Mobile Office: So arbeite ich mit dem Deutschland-Ticket unterwegs

Das Deutschland-Ticket ein mächtiges Tool für das Arbeiten unterwegs. Ein paar Tipps, Tricks und Gadgets für das Mobile Office im RE haben wir hier für dich.

Mobile Office: So arbeite ich mit dem Deutschland-Ticket unterwegs
Mobiles Arbeiten geht auch im Regionalexpress. Bring dir deinen notwendigen Komfort einfach mit! (Selfie: Jürgen Vielmeier)

Das Deutschland-Ticket ist besser als sein Ruf. Es bietet dir für aktuell 63 Euro im Monat ein komplett rollendes Büro, das auch als Mobile Office taugt. Was dir hilft, dich häuslich und datenschutzkonform dort einzurichten, was du darfst und was nicht, zeigen wir dir hier.

[tox]

RE als Luxusvariante

Regionalbusse, Straßenbahnen, S-Bahnen – das Deutschland-Ticket gilt auf einer Vielzahl von ÖPNV-Angeboten. Die Luxusvariante für ein Mobile Office ist aber ganz klar der Regionalexpress (RE):

  • Hält nicht zu oft (häufiges Anfahren und Abbremsen stört bei der Arbeit und erhöht die „Gefahr“ neugieriger Nebensitzer)
  • Fährt längere Strecken (= mehr durchgehend konzentrierte Arbeitszeit)
  • Bietet ein Mindestmaß an Komfort, gerade in neueren Modellen, etwa: Steckdosen, Laptop-Tische, benutzbare Toiletten.

Tipp: Wenn du möglichst lange am Stück arbeiten möchtest, wähle eine besonders lange RE-Strecke. Der Rhein-Hellweg-Express (RE11) etwa legt zwischen Düsseldorf HBF und Kassel-Wilhelmshöhe eine Strecke von 293 km zurück und ist dabei 3:20h unterwegs. Weil die Züge im Pendelverkehr fahren, geht es daraufhin direkt wieder zurück, was in diesem Falle fast 7 Stunden reine Fahrt- oder eben Office-Zeit –bedeutet. Fast ein ganzer Arbeitstag.

Wie erkenne ich einen modernen RE?

Kurz gesagt: An den Infos in der Bahn-App kannst du ungefähr ablesen, wie modern ein eingesetzter RE ist. Je mehr Services ein angezeigter Zug hat, desto moderner ist er in der Regel. Ansonsten hilft Wikipedia, hier zum Beispiel mit einem erstaunlich detaillierten Beitrag für Bahnen in NRW, der sogar die Zugtypen kennt, die auf der Strecke verkehren. Modern sind etwa die Zugreihe Stadler Flirt (vor allem Regionalbahnen), Stadler Kiss 2 oder Siemens Desiro HC (Doppelstockzüge für den RE).

Wann fahren?

Am besten begibst du dich außerhalb der Rush Hour ins mobile Office. Also etwa ab 10:00 Uhr morgens und vor 15:00 Uhr nachmittags. Dann ist die Chance auf eine eigene Sitzreihe am höchsten und die Zahl der Nervfaktoren minimiert. Die Bahn-App DB Navigator zeigt dir für eine ausgesuchte Verbindung die erwartete Auslastung an.

Kalkuliere natürlich Baumaßnahmen und Verspätungen ein, die sind bei Regionalexpressen alltäglich. In der Regel verkehren REs tagsüber stündlich (abends seltener), es kann aber zu Unregelmäßigkeiten kommen. Checke die Verbindungen vor Fahrtantritt.

Zwei Sitzplätze für dich?

Gute Faustregel: Wenn der Zug nicht zu voll ist, besetzt du eine komplette Zweierreihe und schaffst dir mit dem nebenliegenden Rucksack und heruntergeklappten Tischen ein wenig Privatsphäre. Da lässt sich dann auch mit mehr Armfreiheit an einer Tastatur arbeiten.

Mobile Office Bahn Zweier Reihe
Zwei Sitzplätze nur für dich und dein Mobile Office? So lange legitim, wie keiner stehen muss. (Bild: Jürgen Vielmeier)

Wenn es im Zug voller wird, dürfen ruhig auch deine Mitreisenden vor dir ihren Nebenplatz freiräumen. 🙂 Aber wenn es so voll wird, dass andere Reisende stehen müssten, ist klar: räumst du den freien Sitzplatz neben dir. Ehrensache!

Wenn du einen sehr neugierigen Nebensitzer bekommst, der trotz Sicherheitsvorkehrungen immer mal rüberschielt: unterbreche die Arbeit vorübergehend und/oder such dir einen anderen Sitzplatz, wenn möglich.

Weil die Fenster-Sitzplätze in einem RE oder RB oft sehr nah an der Wand liegen, ist der Gangplatz nicht selten die bessere Wahl mit mehr Armfreiheit. Hier aber unbedingt einen Sichtschutz benutzen, weil sonst jeder Mitreisende, der durch den Gang tappert, deinen Bildschirminhalt lesen kann (Shoulder Surfing).

Notwendige Gadgets

Letztere sind dringendst empfohlen. Warum das im RE anders ist als im ICE, wissen Sozialforscher besser als ich. Fakt ist nur, dass die lieben Mitreisenden im RE weniger Wert auf Ruhe legen. Typen, die ihre Lieblings-Reels ohne Kopfhörer streamen, Frauen, die lautstark mit der bestie über die Probleme in der offenen Beziehung telefonieren, Schlägertypen, die andere am Telefon zur Sau machen oder gleich die Partyfraktion, die für alle die Boombox anschmeißt – alles schon erlebt im RE. Nicht immer ist es möglich oder gar ungefährlich, den Lautstärkeverursacher zur Räson zu rufen. Konzentriertes Arbeiten erfordert also gutes Noise Cancelling.

Dazu natürlich Dinge des täglichen Bedarfs, um dich wohlzufühlen, was immer das für dich ist. Thermoskanne mit Tee darin, Lieblings-Rückenkissen, motivierendes Plüschtier, alles ist erlaubt.

Hin und wieder aufstehen

Und wenn du auf die Toilette musst? Platz mit einer Jacke, einem Pullover, einem mitgebrachten Kissen oder einem anderen Gegenstand nicht zu hohen Werts markieren, aber unbedingt Wertsachen mitnehmen. Wenn es vertrauenswürdig aussehende Mitreisende in der Nähe gibt: diejenigen bitten, den Platz für eine Weile freizuhalten. Das kostet Zeit und ist unangenehm, aber auch die Bewegung wird dir gut tun. Nimm auf jeden Fall Hand-Desinfektionsgel mit!

Pomodoro-Timer raten zu 25 Minuten konzentriertem Arbeiten und dann fünf Minuten Pause. Das bedeutet auch: Stretching, ein wenig den Bauch anspannen und wieder entspannen, mal aufstehen, Arme und Beine ausstrecken, sobald möglich.

Was ist mit Kaffee?

Auf langen Strecken im RE oder RB wird es schwierig, sich Kaffee zu besorgen. Die Verkäufer:innen mit kleinem, mobilen Wägelchen sind selten geworden und nur auf einigen Strecken unterwegs. Bahn-Bistros gibt es in REs und RBs freilich nicht, und selbst in Großstädten halten REs meist nicht lange genug, dass es für eine kurze Kaffeepause reichen würde. Es gibt also eigentlich nur zwei vernünftige Möglichkeiten:

  1. Den Kaffee von Zuhause mitbringen, mit einem Thermobecher oder einer Thermoskanne.
  2. An einem Bahnhof mit integriertem Café aussteigen, Latte kaufen, die Fahrt in einer anderen Bahn fortsetzen. Den Anschluss aber akribisch planen, um den Zeitverlust so gering wie möglich zu halten.

Das eignet sich übrigens besonders gut für eine Mittagspause: Einfach an einem größeren Bahnhof aussteigen, was essen oder Kaffee trinken, sich die Beine vertreten, oder auch mal von einem Café aus weiterarbeiten (Abwechslung hält fit) und die Fahrt 1-2 Stunden später fortsetzen. Regionalexpresse fahren nicht selten stündlich.

Mobiles Internet

Die wohl beste Möglichkeit, unterwegs an mobiles Internet zu kommen, ist ein mobiler Hotspot. Idealerweise über dein eigenes Smartphone gestreamt und mit einem VPN. Das ist relativ sicher und die Verbindung ist zumindest entlang stark frequentierter Bahnstrecken nicht schlecht.

Arbeitest du vor allem mit Textdaten und schreibst E-Mails oder bist im Team-Chat, nehmen Datenmengen nicht Überhand. Datenpakete sind in den letzten Jahren deutlich erschwinglicher geworden. Auf Vergleichsportalen wie Verivox oder Check24 findest du günstige Anbieter.

Stell dich aber trotzdem darauf ein, dass Funklöcher kommen werden. Bring dir auch Arbeit mit, die du offline erledigen kannst, zum Beispiel Texte vorschreiben.

Privatsphäre und Sicherheit

Das sollte sich von selbst verstehen: Hochsensible Personendaten sind im Mobile Office tabu. Das würde dir dein Arbeit- oder Auftraggeber auch gar nicht erlauben, weil es nicht mit der DSGVO vereinbar ist. Außerdem solltest du nicht vor laufendem Publikum am Telefon über Kollegen, den Chef oder gar Kunden ablästern, womöglich noch mit Klarnamen. No, no, never!

Wenn es um weniger brisante Daten geht, du etwa nur an einer Präsentation oder einem Text ohne sensible Infos arbeitest, kann dir das Arbeiten unterwegs gestattet werden. Achte dennoch darauf:

  • Das ein Passus in deiner Datenschutzvereinbarung steht, der dir das mobile Arbeiten unter bestimmten Bedingungen erlaubt.
  • Dass du die notwendigen technischen und organisatorischen Maßnahmen (TOM) triffst, um Datenschutz zu gewährleisten.
  • Die Daten auf deinem Arbeitsgerät müssen auf jeden Fall verschlüsselt sein, etwa mit FireVault.
  • Du benötigst sichere Passwörter und eine 2-Faktor-Authentifizierung für dein Gerät.
  • Dein Laptop oder Notebook muss einen Sichtschutz haben.
  • Stelle eine Datenverbindung über einen eigenen mobilen Hotspot her und verwende ein VPN.

Wie arbeiten?

Wie du es am Ende genau organisierst, ist dir überlassen. Ich persönlich habe gute Erfahrungen damit gemacht, 1-2 Stunden Strecke zu fahren, dann für einen Kaffee oder eine kurze Gehpause zu stoppen, zwischendurch von einem Café in Bahnhofsnähe zu arbeiten und dann zurückzufahren. Den Zeitverlust für die Gehwege kannst du als Pausenzeiten ansehen. Oft habe ich am Ende eines solchen Tage sogar 10.000 Schritte oder mehr zurückgelegt. Das muss sich nicht ausschließen.

Viel Spaß im mobilen Regionalexpress-Office! 🙂

Neue Beiträge abonnieren!

Täglich frisch um 17 Uhr im Postfach

Themenauswahl

Änderungen jederzeit über die Abo-Verwaltung möglich – weitere Themen verfügbar

Jetzt kommentieren!

2 Kommentare zu “Mobile Office: So arbeite ich mit dem Deutschland-Ticket unterwegs

Schreibe einen Kommentar

*
*
Bitte nimm Kenntnis von unseren Datenschutzhinweisen.