Öffentlich-rechtlicher Jugendkanal kommt nun doch – aber nur online

Öffentlich-rechtlicher Jugendkanal kommt nun doch – aber nur online

Seit langem schon schwelt der Streit um einen geplanten neuen Jugendkanal von ARD und ZDF. Immer wieder wurde das ehrgeizige Projekt angekündigt, modifiziert und verworfen. Finanzierungspläne wurden erstellt, verändert und abgelehnt. Jetzt aber hat die Ministerpräsidentenkonferenz in Potsdam ein Konzept des SWR für den öffentlich-rechtlichen Jugendkanal genehmigt. Doch so wie ursprünglich einmal geplant, wird es den Sender nicht geben, denn der geht jetzt ausschließlich als Online-Angebot in die nächste Planungsphase.

Primär die Unions-geführten Länder hatten bis zuletzt ihren Widerstand gegen einen Jugendkanal von ARD und ZDF aufrechterhalten. Sowohl die Finanzierungsmöglichkeiten als auch die verschiedenen Senderkonzepte insgesamt waren nach Ansicht der CDU nicht hinreichend ausgereift. Nun aber steht fest, dass es ein entsprechendes Programm geben wird – allerdings nur im Internet. Mit dem Online-Angebot sollen Spartenkanäle wie ZDFneo und ZDFinfo ergänzt werden. Das ursprünglich geplante crossmediale Konzept inklusive einer Verbindung des Jugendkanals als linearen Sender mit Online- und Hörfunk-Content ist damit offenbar endgültig vom Tisch. Dennoch wolle man „konsequent an der Umsetzung eines zugeschnittenen Angebots für die junge Generation arbeiten, auch wenn dabei viele anfangs nicht vorhandene Problematiken auftauchen werden, etwa im Hinblick auf eine veränderte Urheberrechtssituation“, so der SWR-Intedant Peter Boudgoust.

Insgesamt wollen die beiden öffentlich-rechtlichen Sender für den Jugendkanal rund 45 Millionen Euro als Finanzmittel zur Verfügung stellen. Im Gegenzug sollen dafür aber die Digitalsender ZDF Kultur und Eins Plus eingestellt werden. Für den veranschlagten Personalbedarf zur Betreibung des Online-Jugendkanals werde man einen Antrag bei der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten stellen. Man rechne mit maximal 30 notwendigen Stellen zur Realisierung des Programmangebots. Damit will man auch einer Forderung der KEF entgegentreten, die zuletzt vom ZDF verlangt hatte, bis zum Jahr 2020 rund 560 Vollzeitstellen abzubauen. Diese Forderung müsse nach Ansicht der ZDF-Verantwortlichen nun mit der Genehmigung des Jugendkanals relativiert werden.

Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien begrüßt hingegen die Einschränkung einer Expansion öffentlich-rechtlicher Spartensender ausdrücklich und sieht nach der Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz seine Position darin bestätigt, dass nun „ein am Bedarf vorbei konzipierter Jugendkanal von ARD und ZDF in seiner anfänglich geplanten Form gestoppt worden sei.“

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