Threema: Der Geheimtipp unter den WhatsApp-Alternativen

Nicht erst seit der Übernahme von WhatsApp durch Facebook steigt sichere Kommunikation in der Gunst der Nutzer. Deutsche Datenschützer nutzen die Aufmerksamkeit, um noch einmal auf den laxen Umgang mit Daten und Sicherheit bei vielen mobilen Chatprogrammen hinzuweisen. Dabei hat sich seit einigen Monaten ein Schweizer Dienst zu einer Art Geheimtipp gemausert, der seit der WhatsApp-Übernahme regen Zulauf erhält: Threema. Das mobile Chatprogramm setzt auf eine sichere Verschlüsselung direkt auf dem Smartphone. Sicherheit steht bei dem Dienst hoch im Kurs. Die geringen Kosten von rund 1,50 Euro für die App sind es vielen Kunden wert.

Gleich bei der Anmeldung merkt der Nutzer, dass bei Threema etwas anders ist als bei WhatsApp. Die Frage nach der Durchsuchung des Adressbuchs ist optional, aber Threema weist anders als WhatsApp darauf hin, dass die Daten nur einmalig an den Server geschickt, dort aber nicht gespeichert würden. WhatsApp tut selbiges ganz unverholen und wie selbstverständlich.

Auf Threema selbst erhält jeder Nutzer einen achtstelligen Code, den er weitergeben und über den er gefunden werden kann. Mit diesem Code umgeht Threema auf Wunsch eine Klarnamendarstellung. Wer hier nicht gefunden und vor allem durchsucht werden will, kann auf Threema anonym bleiben. Auf diese Art und Weise erschwert sich der Dienst zwar eine virale Verbreitung, stellt sich aber ganz in den Dienst der Nutzer. Dafür verlangen die Schweizer Anbieter einen kleinen Obolus: 1,40 Euro kostet die App auf Google Play, 1,79 Euro im AppStore. Das weniger sichere Vorbild WhatsApp ist als App kostenlos, für einige Nutzer wird nach intensiver Nutzung eine Jahresgebühr von knapp unter 1 Euro fällig.

Wie WhatsApp im anderen Gewand

Ansonsten ist alles wie gehabt: Die Nutzer kommunizieren via Text, können Smileys verwenden, Bilder oder Videos mitschicken, Gruppenchats führen. Lediglich das Aufnehmen und Verschicken von Sprachnachrichten beherrscht Threema zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Genau wie bei WhatsApp werden Threema-Nutzer über neu eintreffende Nachrichten mit einer Push-Nachricht und einem Rufton benachrichtigt. Große Unterschiede zu oder Einschränkungen gegenüber WhatsApp sind in der Handhabung nicht zu erkennen.

So erlebt die App seit einigen Wochen einen regelrechten Zulauf von Menschen, die ihr Sicherheitsbewusstsein unter Beweis stellen wollen. Besonders in den vergangenen Tagen profitiert der Dienst von der erhöhten Aufmerksamkeit für Messenger und verdoppelte seine Nutzerzahl gar. Auf meiner Kontaktliste finden sich zahlreiche Early Adopter und Menschen, von denen ich auch ausging, dass sie dem relativ unsicheren Protokoll von WhatsApp nicht trauen. Zu diesem frühen Zeitpunkt – Threema startete erst im vergangenen Sommer – ist die Zahl der Freunde, die ich dort finde, schon jetzt erstaunlich hoch. Und wie bereits erwähnt: Nicht jeder meiner Freunde taucht hier offen auf. Es schrieben mich schon zwei alte Bekannte an, von denen ich nur den Threema-Schlüssel sah und sie erst einmal fragen musste, wer sich eigentlich dahinter verbirgt.

Gar nichts ist sicher

Threema setzt auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Auf ihrer Website schreiben die Zürcher:

„Sämtliche Verschlüsselung geschieht direkt auf dem Gerät, und asymmetrische Kryptografie garantiert, dass nur der vorgesehene Empfänger Ihre Nachrichten lesen kann.“

Beim Hinzufügen neuer Kontakte informiert Threema mit drei Sicherheitsstufen. Die einfachste Stufe, rot, garantiert praktisch keine Sicherheit. Der Kontakt wurde vom Server geholt und schreibt den Nutzer nun zum ersten Mal an. Stufe gelb verifiziert zumindest Telefonnummer und E-Mail-Adresse, falls angegeben. Und wer ganz auf Nummer sicher gehen will, erstellt für seine Kontakte einen eigenen Schlüssel, den er seinem Gegenüber auf dem eigenen Smartphone als QR-Code anzeigt. Der andere scannt diesen Code mit dem Phone und vernetzt sich damit. Hierfür vergibt Threema die höchste Sicherheitsstufe grün.

Und all das garantiert nun, dass NSA, GCHQ und Co. nicht mehr mitlesen können? Leider nein. Aber man macht es einem Fremden schon deutlich schwerer, die Daten einfach auszulesen, indem er die Kommunikationsnetze überwacht. Wer bei Threema mitlesen will, müsste nun schon direkten Zugriff auf das jeweilige Smartphone haben. Die NSA verfügt auch über solche Möglichkeiten, wie wir im vergangenen Sommer erfuhren. Sicher ist also gar nichts, auch nicht bei Threema. Aber immerhin verhindert man damit, dass der jeweilige Betreiber des Chatprogramms (im Falle von WhatsApp künftig also Facebook) die Daten mitlesen, auswerten und weiterverkaufen kann. Und dass jeder Hacker, der über das notwendige Rüstzeug verfügt, die Daten abfangen und mitlesen kann. Das klingt doch allemale attraktiv.

Zur Threema-Website

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4 Kommentare zu “Threema: Der Geheimtipp unter den WhatsApp-Alternativen
  1. Hab sie mir mal installiert, sieht gut aus und funktioniert. Es ist zwar einfach alle Verifizierungen durchzuführen, dennoch denke ich das so mancher User davon überfordert sein wird. Was soll ich verifizieren? Wen kann ich in meiner Kontaktliste sehen und warum sehe ich diesen und jenen nicht? Das sind Fragen die auftauchen werden. Ich hoffe, dass die meisten durchsteigen.

    • Avatar

      Um den bestmöglichen Datenschutz zu erreichen, gibt man am Besten keine E-Mail-Adresse und keine Telefonnummer ein und aktiviert auch nicht den Kontaktabgleich sondern verbindet sich mit seinen Gesprächspartnern ausschließlich über den eingebauten QR-Code-Scanner.

    • Ja gut, aber dann kannste ja erstmal ne Weltreise machen bevor du alle Kontakte zusammen hast. Und sind wir wieder am Punkt angelangt: Das macht die große Masse mit Sicherheit nicht.

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