Modulares Smartphone von Google: Wenn gute Ideen länger brauchen

Der Traum vom modularen Smartphone verzögert sich weiter. Project Ara sollte eigentlich schon im zweiten Halbjahr 2015 zumindest in Testmärkten eingeführt werden. Jetzt ist irgendwann im nächsten Jahr die Rede.

Eine vielversprechende Idee

Bereits 2013 verspürte der dänische Designer Dave Hakkens den Wunsch, ein modulares Mobiltelefon zu entwerfen, um so vor allem den jährlich anfallenden Müll an Elektroschrott zu verringern. Ob Hakkens die Vorlage für Motorolas Project „Sticky“ gab? Zumindest kam es zu einem Treffen zwischen Tüftler und Elektronikkonzern, nicht aber zu einer Zusammenarbeit. Und Google, damals noch Eigentümer von Motorola, übernahm die frühen Entwicklungsversuche von Sticky, um diese unter Project Ara fortzuführen.

Im Juni 2014 wurden erste Prototypen des modularen Smartphones vorgeführt, aber erst ein Jahr später – also vor ein paar Monaten – gab es ein funktionierendes Exemplar zu bestaunen. Der ursprünglich für das 1. Quartal 2015 anvisierte Marktstart in Süd- und Zentralamerika konnte so oder so nicht eingehalten werden.

So soll es funktionieren

Ein modulares Telefon? Wie soll das gehen? Der Grundgedanke ist tatsächlich ein einfacher: Jedes Smartphone besteht aus einem sogenannten Endoskelett, das in drei Größen (4 Zoll, 4,5 Zoll und 5 Zoll) angeboten werden soll. Auf diesen Basis-Platten lassen sich Module einschieben, die über Steckplätze miteinander verbunden sind. So ist es möglich, den Prozessor, die Kamera, Lautsprecher oder den Akku zu wechseln, wann man will. Sogar das „Hot-Swapping“ ist möglich, also das Austauschen der Komponenten im laufenden Betrieb. Dies wird durch einen kleinen Chip mit Akku ermöglicht, der sich auf dem Endoskelett befindet und nicht getauscht werden kann bzw. muss.

Entwickler sollen bei Project Ara allerlei Freiheiten erhalten, genauso können Hersteller beliebige Module mit gewünschten Komponenten zur Verfügung stellen. Die spezielle Android-Version als Betriebssystem soll direkt auf das flexible Konzept ausgelegt sein.

Bisher angedacht war ein Verkauf in Entwicklungs- und Schwellenländern – also dort, wo auch das Müllproblem ein größeres ist. Die Endoskelette sollen preislich bei unter 20 US-Dollar liegen, die Module kosten abhängig von ihrer Leistungsfähigkeit. Das entscheiden die Dritthersteller.

Wie geht es weiter?

Es scheint offenbar schwieriger zu sein, Project Ara in ein Produkt für den Massenmarkt zu verwandeln. Offenbar ist der neue Ansatz für mobile Geräte doch komplexer, als man bei Google schätzte. Jetzt ist von offizieller Seite von „irgendwann 2016“ die Rede, ohne ins Detail zu gehen.

Interessant ist ebenfalls: Der Testmarkt für die ersten Project Ara-Geräte sollte Puerto Rico werden. Nun heißt es, dass man eine Region in den USA favorisiere. Sollen die modularen Smartphones also doch verstärkt in Industrieländern verkauft werden? Es gibt jedenfalls keinen Grund, der dagegen spricht. Geplant sei ein Onlineshop, bei dem Kunden ihre Teile für ihr Smartphone selbst auswählen. Diese können durchaus von HTC, Samsung und Co. stammen, einzig das Endoskelett wird Google beisteuern. Da „Individualität“ heutzutage durchaus ein Verkaufsargument darstellt, dürfte das auch Menschen in hiesigen Gefilden zusagen.

Bastelspaß? (Foto: Screenshot)

Bastelspaß? (Foto: Screenshot)

Sollte es Project Ara zur Serienreife schaffen und nicht wie Project Glass von Google weiter nach hinten geschoben werden, könnte es unser Konsumverhalten gravierend verändern. Stellt euch vor, ihr wechselt einfach den Prozessor, sollte euch euer Smartphone zu langsam werden. Oder wie wäre es, nicht komplett ein neues Telefon kaufen zu müssen, wenn etwas kaputt geht? Einfach neuer Akku, eine bessere Kamera oder mehr Speicher in die Basis gesteckt, schon ist es wieder fit für die nächsten Monate und Jahre. Nur leider wird es eben etwas dauern. Und ob das Konzept letztlich auch alltagstauglich ist, bleibt noch einige Zeit völlig unklar. Zumindest fanden sich längst erste Nachahmer mit ähnlichen Konzepten. Zum Beispiel das Puzzle Phone

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