Motorola-Übernahme: Lenovo will mit Smartphones endlich weltweit Fuß fassen

Motorola-Übernahme: Lenovo will mit Smartphones endlich weltweit Fuß fassen

Die Spatzen hatten kaum Zeit, es von den Dächern zu pfeifen, da war das Gerücht auch schon bestätigt: Google verkauft die erst vor zweieinhalb Jahren übernommene Mobilfunksparte von Motorola an Lenovo. 2,9 Milliarden US-Dollar (2,1 Milliarden Euro) werden dafür fällig, aber Google behält die meisten der übernommenen Patente. Alle Seiten bekommen damit, was sie wollen.

Lenovo schielt schon länger auf den Weltmarkt der Smartphones. Im Heimatmarkt China ist man mit Mobiltelefonen bereits sehr erfolgreich, aber in westlichen Märkten damit bisher kaum in Erscheinung getreten. Die jüngsten Modelle der Chinesen – obwohl mit den Geräten anderer Hersteller konkurrenzfähig – gibt es bisher hierzulande nicht zu kaufen. Erst im vergangenen November hatte man angekündigt, dass Smartphones unter eigenem Namen 2014 auch nach Deutschland kommen würden. Mit der Übernahme von Motorola hätte man das längst geschafft. Und man wäre plötzlich auch in den USA und zahlreichen anderen Märkten mit einer bekannten Marke präsent, ohne dass man verstärkt dafür werben muss. Also ein teures, aber kein schlechtes Geschäft für Lenovo.

Motorola mit neuen Projekten mittlerweile gut aufgestellt

Auch Google wird sich freuen. So richtig gefallen hat der Suchriese an Motorola ohnehin nie gefunden. In den zwei Jahren des Besitzes hat Google es nicht geschafft, Motorola den eigenen Stempel aufzudrücken. Lediglich bei den beiden jüngsten Motorola-Modellen Moto G und Moto X und dem angekündigten modularen Smartphone Project Ara sah es ein bisschen so aus, als würde Google endlich ein wenig mit der Marke experimentieren. 12,5 Milliarden US-Dollar hatte man im August 2011 für Motorola mitsamt der Patente bezahlt. Was auf den ersten Blick nach einem satten Verlust klingt, dürfte für Google gar kein so schlechtes Geschäft sein: Die Patente behält man und scheint sich nach einer jüngst erfolgten Einigung mit Samsung ohnehin darauf zu konzentrieren, Android gegen Patentklagen abzusichern. Am Erfolg von Motorola wird man weiterhin mitverdienen und nebenbei ist man den ungeliebten Verlustbringer los.

Und auch Motorola kann von dem Eigentümerwechsel profitieren. Die Marke war trotz ordentlicher Geräte wie dem RAZR Maxx oder dem RAZR i ein wenig in den Dornröschenschlaf verfallen. Google hatte sich augenscheinlich sehr lange nicht sonderlich um neue Produkte bemüht. Mit den neuen Projekten Moto G, Moto X und Project Ara bringt Motorola ein gutes Startkapital mit und hat nun die Chance, unter den emsigen Chinesen Morgenluft zu schnuppen. Lenovo hatte im Mai 2005 die PC-Sparte von IBM übernommen und daraus mittlerweile den Weltmarktführer und eine innovative Marke gemacht. Wenn man das mit Motorola auch schafft, wäre das ein Geniestreich.

So können alle Seiten von dem Transfer profitieren.

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