internet haben, genügt dann nicht eine Sim-Karte im Tablet um zu skypen?
    Wozu brauche ich den WLAN-Router ?

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