Nokia-Smartphones kommen zurück, Microsoft verramscht Handy-Sparte an Foxconn

Nokia hat heute bekannt gegeben, dass bald wieder Smartphones, Tablets und einfache Mobiltelefone unter der bekannten Marke verkauft werden sollen. Herstellen und verkaufen sollen sie allerdings zwei Drittunternehmen. Zeitgleich hat Microsoft die Nokia-Feature-Phone-Sparte an Foxconn verkauft.

Was ist passiert?

Zwei unterschiedliche Dinge. Zum einen hat Microsoft die Rechte an der Marke Nokia einem neuen Konsortium übertragen, zum anderen die Sparte der einfachen Mobiltelefone (Feature Phones) für 350 Millionen US-Dollar an den chinesischen Auftragshersteller Foxconn verkauft. Microsoft betont aber, dass man weiterhin Windows 10-Smartphones bauen und Support für Lumia-Smartphones anbieten will.

Keine neuen Lumia-Smartphones mehr von Microsoft?

Eine endgültige Absage an die Lumia-Sparte ist das nicht, aber zwischen den Zeilen liest es sich zumindest so, als hätte Microsoft genug von der verbrannten Marke. Auf Mobilfunkgeräte mit Windows 10 setzt man demnach schon noch. Das dürfte den Weg frei machen für gerüchteweise seit langem geplante Surface Phones. Es wäre wieder einmal ein Neustart für Microsoft im Mobilfunkbereich.

Baut Nokia also wieder Mobiltelefone?

Nein, ganz so einfach ist es nicht. Ein neu gegründetes Mobilfunkunternehmen mit dem Namen HMD Global zahlt für die Nutzung der Rechte Lizenzgebühren an Nokia, erhält allerdings gleichzeitig Rechte auf Patente, die nach dem Verkauf der Mobilfunksparte an Microsoft vor drei Jahren bei Nokia verblieben sind. Bis auf die technische und inhaltliche Unterstützung sei das Unternehmen Nokia nicht an der neuen Mobilfunkmarke Nokia beteiligt, erklärte man in der gemeinsam herausgegebenen Pressemeldung. Das obliege alleine HMD.

Wer sind HMD Global und FIH?

HMD Global ist ein neu gegründetes Unternehmen in der finnischen Hauptstadt Helsinki. Die Beteiligungen an dieser Firma sind derzeit unbekannt, es ist nach eigenen Angaben von privaten Geldgebern finanziert. Und zwar üppig finanziert. Denn mehr als 500 Millionen US-Dollar will HMD in den kommenden drei Jahren investieren, um Mobiltelefone und Tablets der Marke Nokia in den Markt zu drücken. Chef von HMD wird der frühere Nokia- und Microsoft-Manager Arto Nummela.

Eine weitere neue Schlüsselfigur ist die chinesische Foxconn-Tochter FIH. Diese hat von Microsoft die Produktion der früheren Nokia-Mobiltelefone übernommen und wird die neuen Geräte ebenso herstellen wie Nokias immer noch beliebten Einfach-Handys (Feature Phones).

Und wann geht’s los?

HMD und Nokia schreiben in der gemeinsamen Presseerklärung, dass Microsofts Ansprüche an der Marke Nokia mit dem zweiten Quartal 2016 enden, also schon Ende Juni. Gemessen an den schnellen Produktionszyklen auf dem heutigen Mobilfunkmarkt, der Erfahrung von FIH und dank Entwicklungen, die möglicherweise bereits in der Schublade liegen, könnten erste neue Nokia-Geräte mit etwas Glück schon in der zweiten Jahreshälfte 2016 auf den Markt kommen.

Android oder Windows?

Nokia war nach der Entscheidung für Windows Phone vom Marktführer zum Nischenhersteller verkommen und musste das Geschäft schließlich verkaufen. Man wird nun einen weiten Bogen um das ohnehin umstrittene Windows 10 Mobile machen und auf den mehr Erfolg versprechenden Marktführer Android setzen.

Und wie stehen die Chancen auf einen Erfolg?

Gar nicht einmal so schlecht. Die Marke Nokia steht für Erfahrung und Qualität. Das könnte viele Käufer motivieren, eins der neuen Nokia-Geräte weniger bekannten Marken aus Fernost vorzuziehen. Die zuletzt unter der Marke Lumia von FIH produzierten Smartphones überzeugten auch jeweils mit ihrer Hardware – Probleme gab es eher mit der Windows-Software. Android hingegen gilt als stabiler und beliebter und bietet die bessere App-Auswahl.

Auf der anderen Seite betritt HMD hier einen sehr umkämpften und beinahe gesättigten Markt. Gerade aus Fernost kommen Smartphones und Tablets, deren Hersteller zwar nicht immer bestens bekannt sind, die aber ausreichende Qualität zum Discount-Preis anbieten. Es wird selbst für die Marke Nokia schwer, sich hier zu etablieren. Zehn Prozent Marktanteil nach zwei Jahren wären hier schon eine Sensation. Zum Marktführer, wie einst, wird sich Nokia aber so schnell nicht mehr aufschwingen können.

Kann Nokia Microsoft wieder überholen?

Das wäre natürlich ein Coup, und es wäre gar nicht einmal so unrealistisch. Microsoft hat mit den neuen Windows 10-Smartphones noch längst nicht alle Baustellen geschlossen. Die Verkaufszahlen brachen mehrere Quartale in Folge ein, das Vertrauen der Kunden in eine rosige Zukunft für Windows 10 auf dem Smartphone ist nicht da. Zuletzt verkaufte Microsoft nur noch 2,3 Millionen Geräte mit dem neuen System – in einem Markt, in dem zeitgleich 335 Millionen Geräte (Q1 2016 laut IDC) abgesetzt wurden. Bliebe das auf diesen niedrigen Niveau, ließe sich das von einer bekannten Marke in der Tat schnell überholen. Microsoft könnte sich allerdings nun auf den vermeintlichen Heilsbringer Surface Phones konzentrieren und bald dagegen halten.

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