Rückblende: Was war das für ein Jahr!

Das Jahr 2014 liegt hinter uns, und nichts ist mehr so, wie es einmal war. Auch nicht in der Technikwelt. Jahrelang schien es hier stillschweigend einen Konsens gegeben zu haben: Smartphones und Tablets sind die hoffnungsvollste und interessantesten neuen Geräteklassen. Im Jahr 2014 kam das Wachstum bei beiden allerdings nahezu zu einem Stillstand, dafür drängten viele neue Produktkategorien auf den Markt. Der einstige Smartphone-Marktführer Samsung verkauft immer weniger Geräte, der Aufschwung bei Tablets ist längst dahingeschmolzen. Plötzlich sind die guten alten PCs und Laptops wieder gefragt. Und was wird 2015 eigentlich aus der Flut der Smartwatches, fragen Skeptiker?

Apple Watches mit zahlreichen Funktionen und Oberflächen

Apple Watches mit zahlreichen Funktionen und Oberflächen

Nicht ganz zu Unrecht übrigens, denn bisherige Smartwatches haben kaum einen Träger bislang wirklich überzeugt. Die Geräte sehen zwar teilweise chic aus, sie sind aber kaum mehr als eine Verlängerung des Smartphones ohne das die wenigsten Geräte auskommen. Mit Smartwatches lässt sich nur schlecht kommunizieren. Googles Ansatz Android Wear etwa wirkt wie ein bloßer Second Screen des überschätzten persönlichen Assistenten Google Now. Die Akkus sind meist nach wenigen Stunden leer. Wird sich das alles im kommenden Jahr mit der Apple Watch ändern? Möglich, aber noch lange nicht wahrscheinlich.

Viele, viele Baustellen

Und überhaupt: Smartwatches, Smartphones, Tablets: All das sind mittlerweile nur noch einige von vielen Produktklassen der weltgrößten IT-Schwergewichte. Google und Apple wollen künftig in all unseren Lebensbereichen mitspielen. Sei es beim mobilen Bezahlen, beim Thema Heimvernetzung, im Auto, auf dem Fernseher, beim Thema Games, auf dem Laptop oder bei Datenbrillen. Bei Google hatte man mitunter das Gefühl, der einst gefeierte Konzern hätte sich bei all seinen Baustellen zu viel aufgehalst. Ein bestenfalls ausreichender erster Entwurf des Smartwatch-Systems Android Wear, die TV-Konsole Nexus Player, die es ersten Tests zufolge mit der Konkurrenz nicht ganz aufnehmen kann, eine Kehrtwende um 180 Grad beim hassgeliebten Social Network Google+, kaum ernsthafte Fortschritte bei den Themen Android M (Auto) oder der Datenbrille Google Glass. Google kämpft an vielen Fronten, hoffentlich nicht zu vielen.

Fitness-Armband Fitbit Charge

Während man derweil die erste Welle der Smartwatches kritisch beäugt, sich vielleicht die ersten Bausteine für das vernetzte Zuhause oder ein Bluetooth-fähiges Gadget auf Kickstarter geordert hat und noch nicht so recht weiß, wie man all das in den Alltag integrieren soll, scheint sich eine Kategorie durchaus etabliert zu haben: Fitness-Armbänder. Belächelt wurde zwar der erste Vorstoß einer privaten Krankenkasse, den Monatsbeitrag an ein solches Gadget zu koppeln und mit den eigenen Fitnessdaten zu verrechnen. Doch nicht wenige haben eins der erschwinglichen Armbänder einfach einmal getestet. Man liest zahlreiche Berichte von Bloggern, die dadurch wirklich abgenommen oder sich mit Erfolg zu 10.000 Schritten täglich gequält haben oder die dank der Schlafanalyse der Armbänder morgens weniger gerädert aufstehen. Ob nun ein lukratives Geschäftsfeld für die Anbieter oder nicht: Bewegung, das spürt man, ist in der Bevölkerung seitdem wieder en vogue. Vorbei die Zeiten, in denen die Werbe-Industrie uns am liebsten mit dem Tablet auf die Couch schickte. Raus in die Kälte, ist nun das Motto, und keine Müdigkeit vorschützen!

Curved OLED und Ultra HD

Doch auch das Thema Couch bleibt nach wie vor hochbrisant. Es stimmt allerdings: Tablets sind schön und gut zum Lesen hochgeistiger Presse-Erzeugnisse und vielleicht auch zum Zocken. Aber wenn es um Bewegtbild geht, dann ist mittlerweile der große TV-Bildschirm wieder gefragt. Die TV-Hersteller glauben da zu wissen, was wir in Zukunft wollen: Curved OLED mit Ultra HD! Organische, selbst leuchtende Dioden, die weniger Strom verbrauchen, trotzdem beeindruckende Kontrastwerte und wirklich schwarzes Schwarz erzeugen sollen auf einem Bildschirm in gestochener Schärfe, der leicht zu uns hin gewölbt ist, um unsere Augen noch etwas mehr verwöhnen.

Samsung Curved OLED-TV

Samsung Curved OLED-TV

Klingt gut und ist es größtenteils auch, aber auch noch teuer, noch nicht breit verfügbar. Und Ultra HD – ein Trend der Zukunft, nicht der Gegenwart. Bisher ging es über die Experimente einiger Anbieter dabei nicht hinaus. Die TV-Sender, Satelliten- und Kabel-TV-Anbieter verstehen unter HDTV derzeit noch HD-Ready und wären schon zufrieden, würden die Kunden ein paar Euro extra im Monat dafür ausgeben.

Zurück ins nun vernetzte Wohnzimmer

Und dennoch mochte man im Jahr 2014 endlich wieder einen Schritt in sein verstaubtes Wohnzimmer setzen. Denn dem Hype um Ultra HD, 4K und Curved OLED ungeachtet, wurden Smart TVs pllötzlich en vogue, bedingt auch durch die Aufrüstung an Geräten durch die – erfolgreich gewonnene – Fußballweltmeisterschaft. Und wer keinen Smart TV zuhause stehen hatte, der rüstete eben nach. Einen überraschenden Erfolg erlebte das oben noch von mir gescholtene Google mit dem Nebenprojekt Chromecast: ein Stick für weniger als 40 Euro, der jeden Fernseher zu einem Smart TV nachrüstet. Sony, Mozilla, Microsoft, Amazon und zuletzt sogar Sky hielten mit eigenen Streaming-Sticks oder Set-Top-Boxen dagegen. Das Internet hat endlich den Weg in unsere Wohnzimmer gefunden und der gute alte Fernseher noch lange nicht ausgedient.

Set-Top-Box von Sky und Roku

Set-Top-Box von Sky und Roku

A propos Sky: Sehr spät aber besser als nie hat der Pay-TV-Anbieter doch noch das Potenzial des Internets erkannt und ist von seiner starren Devise „Alle Angebote nur gegen teure Abos“ ein wenig abgewichen. Die vor einem Jahr gestartete Online-Videothek Sky Snap hat sich etabliert und wurde zuletzt vom erstaunlichen Angebot Sky Online noch ergänzt: Serienfans sehen hier für 20 Euro im Monat jeweils die neuesten Episoden aus den USA ab nur einem Tag nach der Original-Ausstrahlung. Ohne Sky-Abo. Wann und wo sie wollen.

Netflix ist in Deutschland gestartet.

Netflix ist in Deutschland gestartet.

Halblegale Serienangebote wurden dadurch noch ein Stückchen weniger interessant. Eine wichtige Rolle spielte dabei allerdings auch der Start der beliebten US-Online-Videothek Netflix in Deutschland. Der Anbieter ist für seine teuren Eigenproduktionen wie „House of Cards“, „Orange is the New Black“ oder „Marco Polo“ bekannt und brachte diese mit nach Deutschland. Etablierte Medienhäuser wussten, dass sie darauf reagieren mussten. Und seitdem gibt es nicht nur Videotheken für Spielfilme und TV-Serien satt. Selbst die deutsche TV-Landschaft hat nun erkannt, dass eine Erfolgsserie wie „Breaking Bad“ oder „House of Cards“ einem Sender gut zu Gesicht steht. Man hat nun zumindest die Weichen gestellt, um eigene Qualitäts-TV-Serien ins deutsche Fernsehen zu bringen. 2015 dürfte man die ersten davon zu sehen bekommen – auf Wunsch sogar im eigenen Wohnzimmer.

Konsolenkrieg, Teil 3

Sony Playstation 4

Sony Playstation 4

Und auf eine Tradition zumindest war im Jahr 2014 Verlass: den guten, alten Zweikampf zwischen Sony und Microsoft um die erfolgreichste Spielekonsole. Zwar fiel der Start von Playstation 4 und Xbox One noch ins Vorjahr, die Meldungen, wer gerade wieder am meisten verkauft habe, hielten uns aber auch das ganze Jahr 2014 über auf Trab. Und so erhielten wir auch eine Antwort auf die Frage, ob klassische Spielkonsolen überhaupt noch zeitgemäß sind in Zeiten, in denen man auf jedem Tablet, jeder Set-Top-Box und mit einem Controller auch auf Devices wie dem Google Chromecast daddeln kann. Die Antwort gibt eigentlich schon ein Spieletitel wie das neue „Assassin’s Creed Unity“ mit fantastisch echt wirkenden Spielszenen. Ohne PS4 und Xbox One würde Spielefans einiges fehlen – und sei es nur die alte Fehde zwischen den beiden Kontrahenten.

Wir wünschen Ihnen ein gutes, friedliches Jahr 2015 mit einer Menge neuer Entdeckungen und wieder vielen spannenden Geschichten der Technikwelt. Nicht umsonst heißt es schließlich Unterhaltungselektronik.

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