Mein zwei Jahre altes Smartphone ist völlig in Ordnung. Warum ich trotzdem ein neues will

Mein zwei Jahre altes Smartphone ist völlig in Ordnung. Warum ich trotzdem ein neues will

Es hat sich so eingebürgert: Alle zwei Jahre gibt es ein neues Mobiltelefon. Früher war das auch notwendig, doch in letzter Zeit haben sich die Endgeräte gefühlt nur noch wenig weiterentwickelt. Mein zwei Jahre altes Smartphone ist im Prinzip auch noch voll in Ordnung. Trotzdem schaue ich mich gerade nach einem neuen Gerät um. Warum, erkläre ich hier.

Mein gutes altes Nexus 4 ist mittlerweile zweieinhalb Jahre alt – und hat längst Kultstatus erlangt. Es war Googles erstes besonders stark subventioniertes Nexus-Smartphone, das sich mit Topgeräten auf Augenhöhe traf und dabei schon ab 300 Euro zu haben war. Es tauchte in zahlreichen Screenshots auf, es wurde das Vorzeige-Android-Gerät, auch als Vorreiter Googles jeweils neuester Android-Systeme. Ich will nicht übertreiben, aber für viele war es praktisch Googles eigenes iPhone. Im Januar 2013 schlug ich zu.

Schon zwei, drei kleine Details können die Freude trüben

Ich habe dabei nur einen Fehler gemacht: Ich dachte, die günstigere Version mit 8 GB Speicher würde locker ausreichen. Falsch gedacht, wie sich immer mehr zeigt: Android und Googles zahlreiche nicht löschbare Eigen-Apps nehmen mittlerweile mehrere Gigabyte ein. Weil ich gerne viel mit dem Gerät fotografiere und Offline-Playlisten von Spotify lokal zwischenspeichere, ist der Speicher des Nexus auch bei wenigen installierten Apps ständig voll. Nach und nach zeigen sich weitere Probleme: Der Berlichtungsmesser an der ohnehin nie sonderlich überzeugenden Kamera scheint mittlerweile kaputt zu sein; Bilder werden chronisch dunkel. Auch die Reaktionszeit des Geräts liegt deutlich hinter der Weltspitze zurück.

Alt und gut, aber noch ein Topgerät? Das zweieinhalb Jahre alte LG Google Nexus 4.
Alt und gut, aber noch ein Topgerät? Das zweieinhalb Jahre alte LG Google Nexus 4.

Ich bin selbst verblüfft: Das Nexus 4 hat bereits einen schnellen Quadcore, 2 GB RAM und Android 5.1 (die Nutzer selbst vieler neuerer Geräte würden sich alle zehn Finger danach lecken), aber zwei, drei kleine Details können trotzdem die ganze Freude trüben.

Damit ihr nicht ebenfalls euren Smartphone-Kauf schnell bereut, hier in wenigen Punkten mein Rat, auf welche Details ihr beim Smartphone-Kauf unbedingt achten solltet. Oder anders formuliert: Wie ihr den Kauf eines Neugeräts euch oder eurem Bekanntenkreis gegenüber rechtfertigen könnt, selbst wenn euer altes Modell im Prinzip noch in Ordnung ist:

1. Akkulaufzeit

Setzte einst Standards mit extrem leistungsfähigen Akkus: Motorola
Setzte einst Standards mit extrem leistungsfähigen Akkus: Motorola

Die Akkulaufzeit ist bei meinem Nexus okay, aber klar, es geht immer noch mehr. Natürlich ist die Angabe der Lademenge in mAh nicht unwesentlich für den Kauf. Aber wichtig ist, sie in Relation zu ebenfalls verbauten Stromfressern zu setzen. Eine übermäßig hohe Display-Auflösung von Full HD oder gar mehr frisst den Akku, mehr aktive Rechenkerne ebenfalls – weswegen Hersteller von Sexta- oder Octacore-Geräten meist nicht alle Rechenkerne gleichzeitig ansprechen.

Dafür muss ein größeres Display nicht zwingend eine schlechtere Akkulaufzeit bedeuten: Viele Hersteller nutzen die hinzugewonnene Größe für einen größeren Akku.

Als nicht sonderlich nutzerfreundlich haben sich dafür nach meiner Erfahrung Energiesparprogramme der Hersteller erwiesen. Die sparen oft Energie auf Kosten der Nutzerfreundlichkeit. Besser man legt hier selbst Hand an und regelt etwa die Display-Helligkeit auf ein gerade noch erträgliches Maß herunter.

2. Update-Häufigkeit

Google Android 5.0: Mittlerweile ist bereits 5.2 angekündigt.
Google Android 5.0: Mittlerweile ist bereits 5.2 angekündigt.

Nutzer von iPhones oder Windows Phones kennen diese Problematik kaum. Aber Google hat bei Android die Fragmentierung verbreiteter Systemversion leider nicht in den Griff bekommen und wird das in absehbarer Zeit auch nicht mehr: Für die Updates von Android-Systemen sind die Hersteller verantwortlich und die haben nicht immer Interesse daran, gerade ihre etwas günstigeren Geräte damit auszustatten. Nutzer, die direkt ein Nexus-Gerät von Google kaufen, erhalten meist sehr schnell die jeweils neueste Android-Version. Die meisten Hersteller hingegen lassen sich damit sehr viel Zeit.

Als relativ updatefreundlich haben sich hier nur wenige Hersteller erwiesen, vorneweg vor allem Sony, Motorola und mit Abstrichen noch HTC.

3. Kamera

Die Kamera rückte in den Fokus vieler Smartphone-Hersteller wie hier im Apple iPhone 6.
Die Kamera rückte in den Fokus vieler Smartphone-Hersteller wie hier im Apple iPhone 6.

Als Faustregel hat sich erwiesen: Willst du wissen, wie gut eine Smartphone-Kamera wirklich ist, dann versuch doch mal, in dunkler Nacht ein gutes Bild zu schießen! Natürlich kommt es auch am lichten Tag auf satte Farbwerte und geringes Rauschen an, eklatant scheidet sich die Spreu vom Weizen allerdings, wenn gutes Licht eben nicht vorhanden ist.

Natürlich sollte es eine Mindestmenge von 5 Megapixeln schon sein, aber mindestens ebenso wichtig ist ein Autofokus, ein optischer Bildstabilisator (OIS), eine lichtstarke Maximalblende und ob die Kamera schnell auslöst und ebenso schnell betriebsbereit ist. Wenn sich auch in anderen Aspekten in den vergangenen Jahren nicht viel getan hat: Bei Smartphone-Kameras haben die meisten Hersteller noch einmal nachgelegt.

4. Speicher

Nicht am falschen Ende sparen: Beim Speicher, wie hier einer Karte von SanDisk, darf es ruhig etwas mehr sein.
Nicht am falschen Ende sparen: Beim Speicher, wie hier einer Karte von SanDisk, darf es ruhig etwas mehr sein.

Oben bereits erwähnt: Ein Smartphone kann noch so toll sein, aber wenn der Speicher voll ist oder sich nicht aufrüsten lässt, ist der Spaß schnell vorbei. 16 GB sollte euer neues Smartphone heute allermindestens haben, zusätzlich zur Möglichkeit, diesen mit einer Speicherkarte zu erweitern (mein Nexus kann das nicht). Aber Vorsicht: Android erlaubt es weiterhin nicht, Apps auf die Speicherkarte auszulagern. Wer also viele Apps installieren will, sollte zu einem Smartphone mit möglichst großem internen Speicher von 32 GB oder noch mehr greifen.

5. Reaktionszeit/UI

Das Samsung Galaxy S6 präsentierte sich bei uns im Test als sehr reaktionsschnell.
Das Samsung Galaxy S6 präsentierte sich bei uns im Test als sehr reaktionsschnell.

Natürlich fährt man im Prinzip besser damit, wenn viele GHz und noch mehr Rechenkerne und RAM unter der Haube stecken, aber das alles nutzt nichts, wenn das Gerät trotzdem langsam ist oder sich nur schwer bedienen lässt. Hier hilft nur: ausprobieren. Besucht euren bevorzugten Euronics-Händler und nehmt das Gerät eurer Wahl in die Hand. Liegt es gut in der Hand? Ist es reaktionsschnell? Testet dies am besten, indem ihr etwa mehrere Apps öffnet und schnell zwischen ihnen hin- und herspringt.

6. LTE

Neue Smartphones wie das Huawei P8 verfügen über LTE Cat4 mit bis zu 150 Mbit/s im Download.
Neue Smartphones wie das Huawei P8 verfügen über LTE Cat4 mit bis zu 150 Mbit/s im Download.

Obwohl zu der Zeit schon die ersten LTE-Geräte auf den Markt kamen, haben Google und LG bei meinem Nexus 4 darauf verzichtet. Klar, HSPA+ kommt auch schon nahe dran. Aber in Tests mit LTE-fähigen Geräten zeigte sich schon, dass mobiles Surfen mit LTE (Long Term Evolution, 4. Mobilfunkgeneration) noch eine Portion schneller ist. Und das auch obwohl beworbene Download-Geschwindigkeiten von 100, 150 oder gar 300 MBit/s nie wirklich erreicht werden. Heute werden nur noch ganz billige Einstiegsgeräte überhaupt ohne LTE verkauft. Achtet beim Kauf aber möglichst darauf, dass jeweils die neueste LTE-Kategorie verbaut ist, denn auch hier gibt es Unterschiede.

7. NFC

Mobiles Bezahlen wie hier Apple Pay und noch viel mehr gelingt dank NFC.
Mobiles Bezahlen wie hier Apple Pay und noch viel mehr gelingt dank NFC.

Erstaunlich viele Hersteller lassen in ihren Geräten immer noch NFC aus, dabei ist die Nahfeldtechnik in Kombination mit Bluetooth 4.0 ungemein praktisch. Einfach über das Auflegen auf ein anderes NFC-fähiges Endgerät lassen sich Geräte koppeln, Daten übertragen oder Musik auf Lautsprecher übertragen. Und auch mobiles Bezahlen steht kurz davor, endlich marktreif zu werden. Achtet also darauf, dass in eurem Gerät NFC integriert ist, damit ihr nachher nicht in die Röhre guckt.

8. USB Type-C

Der neue USB-Stecker Type-C lässt sich auf beide Arten ins Gerät einstecken. Bild: Aukey
Der neue USB-Stecker Type-C lässt sich auf beide Arten ins Gerät einstecken. Bild: Aukey

Manchmal lohnt es sich doch zu warten: Die nächste Smartphone-Generation wird wohl schon den neuen USB-Type-C-Stecker integrieren. Damit lässt sich nicht nur das Ladekabel in beliebiger Richtung einstecken. USB Type-C kann auch Daten, Töne und Bilder übertragen. Das Smartphone mal eben schnell an den Fernseher anschließen? Im Prinzip kein Problem mit Type-C. Noch unterstützen die aktuellen mobilen Betriebssysteme den neuen Standard nicht, aber das dürfte sich schnell ändern. Wenn ihr noch etwas Zeit habt: Auf USB Type-C lohnt es sich definitiv zu warten.

Tipp: Beim Kauf auf das Timing achten

Logisch, der Preis ist und bleibt das wichtigste Argument bei einem Smartphone-Neukauf. Ich bin allerdings über die Preispolitik der Hersteller überrascht. Mittlerweile haben sich Preise von 700 Euro für die jeweils neuesten Spitzenmodelle eingebürgert. Wer mehr Speicher will (siehe Punkt 4), kann bis zu 1.000 Euro für ein Smartphone zahlen. Das ist es in meinen Augen nicht nur nicht wert, das ist auch oft gar nicht notwendig. Meist reduzieren die Hersteller schon wenige Monate nach dem Verkaufsstart eines Neugeräts die Preise, spätestens wenn ein Nachfolger vorgestellt ist, geht es meist noch einmal deutlich mit dem nach unten, was man für ein Gerät ausgeben muss.

Oft lohnt es sich auch, die Mittelklasse im Auge zu behalten. Die bietet zwar vielleicht nicht die Top-Ausstattung und die neuesten Spielereien der Spitzenmodelle. Aber viele Abstriche sind verschmerzbar und man erhält oft für den halben Preis eines Flaggschiffs ein sehr ordentliches Gerät.

Mein gutes altes Nexus 4
Mein gutes altes Nexus 4

Fazit: Aufrüsten, wenn es sich lohnt

Ich kaufe mir meist nur alle vier oder fünf Jahre einen neuen Laptop – und bin dann doch immer wieder überrascht, wie selbst kleine Detail-Verbesserungen wie am Keyboard noch möglich sind und mich produktiver machen.

Bei Smartphones ist es ähnlich: Es muss nicht zwingend alle zwei Jahre ein neues Gerät her, wenn das alte noch voll in Ordnung ist. Aber wenn ihr mit einem neuen Gerät schneller arbeiten könnt, ihr mehr Spaß habt, es in die Hand zu nehmen, ihr als begeisterte Hobbyfotografen bessere Fotos schießt, ihr Daten schneller mit anderen Geräten austauschen könnt, ihr als Nachrichtenjunkies mit einem größeren Display lieber lesen mögt – dann lohnt es sich aufzurüsten.

Bilder: Hersteller

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