Neue Frequenzbelegung: Adieu DVB-T, hallo DVB-T2!

Seit dieser Woche ist es beschlossene Sache: Das digitale terrestrische Fernsehen der 1. Generation (DVB-T) wird in Deutschland im Jahre 2018 abgeschaltet. Die Frequenzen des bisherigen 700-MHz-Funkbandes werden dann für den Betrieb von Breitbandinternet über Funk neu vergeben. Der terrestrische TV-Funk der zweiten Generation (DVB-T2) zieht dafür auf ein anderes Funkband um, erhält mehr Möglichkeiten und erfordert neue Hardware.

Breitband und besseres Fernsehen gleichzeitig

Die Entscheidung hat die Bundesregierung am gestrigen Mittwoch getroffen. Jetzt soll alles sehr schnell gehen: Die Frequenzen im Funkband 700 MHz sollen noch im 2. Quartal dieses Jahres neu versteigert werden. Minister Alexander Dobrindt, zuständig für Verkehr und digitale Infrastruktur erhofft sich daraus Milliardeneinnahmen, die direkt in den Ausbau digitaler Infrastruktur reinvestiert werden sollen. Die Idee hinter der Neuvergabe ist der bessere Ausbau mit schnellen Breitbandleitungen, gerade auf dem Land. Die Bundesregierung möchte, dass jeder Haushalt bis 2018 über einen Breitbandanschluss von mindestens 50 Mbit/s über Festnetz oder mobil verfügen kann. Allerdings wurde dieser Zeitpunkt bereits mehrfach verschoben und die Internet-Service-Provider schrecken noch vor den hohen Kosten eines flächendeckenden Ausbaus zurück.

Dass das terrestrische Fernsehen dafür nun umziehen muss, war bereits in der Vergangenheit kritisiert, aber auch befürwortet worden. Die Investitionen in DVB-T1, die noch vor wenigen Jahren als „notwendig“ bezeichnet wurden, werden nur kurzfristig geholfen haben. Um den Nachfolgestandard DVB-T2 auf dem breiteren aber auch niedriger frequenten Funkbereich zwischen 470 und 690 MHz nutzen zu können, werden neue Empfangsgeräte notwendig. Noch hat praktisch kein aktuelles TV-Gerät die Technik implementiert. Sie dürfte allerdings in der nächsten Generation der TV-Gerätehersteller Einzug halten oder sich mit nicht all zu teuren Investitionen diesseits der 100-Euro-Marke nachrüsten lassen.

Endlich HD-Fernsehen

Der Vorteil: Mit DVB-T2 würden auch HD-Sender endlich Einzug in die Wohnzimmer halten, die auf terrestrisches Fernsehen („Antennenfunk“) angewiesen sind. Aktuell wird DVB-T laut dem Digitalisierungsbericht von 2014 immerhin von 7,4 Millionen Haushalten in Deutschland genutzt. Allerdings soll die Bandbreite nicht für mehr als sieben HD-Sender gleichzeitig ausreichen. Alle Sender in HD werden die Zuschauer also nicht empfangen können. Dafür soll die zweite Generation störungsärmer arbeiten als DVB-T2, und auch Bild und Ton der Kanäle in Standardqualität (SD) würden durch neue Codecs verbessert.

Mit etwas Glück profitieren Menschen in ländlichen Regionen also gleich doppelt von der Frequenzumverteilung: durch schnelleres Breitbandinternet und durch bessere TV-Qualität für einen wahrscheinlich nicht zu hohen Kostenbeitrag. Kritiker monieren zwar, dass Breitband über Funkdienste nicht mit Festnetzbreitband zu vergleichen sei – es gibt mobil etwa selten echte Flatrates und einige Dienste werden von Providern gesperrt. Allerdings haben Anbieter und Gesetzgeber noch ein paar Jahre Zeit, bei den Tarifen nachzurüsten.

Mehr Infos zur Umstellung auf DVB-T2 HD

Bild: TBS

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