Und Google so: Wir verscherbeln deine Daten nicht, wir können auch so damit Geld verdienen

Google setzt in einer neuen Kampagne auf Transparenz und Freundschaft. Dabei zeigt der Suchriese, was er an Standort- und Werbedaten über euch hat und wie er damit nach eigener Aussage Geld verdient ohne eure persönlichen Daten zu verkaufen. Das mussten wir uns anschauen!

„Nein. Wir verkaufen Ihre persönlichen Daten nicht“, heißt es in Googles neuer Infokampagne About Ads. Persönliche Daten sind zum Beispiel E-Mail-Adresse und Kreditkartendaten, die man mit Google etwa für einen Android-Account teilt. Das scheint dem Konzern mittlerweile am Herzen zu liegen, denn Google schreibt weiter: „Da es sich um ein wirklich zentrales Thema handelt, betonen wir es noch einmal ausdrücklich: Ihre persönlichen Daten werden von Google nicht verkauft.“

Okay, verstanden!

Okay, verstanden!

Gut, das wäre damit geklärt. Aber was macht Google dann mit unseren persönlichen Daten? Sie werden intern ausgewertet. Etwa Suchanfragen und der Standort, an dem wir uns aufhalten, werden dazu benutzt, um uns passende Werbung anzuzeigen. In den Einstellungen für Werbung können wir der Praxis zustimmen…

Werbung gibt es bei Google so oder so, aber personalisiert soll sie für uns einen Mehrwert haben.

Werbung gibt es bei Google so oder so, aber personalisiert soll sie für uns einen Mehrwert haben.

… oder sie verweigern:

Google_interessensbezogene_Werbung2

Werbung gibt es aber in jeden Falle trotzdem. Die grün markierte Option mit unseren persönlichen Daten soll passendere Werbung zu unseren Suchanfragen, Mails und dem aktuellen Standort liefern. Die Daten werden laut Google jeweils intern ausgewertet und mit passenden, vorgebuchten Werbeanzeigen verknüpft. Die Werbeindustrie erhält demnach nur generelle, aber keine personalisierten Informationen, sondern etwa in der Form: 25 bis 34 Jahre alt, weiblich, interessiert an Gadgets.

Google betont, dass nur anonymisierte Daten weitergegeben werden.

Google betont, dass nur anonymisierte Daten weitergegeben werden.

Auf der Seite Einstellungen für Werbung kann sich jeder Nutzer darüber informieren, was Google über ihn weiß. Er kann interessensbezogene Werbung ausschalten oder sogar neue Interessen hinzufügen, um noch bessere auf ihn abgestimmte Werbung zu erhalten. Denn, wie geschrieben: Werbung zeigt Google in jedem Falle an.

Google: Die Kontrolle habt ihr selbst

Google gibt dem Nutzer aber noch weitere Infos an die Hand. So gibt es Kontrollmöglichkeiten über die Einstellungen, einen Privatsphärencheck, der auch Einstellungen erlaubt, und weitere Informationen über Datenschutz. Motto: Wir tun alles für Ihre Sicherheit:

Google_Sicherheit

Darin enthalten ist auch den Hinweis, dass man im Rahmen nationaler Gesetze Nutzerdaten an staatliche Stellen weitergeben müsse, etwa, wenn es um Strafverfolgung geht. An Programmen, die es staatlichen Institutionen dauerhaft erlauben würden, auf Nutzerdaten zuzugreifen, nehme man selbstverständlich nicht teil. Und jede Anfrage würde von Googles Rechtsabteilung zunächst geprüft und im Zweifelsfalle abgewiesen.

Auskunftswunsch von staatlichen Stellen – Geheimdienste allerdings ausgenommen.

Auskunftswunsch von staatlichen Stellen – Geheimdienste allerdings ausgenommen.

Dass Google sich gegen die Überwachungsprogramme von Geheimdiensten wie NSA und GCHQ kaum wehren kann, steht da nicht. Aber da ist die Schuld auch eher bei den jeweiligen Regierungen zu suchen, wie auch der Mathematiker Günter Dück in einem Video mit dem Stifterverband (via Mobiflip) kürzlich sagte:

Der Aufschrei trifft eher Facebook und Google und nicht – wie es eigentlich passender wäre – die US- oder die Bundesregierung. Seltsam eigentlich. Interessant auch: die aussagekräftigsten Daten, die Google demnach über mich gespeichert hat, stammen von meinem Google+-Account, also von mir selbst.

Wo warst du wann? Google Maps zeichnet alles auf und zeigt es euch

Und dann gibt es noch ein interessantes Feature zu unseren persönlichen Daten, das Google gestern in Zusammenhang mit der neuen Kampagne vorgestellt hat: der Standortverlauf zeigt euch in einer interaktiven, videoähnlichen Grafik an, wann ihr wo gewesen seid, zum Beispiel hier:

Ich war neulich offensichtlich mal viel in der Stadt unterwegs.

Ich war neulich offensichtlich mal viel in der Stadt unterwegs.

Ihr könnt hier in der Zeit zurückspringen und praktisch im Abstand weniger Minuten nachverfolgen, wann ihr wo gewesen seid:

Google Standortverlauf: Wann war ich wo?

Google Standortverlauf: Wann war ich wo?

So konnte ich anhand eines Bewegungsprofils ziemlich genau nachverfolgen, dass ich neulich dienstags gegen 19 Uhr offensichtlich einmal zu meiner Freundin gegangen bin. Der Weg und die Adressen lassen sich dabei ziemlich genau verfolgen. Ein wenig erschreckend fand ich das schon. Selbst wenn ich ortsbezogene Dienste eingeschaltet habe: Muss Google das alles wissen? Und speichern?

Yeah, wir wissen alles über euch! Ist das nicht cool?

Dass Google selbst die Möglichkeit im eigenen Maps-Blog als tolles neues Feature anpreist, lässt mich vermuten, dass man das mit der Datenschutzkampagne soo todernst dann doch wieder nicht nimmt. Denn zur Erinnerung: Gerade an Standortdaten besteht bei Geheimdiensten ein besonderes Interesse. Und da sie zusätzlich auch im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung erfasst werden sollen, ließen sich derartige Daten recht schnell abgleichen, wenn man sich einmal dazu Zugang verschafft.

Google Standortverlauf

Google Standortverlauf

Pikant wird die Funktion dadurch, dass auch Bilder in der Zeitleiste auftauchen, die beim neugierigen neuen Fotodienst Google Fotos hochgeladen wurden. Und die App ist mittlerweile die neue Standard-Bildergalerie auf Android-Geräten.

Fazit: Zwei Schritte vor, einer zurück

Googles Datenschutzkampagne ist gut und wichtig! Immer wieder stand der Konzern zu Unrecht in der Kritik, Nutzerdaten einfach zu verschachern. Der schwarze Peter war schnell zugeschoben, obwohl er eigentlich bei staatlichen Stellen liegen müsste. Apple verdient in Form von iAds ebenfalls Geld mit anonymisierten Nutzerdaten. Also lässt sich Gut und Böse hier nicht so klar voneinander scheiden.

Was gut und was böse ist, scheint Google aber dafür manchmal selbst nicht so genau zu wissen, wie die Werbung für den Standortverlauf und die Verknüpfung mit Google Fotos zeigt. Aber eine ganz ehrliche Debatte um Datenschutz und Privatsphäre scheint heute ohnehin kaum noch möglich.

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