Kommentar zur Netzneutralität: Lasst euch nicht für dumm verkaufen!

Eine Gruppe von europäischen Netzbetreibern, darunter die Deutsche Telekom, hat sich in einem offenen Brief für Aufweichungen der Netzneutralität ausgesprochen. Es gehört nicht viel dazu, das weinerliche Geheule in aller Deutlichkeit das zu nennen, was es ist: mutlos und innovationsfeindlich.

Es ist traurig, dass ein so wichtiges Thema einen so langweiligen Namen trägt: Netzneutralität. Und vielleicht deswegen werden die europäischen Telekommunikations-Unternehmen, die sich gegen sie aussprechen, diesmal damit durchkommen, sie abzuschaffen.

Klingt zu gut, um von Dauer zu sein

Netzneutralität heißt eigentlich nur, dass jeder Dienst, der etwas im Netz anbietet, gleich behandelt wird. Das ist alles: Egal ob ein Mammutkonzern die Daten anbietet, ein kleiner Blogger oder ein Online-Shop, dessen Betreiber versucht, sich selbstständig zu machen – alle Daten sollen gleich schnell beim Nutzer ankommen. Niemand wird bevorzugt. Klingt gut und vernünftig, findet ihr?

Es mag neutral sein, sagen die Internet Service Provider, also diejenigen, deren Leitungen wir dafür mieten, dass die Inhalte zu uns kommen. Fair allerdings wäre das nicht, lautet der Kritikpunkt, zumindest nicht für die Internet Service Provider. Warum nicht? Weil viele Unternehmen wie Google, Netflix oder Zalando über die Infrastruktur der Netzanbieter den großen Reibach machten und letztere nichts dafür bekommen.

Ach nein? Wie kommt es dann, dass ich trotzdem jeden Monat rund 50 Euro an Unternehmen wie die Telekom, O2 oder UnityMedia überweise und ihr wahrscheinlich einen ähnlichen Betrag? Wie kommt es, dass die Telekom im letzten Geschäftsjahr 69 Milliarden Euro Umsatz und einen Gewinnsprung auf 3,3 Milliarden Euro hingelegt hat und trotzdem angeblich vor sich hin darbt? Wie kommt es, dass die arme Telekom und andere Provider angeblich kein Geld für ein flächendeckend ansprechendes 3G-Netz in Deutschland haben (von 4G mal ganz abgesehen) und ich in den meisten unserer Nachbarländer, auch vermeintlich weniger reichen, nicht selten eine bessere Mobilnetzversorgung habe?

Kein Geld für ein 5G-Netz? Iwo!

Irgendwas stimmt doch da nicht. Unfair? Ich weiß ja nicht. Klar, es wird viel Geld kosten, nach dem 4G- auch noch das 5G-Netz aufzubauen. Aber genau das ist doch das Brot der Telcos. Jeder Angestellte, jedes Unternehmen ist heute in der Pflicht, sich weiterzuentwickeln, Neues zu lernen, Geld dafür zu investieren. Nur für Telcos oder die großen Zeitschriftenverlage, die ihre Energie in das hanebüchene Leistungsschutzrecht steckten, um dem Fortschritt etwas entgegen zu setzen, soll alles so bleiben wie es ist.

Ein offener Brief der Telcos, getragen von Günther Oettinger, soll nun bei der EU-Kommission dafür sorgen, dass der geplante Gesetzesentwurf zur Netzneutralität, der den Telcos gewaltige Schlupflöcher bietet, auch durchkommt. Ihr könnt noch bis heute Abend eine Petition dagegen zeichnen, die nicht weniger als den Titel „Rettet das Internet“ trägt.

Aussicht auf Erfolg? Gut möglich, dass die Telcos diesmal damit durchkommen. Schließlich gibt es vermeintlich wichtigere Probleme auf der Welt und die Industrielobby ist stark. Aber ihr wisst dann wenigstens, was die Stunde geschlagen hat, wenn euer Provider euch mal wieder erzählen will, es gäbe keine andere Lösung und das Geld wäre knapp. Das ist schlicht Blödsinn und das lässt sich anhand einfacher Fakten nachweisen.

Bildquelle: redcctshirt via Flickr unter Public Domain

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Ein Kommentar zu “Kommentar zur Netzneutralität: Lasst euch nicht für dumm verkaufen!
  1. Die mobile Netzabdeckung in Deutschland ist wirklich erbärmlich. Als ich neulich in Frankreich war, hatte ich auf der Autobahn selbst im allertiefsten Nirgendwo 3G oder sogar LTE. In Deutschland kann man froh sein, wenn man in der Nähe von Ortschaften vielleicht mal ein paar Kilometer EDGE hat. Also fast nichts. Da kommt man schon ins Grübeln, was hier eigentlich falsch läuft bei uns in Deutschland.

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