LTE-Kategorien: So schnell ist euer Smartphone wirklich

Netzanbieter werben mit Marketingnamen wie LTE Advanced Pro, LTE+ oder 4.5G. Entscheidend ist dabei die LTE-Kategorie. Wir verraten euch, was es damit auf sich hat, wie schnell euer Smartphone funken kann und wie viel von den Versprechen der Anbieter bei euch überhaupt ankommt.

Wenn euer Smartphone LTE beherrscht – und nahezu alle in diesem Jahr neu präsentierten Geräte können das – dann seid ihr schon einmal gut aufgestellt. Doch spätestens, wenn die Werbung mit neuen Fachbegriffen auf euch eindrischt, wird klar: LTE ist nicht gleich LTE. Und welche der jeweils beschriebenen Techniken euer Telefon beherrscht, hängt maßgeblich von einem Faktor ab: der LTE-Kategorie.

Was war noch gleich LTE?

LTE steht für Long-Term Evolution. Gemeinhin wird damit die vierte Mobilfunkgeneration (4G) beschrieben, auch wenn das faktisch nicht ganz korrekt ist. Denn LTE erfüllt nicht alle geforderten Standards der Fernmeldeunion ITU und wird deswegen auch als „3.9G“ umschrieben. Mittlerweile hat sich aber vor allem im Marketing „4G“ trotzdem als Bezeichnung für LTE durchgesetzt.

Die Mobilfunkgenerationen noch einmal im schnellen Überblick:

  • 1G: Analoger Mobilfunk
  • 2G: Digitaler Mobilfunk ab etwa 1991
  • 3G: Schneller digitaler Mobilfunk mit Fokus auf hohe Datenübertragungsraten ab etwa 2002. In Deutschland vor allem als UMTS bekannt. Theoretische Übertragungsraten bis 2 Mbit/s, faktisch 384 kbit/s. Die Nachfolgestandards HSDPA, HSUPA und HSPA+, die unter 3.5G zusammengefasst werden, erhöhten die Übertragungsraten drastisch auf 7,2, 14,4 und schließlich bis zu 42,2 Mbit/s (HSPA+).
  • 4G: LTE mit Übertragungsraten um faktisch 100 Mbit/s ab etwa 2011. Eigentlich erfüllt erst die Nachfolgetechnik LTE Advanced mit Datenraten bis 300 Mbit/s die Standards der ITU für den 4G-Mobilfunk.
  • 5G: Die kommende Mobilfunkgeneration ab etwa 2020, die Datenraten ab 1 Gbit/s erlauben soll

Auch wenn die Bezeichnungen ein wenig verwirren können: Die gute Nachricht ist, dass die Entwicklung nicht stehen bleibt. LTE wird weiterentwickelt, die Übertragungsraten weiter erhöht. Dafür stehen so genannte LTE-Kategorien Pate.

Immer schneller dank neuer LTE-Kategorien

Als die Netzbetreiber LTE in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern einführten, war damit LTE der Kategorie 3 gemeint, also LTE Cat 3. Hiermit sind bei bestem Empfang und voller Versorgung durch euren jeweiligen Provider bis zu 100 Mbit/s im Downlink und bis zu 50 Mbit/s im Uplink möglich. Theoretisch also schneller als DSL und so schnell wie VDSL.

4.5G ist erst der Anfang. Provider wie die Telekom hier im "5G-Haus" erproben längst die nächste Stufe. Bild: Telekom

4.5G ist erst der Anfang. Provider wie die Telekom hier im „5G-Haus“ erproben längst die nächste Stufe. Bild: Telekom

Da es sich bei LTE um ein Shared Medium handelt, ihr die Bandbreite also mit anderen Nutzern teilen müsst, werden die 100/50 Mbit/s bei LTE Cat 3 in der Praxis aber selten erreicht. Hinzu kommt, dass viele Provider und gerade Discounter die maximale Geschwindigkeit ihrer Tarife deckeln, etwa auf 50 Mbit/s, 20 oder gar nur 7 Mbit/s. Wichtig zu wissen: Jedes LTE-fähige Smartphone neuerer Bauart (2 Jahre oder jünger) beherrscht mindestens LTE Cat 3. Und viel mehr werdet ihr in der Praxis derzeit auch gar nicht benötigen.

Aber die Entwicklung macht da zum Glück noch nicht Halt. Und so kamen die ersten Netzanbieter vor drei Jahren mit einem noch schnelleren LTE um die Ecke: LTE Cat 4. Größter Unterschied: Theoretisch bis zu 150 Mbit/s im Downstream, weiterhin 50 Mbit/s im Upstream.

Schon mehr als 15 LTE-Kategorien und noch kein Ende in Sicht

LTE-Kategorien beschreiben die technischen Eckparameter des jeweiligen Funkstandards. So können Frequenzbänder, Empfangs- und Sendeantennen einzeln genutzt oder zusammengeschaltet werden – wodurch sich die Übertragungsrate erhöht. Auch die Übertragungsdichte spielt eine Rolle. Offizielle Bezeichnung: E-UTRA-Endgeräte-Kategorien. Diese wurden bislang in mehreren Schritten von der Standardisierungsinitiative 3GPP herausgegeben.

Mittlerweile sind mehr als 15 LTE-Kategorien spezifiziert und die Entwicklung wird dort wahrscheinlich nicht enden. Wichtig zu wissen ist, dass Netzprovider und Gerätehersteller nicht jede Kategorie unterstützen. Getan haben sie das bisher bei LTE Cat 3, 4, 6 und 9. Bevor es mit 5G weitergeht, könnten noch die LTE-Kategorien Cat 12, Cat 15 (800 Mbit/s im Downstream, 80 Mbit/s im Upstream) oder Cat 16 (1 Gbit/s Downstream, 100 Gbit/s Upstream) zum Einsatz kommen.

Im Überblick: Die von Netzbetreibern und Geräteherstellern unterstützten LTE-Kategorien:

Aufgelistet haben wir hier die wichtigsten LTE-Kategorien, die auch von Geräteherstellern und Netzprovidern unterstützt werden, jetzt und voraussichtlich in Zukunft.

Aufgelistet haben wir hier die wichtigsten LTE-Kategorien, die auch von Geräteherstellern und Netzprovidern unterstützt werden, jetzt und voraussichtlich in Zukunft.

Neuere Smartphones und Tablets verwenden die LTE-Kategorie LTE Cat 6, was LTE Advanced bedeutet und damit endlich „echtes“ 4G ist. Downloadraten bis 300 Mbit/s sind damit theoretisch möglich. In der Praxis hängt es von eurem Mobilfunkprovider, -vertrag, Standort und davon ab, mit wie vielen anderen Nutzern ihr euch die Bandbreite teilen müsst. Aktuelle Smartphones mit LTE Cat 6 sind das iPhone 6S, das OnePlus 3 oder das LG G5.

Erste Cat 9-Smartphones sind bereits da

Die Netzbetreiber tüfteln natürlich munter weiter. Vodafone und Telefonica lobten in Zusammenarbeit mit Huawei jüngst den vermeintlichen 4.5G-Mobilfunkstandard aus. Datenraten von 375 oder 400 Mbit/s wären damit möglich. Gemeint ist damit im Grunde nur LTE Cat 9, das bis zu 450 Mbit/s im Downlink erlaubt. [Update: Die Mobilfunker scheinen sich jetzt auf den Ausdruck LTE Max geeinigt zu haben.] Geräte, die das unterstützen, sind derzeit noch rar. Zum Redaktionsschluss dieses Beitrags waren das bisher nur das Samsung Galaxy S7, Galaxy S7 Edge, Galaxy S6 Edge+ und das HTC 10. Update: Auch das Samsung Galaxy Note 7.

Weitergehen dürfte es, wie oben schon beschrieben, danach mit LTE Cat 12, 600 Mbit/s im Down- und 100 Mbit/s im Upstream. Die Deutsche Telekom und in der Schweiz die Swisscom lobten jüngst eine Weiterentwicklung namens LTE Advanced Pro aus, die unter Laborbedingungen bis zu 1,2 Gbit/s erreichen soll. Das wäre nur mit LTE Cat 16 oder höher möglich. Anwender werden davon erst einmal nichts zu sehen bekommen, auch weil passende Endgeräte natürlich fehlen.

Soll ich mir also ein neues Smartphone kaufen?

Schaut man sich einmal im Tarifdschungel der mobilen LTE-Volumentarife um, dann fällt auf, dass sehr viele Provider ihre Datenraten auf 50, 21 oder gar nur 7 Mbit/s begrenzen. Der Otto-Normalsurfer wird schon alleine wegen der weiterhin hohen Kosten für Datenvolumen selten mal ein Video unterwegs streamen. Für den Durschnittsnutzer reicht also LTE Cat 3 derzeit locker aus, selbst HSPA+ ist nach wie vor genug für die meisten Anwendungen auf einem Smartphone oder Tablet.

Beherrscht LTE Cat 9: Das HTC 10. Bild: HTC

Beherrscht LTE Cat 9: Das HTC 10. Bild: HTC

Wer beruflich viel unterwegs arbeitet und auf schnelle Netze angewiesen ist, der fährt mit einem Empfangsgerät mit LTE Cat 6 sehr gut. Cat 9 kann derzeit ohnehin nur in einigen Pilotnetzen empfangen werden. Wer für die Zukunft gewappnet sein will und ohnehin gerade ein neues Gerät ins Auge fasst, der kann gerne nach Geräten mit Cat 9 Ausschau halten.

Sein altes LTE-Smartphone in den Wind schreiben, nur weil ein neues jetzt Cat 9 kann, muss aber vorerst noch niemand. Denn, wie oben beschrieben: die volle Bandbreite wird ohnehin nicht bei euch ankommen und ihr würdet euch ärgern, trotz hoher Mehrkosten bei Speedtests genauso schlecht abzuschneiden wie jemand mit einem drei Jahre alten Gerät. Die Zukunft aber verspricht schnell zu werden. Bald schon mit LTE Advanced, 4.5G oder wie immer die Technik heißen mag. Und spätestens mit 5G.

Beitragsbild: Vodafone

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