Kann schnell mehrere GB belegen: Offline gespeicherte Musik oder Videos von Apps wie Spotify und Netflix.

MicroSD-Speicherkarte zu langsam für Smartphone-Apps? Worauf ihr achten müsst

Hersteller verwirren mit immer neuen Bezeichnungen für microSD-Karten. Zu langsam sind sie aber meist trotzdem – zumindest, wenn man sie auf dem Smartphone einsetzen möchte, um darauf Apps auszulagern. Wir zeigen euch, worauf ihr achten müsst.

Kürzlich musste ich einmal in einem anderen Technikkaufhaus als Euronics einkaufen (ja, auch das kommt zu Weilen vor…). Es gab dort einen Typ von MicroSD-Karten und weil ich schnell eine brauchte, hatte ich keine Wahl und schlug zu. Ich packte sie aus, setzte sie in mein neues Smartphone ein und erhielt folgende sonderbare Meldung:

„Die SD-Karte ist offenbar langsam.

Sie können fortfahren, aber hierher verschobene Apps bleiben eventuell hängen und Datenübertragungen können lange dauern.

Für eine bessere Leistung sollten Sie eine schnellere SD-Karte nutzen.“

Was war denn da passiert? Und was hätte ich anders machen können, wenn das Geschäft doch nur den einen Typ von microSD-Karten führte?

Zunächst einmal ein Blick auf meine microSD-Karte: 64 GB groß und vom Typ microSDXC. Ferner stehen die Bezeichnungen „3“ und „I“ darauf. Was es damit auf sich hat, verrät ein Beitrag von Kollege Peter Giesecke noch aus dem vergangenen Jahr: alles über SD-Karten für Kameras und Smartphones. Das „I“ steht demnach für die UHS-I-Schnittstelle und die „3“ für die Geschwindigkeitsklasse 3. Ein Blick auf die Produktbeschreibung des Herstellers verrät außerdem, dass es sich um ein Klasse-10-Modell des Jahres 2016 handelt. Per Definition würde das eine Lesegeschwindigkeit bis 100 MB/s erlauben. Hersteller Toshiba spricht von „maximal 90 MB/s“ – auch gut. Und das soll zu langsam sein für die Speichererweiterung in einem Smartphone?

Apps auf die Speicherkarte auslagern geht ab Android 6.0

Zur Klärung: Ich möchte die microSD-Karte auch verwenden, um Apps darauf auszulagern. Seit Android 6.0 ist das möglich. Mein Smartphone, das mir ansonsten gut gefällt, bringt leider nur 16 GB internen Speicher mit, das System belegt davon alleine schon fast 6 GB; 10 GB sind also frei. Etwas wenig, wenn man auch Spotify-Playlists oder Netflix-Videos offline speichern möchte. Die Apps erlauben es aber nicht, nur ihre Daten auf dem externen Speicher zu verlegen. Man muss die ganze App darauf auslagern. Ein Spotify oder ähnliche Musik-Apps mit reichlich offline gespeicherter Musik bringt es schnell auf mehrere Gigabyte.

Netflix-Videos für die Offline-Nutzung speichern: kostet natürlich Speicherplatz und erfordert bei wenig Speicher eine microSD-Karte schnellen Typs. Bild: Netflix

Netflix-Videos für die Offline-Nutzung speichern: kostet natürlich Speicherplatz und erfordert bei wenig Speicher eine microSD-Karte schnellen Typs. Bild: Netflix

Ein Blick auf meinen Speicher verrät: Spotify belegt auf meinem Smartphone fast 1 GB, Netflix bringt es mit einigen gespeicherten Serien auf 2,4 GB. Beide belegen allerdings den internen Speicher. Demnach sind relativ neu installierte Apps bei mir wie die Bildbearbeitung Aviary und eine Piano-App auf dem Speicher ausgelagert. Und, ja, beide sind in der Anwendung verdammt langsam. Aber warum denn, wenn die Karten doch mit 90 MB/s lesbar sind?

Stolze 90 MB/s Lesegeschwindigkeit – und immer noch zu langsam

Toshiba selbst bewirbt bei den microSDXC-Karten der Serie Exceria M302-EA die 90 MB/s Lesegeschwindigkeit. Die Schreibgeschwindigkeit wird im offiziellen Datenblatt nicht genau angegeben. Erst im Kleingedruckten findet sich eine ungefähre Information:

„Karten der Klasse 10 entsprechen den neuesten Spezifikationen der SD Association. Wir garantieren eine Schreib- und Lesegeschwindigkeit von mindestens 10 MB/s.“

„Mindestens“ heißt: da geht noch mehr. Ebenfalls im Kleingedruckten steht dann:

„UHS-Geschwindigkeitsklasse 3 = Lese- und Schreibleistung von mindestens 30 MB/s mit UHS-I-Schnittstelle.“

Mindestens also 30 MB/s ist die Schreibgeschwindigkeit hoch. Ich gehe davon aus, dass viel mehr in der Praxis nicht erreicht werden. Toshiba schreibt außerdem, dass sowohl Schreib- als auch Lesegeschwindigkeit vom verwendeten Gerät und der Größe der Datei abhingen. Das heißt wohl auch: die „maximal 90 MB/s Lesegeschwindigkeit“ dürften in Wahrheit darunter liegen. Die Schreibgeschwindigkeit eher bei 30 MB/s. Zu wenig für einen reibungslosen Betrieb im Smartphone. Na toll.

Entscheidend ist die römische Ziffer und sie sollte „II“ lauten

Aber welche Karte würde dann den Ansprüchen genügen? Toshiba selbst hat eine bessere Version der Exceria-Karten vorgestellt, nämlich die Exceria Pro. In der Version M402 bringen es die Karten auf jeweils 95 MB/s maximal, also sowohl Lese- als auch Schreibgeschwindigkeit. Die Karten dürften damit als Highend-Version der UHS-I-Klasse gelten. Auch SanDisk mischt in dieser Kategorie mit. Die Ultra-microSDXC-Karten vom Typ UHS-I bringen noch die neue Bezeichnung „A1“ mit. Laut dem Hersteller ist die Karte damit optimiert für Apps. Sie garantiert allerdings auch nur bis zu 95 MB/s Schreib- und Lesegeschwindigkeit.

Kann schnell mehrere GB belegen: Offline gespeicherte Musik oder Videos von Apps wie Spotify und Netflix.

Kann schnell mehrere GB belegen: Offline gespeicherte Musik oder Videos von Apps wie Spotify und Netflix.

Wollte man ganz auf Nummer sicher gehen, sollte man ohnehin zu einer neuartigen microSD-Karte vom Typ UHS-II greifen. Die bieten eine Lesegeschwindigkeit von maximal 270 MB/s und eine Schreibgeschwindigkeit, die zwar darunter liegt, aber immer noch deutlich über 95 MB/s. Das sollte dann langsam mal ausreichen für die Benutzung von Apps. Zwar benötigen UHS-II-Karten einige weitere Kontakte im Endgerät. Die allermeisten modernen Smartphones mit der Möglichkeit zur Speichererweiterung sollten aber in der Lage sein, diese Karten zu lesen. Der einzige Nachteil: Sie sind noch verhältnismäßig teuer. Statt um die 20 Euro für 64 GB bei UHS-I-Karten zahlt ihr für UHS-II-Karten mit 64 GB eher um die 100 Euro.

Und die Moral von der Geschicht: So einfach ist das alles nicht

Kunden und stationären Händlern wird es hier leider nicht leicht gemacht. Die Hersteller verwirren mit Zahlen und Bezeichnungen wie jetzt SanDisk und dem Marketingbegriff „A1“. Nicht immer, wenn man im Laden steht, hat man die Möglichkeit, direkt alle Bezeichnungen zu entschlüsseln und zu vergleichen. Selbst Preise sind nur wenig aussagekräftig. Und die „Klasse“ der Karte (oft etwa als „Class 4“ oder „Class 10“ angegeben) ist in unserem Fall vernachlässigbar, weil so oder so zu langsam. Bei mir ist es ja schon Klasse 10 und es reicht immer noch nicht.

Wenn ihr also eine microSD-Karte auch für Apps in eurem Smartphone benutzen wollt, dann achtet nicht nur auf die Lese-, sondern auch auf die Schreibgeschwindigkeit. Beide sollten idealerweise gleich hoch sein und mindestens 95 MB/s schaffen, wobei das als Maximalgeschwindigkeit zu verstehen ist. Greift ihr zu einer Karte mit UHS-II statt UHS-I, dann solltet ihr eigentlich keine Probleme mehr mit der Nutzung von Apps haben. Eine UHS-II-Karte erkennt ihr an der Bezeichnung „II“ auf der Karte. Eine UHS-I-Karte an der „I“. Ist keine römische Ziffer auf der Karte aufgedruckt, dann lasst so oder so die Finger davon!

So, und nun viel Erfolg beim Kartenkauf!

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3 Kommentare zu “MicroSD-Speicherkarte zu langsam für Smartphone-Apps? Worauf ihr achten müsst
  1. Wo sehe ich denn, welche Schnittstelle mein Smartphone unterstützt? Die teuerste „II“-Karte bringt mir ja nichts, wenn mein Gerät nur eine I-er Schnittsrtelle zur Verfügung stellt ….

    • Welches Gerät hast du?

      Hast leider Recht. Die meisten Hersteller schreiben nichts dazu, welchen UHS-Typ sie unterstützen. Nach meinen Recherchen sollten UHS-II-Karten aber bei den allermeisten modernen Smartphones mit der Möglichkeit zur Speichererweiterung problemlos passen. Zur Not: einfach mal ausprobieren und die Karte umtauschen, falls es nicht klappt. Wäre dann nicht schön für den Händler, aber anders kannst du es ja meist nicht herausfinden.

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