Mobile Betriebssysteme: Welche Alternativen gibt es zu Android und dem iPhone?

Der Marktanteil von Googles Android nähert sich einer marktbeherrschenden Stellung: auf zwei Dritteln aller neu verkauften Tablets und rund 80 Prozent der Smartphones ist mittlerweile Android installiert. Tendenz: eher noch steigend. Googles zunehmende Dominanz hier wie schon im Web ist vielen mittlerweile ein Dorn im Auge. Aber welche Alternativen gibt es?

Allein in diesem Jahr sollten ursprünglich vier neue mobile Betriebssysteme an den Start gehen. Für einige einst etablierte Anbieter sieht es derweil nicht so gut aus und wieder andere mühen sich nach Kräften und mit viel Geld, um einen Stand in dem zunehmend umkämpften Markt zu erreichen. Wir stellen die besten Android- und iPhone-Alternativen vor.

1. Windows Phone 8

HTC_WindowsPhoneMicrosoft als Systemanbieter und Nokia als treibende Kraft dahinter mögen ihren Augen kaum trauen: Milliarden investierten sie alleine in das Marketing für Windows Phone und jetzt kletterte der Marktanteil gerade einmal von 3,5 auf 3,9 Prozent (laut IDC). Immerhin: In Zeiten, in denen sich eigentlich alles auf Android konzentriert, geht es für Windows Phone aufwärts. Das System ist zunehmend besser mit aktuellen Apps versorgt und Nokia schließt viele Lücken mit Eigenentwicklungen. Das System hat sich mit seiner Kachel-Optik mittlerweile einen beachtlichen Kreis von Fans erarbeitet. Halten die beiden Partner Microsoft und Nokia weiterhin daran fest, dann dürfte es für Windows Phone weiter nach oben gehen, vielleicht auch in etwas größeren Schritten als bisher.

Geräte-Empfehlungen: Nokia Lumia 925, 820 oder 620, HTC 8X

2. Firefox OS

Mozilla startet bei null und hat deswegen nicht viel zu verlieren: Firefox OS wird in diesem Herbst zunächst für einige schwächere Geräte wie dem ZTE Open und dem Alcatel OneTouch Fire auf den Markt kommen. Mittelfristig wird es auch höherklassige Phones geben. In Deutschland unterstützt vor allem die Telekom das System – auch weil sie dort ihre eigenen Content Store unterbringen und mit Apps Geld verdienen kann. Das System zeichnet sich durch offene Standards aus, die Bedienung soll kinderleicht sein. Firefox OS klingt nach einem echten Geheimtipp.

Geräte-Empfehlungen: ZTE Open, Alcatel OneTouch Fire, Geeksphone Peak+

3. Blackberry 10

BB10_Z10

Im Januar meldete sich Blackberry mit einem innovativen neuen Betriebssystem zurück, wenig später folgten die ersten Smartphones mit Blackberry 10: das Z10 und das Q10 – letzteres mit einer physischen Tastatur. Die Kanadier, die einst Marktführer waren und dann gegenüber Apple und Google und zuletzt Microsoft ins Hintertreffen geraten waren, mussten etwas wagen. Doch BB10 kam sehr spät, das neue System ist noch nicht am Markt etabliert und mittlerweile ist das Unternehmen in eine derartige finanzielle Schieflage geraten, dass ein Jointventure, der Einstieg eines strategischen Investors oder selbst der Verkauf mögliche Optionen sind. Die Zukunft von BB10 soll so gewährleistet werden, derartige Meldungen allerdings klingen wenig hoffnungsvoll.

Geräte-Empfehlungen: Z10, Q10

4. Ubuntu for Phones

Mark Shuttleworth, Chef des Linux-Anbieters Ubuntu, wäre gerne so groß wie einst Steve Jobs, doch das geplante Crowdinvestment seines Smartphone-PC-Hybriden Ubuntu Edge droht trotz großzügiger Spenden von rund 10 Millionen Dollar zu scheitern: Gleich 32 Millionen Dollar wollte Shuttleworth einnehmen. Ein Plan, der ein wenig nach Größenwahnsinn klingt. Ubuntu for Phones und auch Ubuntu for Tablets sollen trotzdem kommen. Beide bieten innovative Konzepte für mobile Geräte. Allerdings ist auch hier fraglich, womit man Entwickler überreden will, Apps für das Nischensystem zu programmieren. Wie will man Wechsler von dem neuen System überzeugen? Für Menschen, die bislang schon Ubuntu nutzen, ist Ubuntu for Phones eine interessante Alternative, die Wahrscheinlichkeit ist allerdings groß, dass es wie sein großer Bruder auf dem Desktop in der Nische verbleibt – falls Shuttlerworth bei einem Misslingen der Crowdfunding-Aktion überhaupt noch Lust darauf hat, es langfristig zu betreiben.

Geräte-Empfehlungen: Ubuntu Edge – tatsächliche Produktion allerdings noch nicht gesichert

5. Jolla Sailfish OS

Nokia entwickelte einst zusammen mit Intel MeeGo, gab das alternative System dann aber wieder auf. Die Entwickler waren allerdings ebenso von einem Erfolg des Systems und dessen Ablegers Mer überzeugt, dass sie Nokia verließen und ein eigenes Startup gründeten. Jolla heißt dieses Unternehmen nun und Sailfish OS das Betriebssystem der Gründer. Das erste Gerät mit Sailfish soll noch in diesem Jahr in den Verkauf gehen, das System für Entwickler freigegeben werden. Trotz einiger Innovationen wie einer Gestensteuerung: Ohne einen potenten Geldgeber im Rücken, ohne Förderer und mit kaum Apps wird man es schwer haben auf einem Markt, bei dem die Stände schon fest vergeben sind. Jolla will sich deswegen neben Europa auf China konzentrieren. Ein großer Erfolg dort wie hier ist allerdings unwahrscheinlich.

Geräte-Empfehlungen: Bislang ist nur Jollas Eigenentwicklung „Your Jolla“ bekannt, das derzeit vergriffen ist.

6. Tizen

Langsam wird es wacklig: Unter Tizen wollen Samsung und Intel ihre bisherigen Aktivitäten wie Bada und LiMo vereinen. Mittlerweile ist bereits die Version 2.2 für Entwickler veröffentlicht, aber bis auf Referenzgeräte nichts Marktreifes erschienen. Die beiden Anbieter verschieben den Start immer weiter. Und selbst wenn sich Gerüchte als falsch erweisen, dass Samsung selbst kein Interesse mehr an dem System hätte, stellt sich die Frage, womit Tizen bei einem voraussichtlichen Start 2014 gegenüber der Konkurrenz überhaupt noch punkten will. Man darf deswegen inzwischen gerne davon ausgehen, dass ein Start möglicherweise gar nicht mehr erfolgen wird. Zumindest ein Erfolg von Tizen scheint aber derzeit sehr fraglich.

7. Nokia Asha/S40

Nokia_Asha_501

Ein wenig außer Konkurrenz in dieser Auflistung ist Nokias Asha-Linie, die auf der Systemvariante S40 basiert. Ashas sind weder vom Funktionsumfang noch vom Komfort her „echte“ Smartphones. Sie bieten aber einige Eigenschaften, von denen Smartphones nur träumen können: meist mehrtägige Akku-Laufzeit, geringer Datenverbrauch, Nutzung von SMS-Services als Apps. Ashas sind gerade für Länder mit schwächerer Infrastruktur interessant, sprich: dort, wo immer mal wieder der Strom ausfällt, wo Roaming im eigenen Land keine Seltenheit ist, Datenpakete teuer und Netze schlecht ausgebaut sind. Für andere könnten Ashas interessante Urlaubs-Handys sein. Zu kaufen gibt es sie jedenfalls auch in Deutschland.

Geräte-Empfehlungen: Asha 501, Asha 210

Zum Vergleich: Apple iOS 7

iOS_7

Apples System für iPhone und iPad erhält im Herbst ein völlig neues Design. Mit dem einstigen Marktführer iOS ist dank seiner weiten Verbreitung und der Verfügbarkeit zahlreicher Apps weiterhin zu rechnen. Viele Apps erscheinen gar nach wie vor zuerst für iOS. Allerdings präsentierte sich Google bei Android zuletzt innovativer. Apples Neuerungen wie Siri erreichten nicht den gewünschten Erfolg. Mit iOS 7 will Apple zurück in die Erfolgsspur.

Geräte-Empfehlungen: iPhone 5 oder das nächste iPhone, das bald erscheinen soll

Außer Konkurrenz: Android

Wie schaffte es Android, sich von der Konkurrenz derart abzusetzen? Wohl durch das Wettrennen gleich mehrerer potenter Hersteller wie Samsung, LG, Sony und HTC, die alle hauptsächlich auf Android setzen. Immer bessere Hardware, immer neue Funktionen, gleich mehrmals im Jahr neue Spitzenmodelle – und dadurch natürlich auch die entsprechende Aufmerksamkeit. Und ganz nebenbei steckt Googles System mittlerweile voller Innovationen und ist einfach zu bedienen – ein Nutzer findet dort fast alle Apps, die er sich vorstellen kann.

Geräte-Empfehlungen: HTC One, Samsung Galaxy S4, LG G2, Motorola Razr i, Sony Xperia Z, Huawei Ascend P6, Google Nexus 4

Fazit

Mit dem iPhone macht man derzeit wenig falsch und auch mit Windows Phone ist noch zu rechnen. Danach wird die Frage der Nachhaltigkeit ungewiss: Firefox OS muss sich erst einmal etablieren, Blackberry ist mit seinem eigenen Überlebenskampf beschäftigt, Jolla fehlen die Geldgeber, Ubuntu steckt sich die eigenen Ziele sehr hoch. Ob wir Tizen jemals in der Praxis sehen werden, ist noch völlig ungewiss.

Android dürfte noch viele Jahre an der Spitze der mobilen Systeme stehen. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift also zu einem der zahlreichen Androiden, möglichst in der aktuellen Version 4.2.2 (4.3 ist auf Neugeräten in Europa noch nicht verfügbar). Konkurrenz wird wohl erst von einer Neuentwicklung kommen, die derzeit noch keiner kennt.

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