Mobiles Internet im Zug: Neue Fenster verbessern den Empfang

Siemens hat Scheiben entwickelt, die Mobilfunksignale durchlassen, ohne auf eine Abschirmung der Wärmestrahlung zu verzichten. Ab 2018 sollen sie auf deutschen Gleisen fahren und einen besseren Handyempfang im Zug ermöglichen.

Der Handyempfang im Zug ist eine Qual. Gespräche reißen ab. Der Bildschirm friert ein, weil keine Daten mehr nachfließen. Und dann noch die Unsicherheit, ob dies auf den nächsten Kilometern besser wird. Deutsche Bahn, die Mobilfunker und allen voran der Bundesverkehrsminister versprechen, dass in Zukunft alles besser wird. Doch die genannten Jahreszahlen liegen noch weit entfernt, und das Projekt scheint eh die Dimension eines Flughafenbaus zu haben. Siemens hat dagegen eine Lösung für ein konkretes Problem gefunden. Neue Fenster sollen den Mobilfunkempfang im Zug merklich verbessern.

Die neu entwickelten Scheiben lassen einfach elektromagnetische Wellen in den Frequenzbereichen durch, die vom Mobilfunk genutzt wird. Dafür wird wie bisher eine metallische Beschichtung in die Fenster eingearbeitet, anschließend werden aber spezielle Strukturen mit einem Laser verdampft. Die Fenster sollen Funksignale zwischen 700 Megahertz und 3,5 Gigahertz wesentlich besser durchlassen. Damit wären die Fenster auch für zukünftige Mobilitätsstandards bestens geeignet.

LTE-Empfang auf 33 Prozent mehr Strecken

Ganz auf die Metallbeschichtung zu verzichten, wäre jedoch keine gute Idee, denn diese soll vor allem Sonnenstrahlen abhalten, damit sich das Zuginnere nicht so aufwärmt. Man weiß ja nie, wann die Klimaanlage wieder einmal ausfällt. Doch diese Beschichtung reflektiert auch die Mobilfunksignale. Bisherige Versuche, die Fenster für den Mobilfunk durchlässiger zu machen, scheiterten laut Siemens daran, dass sie nur in einem schmalen Frequenzbereich gut wirksam waren, während sich in anderen Bereichen die Durchlassdämpfung der Scheiben sogar verschlechterte.

Die neuen Mobilfunk-tauglichen Scheiben im Testlabor (Bild: Siemens)

Die neuen Mobilfunk-tauglichen Scheiben im Testlabor (Bild: Siemens)

Bei Tests der neuen Hochfrequenz-Fenster im Hochgeschwindigkeitszug ÖBB Railjet wurde eine 50-fach stärkere Signalleistung in den Mobilfunkbändern gemessen. Damit soll sich die Dauer, in der ein guter LTE-Empfang verfügbar ist, um 33 Prozent erhöhen. Das ist auch dringend notwendig, denn die Erfolgsrate beim Aufbau von Internetseiten liegt in Hochgeschwindigkeitszügen je nach Netzanbieter gerade einmal bei 41 bis 65 Prozent.

Das Umrüsten soll kein Problem sein. Die Scheiben lassen sich in jeden Zug einsetzen und benötigen auch anschließend keine besondere Wartung. Die Sicht wird für die Bahnfahrer nicht beeinträchtigt sein. Der Preis soll im Vergleich mit In-Train-Repeatern langfristig gesehen günstiger ausfallen. Doch da die Deutsche Bahn bereits auf den Verbau solcher Repeater setzt, die die Mobilfunksignale auf dem Dach empfangen, verstärken und ins Wageninnere weiterleiten, werden die neuen Fenster wohl zuerst im Regionalverkehr zum Einsatz kommen. Erstmals sollen sie Ende 2018 in den Zügen des Rhein-Ruhr-Express (RRX) eingebaut werden.

Tipps für einen besseren Empfang im Zug

Die neuen Fenster von Siemens sind natürlich nur eine Lösung für ein Teilproblem. Wo ein Funkloch ist, wird vorerst auch ein Funkloch bleiben. Hinzu kommt noch, dass der Datenverbrauch in den Zügen merklich gestiegen ist. Wenn alle im Zug Netflix streamen, wird der Mobilfunker, auch wenn der Netzkontakt besteht, jedem nur wenig Bandbreite zuteilen können. Die Deutsche Bahn will deshalb einen Mediaserver von Maxdome im ICE installieren, von dem Filme direkt abgerufen werden können, ohne das Mobilfunknetz zu belasten. Die Bahn hat damit allerdings einen wenig populären Anbieter gewählt, der im Progamm nicht unbedingt die Serien hat, die man gerne in einem Rutsch gucken würde.

Der Rhein Ruhr Xpress auf dem Viadukt in Altenbeken (Bild: RRX)

Der Rhein Ruhr Xpress auf dem Viadukt in Altenbeken (Bild: RRX)

Es bleiben die Mobilfunker gefordert, ihr Netz entlang der Bahnstrecken auszubauen. Wer nicht darauf warten möchte, kann aber auch jetzt schon an seinem Ende die Verbindung optimieren. In der Regel ist der Empfang am Fenster besser als auf einem Sitzplatz am Gang. Oft hilft es auch, das Smartphone hoch- und ans Fenster zu halten, statt es auf dem Schoß liegen zu haben. Bei der Nutzung eines Laptops empfiehlt sich ein mobiler Hotspot, der direkt am Fenster positioniert wird. Zudem ist es ratsam, Anwendungen zu nutzen, die nur wenig Datenvolumen verbrauchen. Am besten bekommt ihr ein Gefühl dafür, wenn dir stets euren Datenverbrauch im Blick behaltet.

Wie gefällt Dir dieser Beitrag?
Bewertung wird geladen …
Nichts mehr verpassen!

Bleib immer auf dem neuesten Stand mit unserem Newsletter! Täglich um 17:00 Uhr frisch in deinem Postfach.

Newsletter abonnierenRSS-Feed abonnieren
Schreibe einen Kommentar

Hinterlasse hier deinen persönlichen Kommentar. Wir freuen uns über deine Meinung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*