Neu definiert, nicht neu erfunden: das Samsung Galaxy S7

Lohnt sich das Smartphone vom Vorjahr?

Das eine Smartphone will man, doch das andere kann man sich bloß leisten. Vor allem die neuesten Spitzenmodelle sind vielen zu teuer, weshalb beim Kauf ein Ausgleich zwischen Technik/Design und Preis gefunden werden muss. Doch was sind die Alternativen? Reicht nicht auch ein Spitzenmodell aus dem Vorjahr?

Zum Mobile World Congress 2016 im Februar (oder kurz darauf) wurden einige der Flaggschiff-Modelle neu aufgelegt: Samsung Galaxy S7, Samsung Galaxy S7 Edge, LG G5 und HTC 10. Wir haben uns angeschaut, was sie vom Vorgängermodell unterscheidet.

Viel Geld sparen

Ein schneller Blick in den Onlineshop von Euronics ergibt, dass ihr beim Kauf eines Vorjahresmodells 200 bis 350 Euro weniger zahlen müsst. Wie groß der Unterschied genau ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die sich im Laufe eines Jahres ändern. Die Kunst besteht darin, den richtigen Zeitpunkt abzupassen.

Bei der Vorstellung werden die Neugeräte in der Regel zu einem künstlich hohen Preis aufgerufen, der signalisieren soll: Schaut her, ich bin die Premiumklasse. Meist liegt er so hoch wie im Vorjahr, sackt nach Marktstart jedoch recht schnell ab. Von diesem Niveau sinkt der Preis dann nur noch in kleinen Schritten, aber kontinuierlich. Große Sprünge nach unten sind erst wieder zu erwarten, wenn der Nachfolger erscheint.

Preisentwicklung beim Samsung Galaxy S6 (Screenshot von geizhals.de)

Preisentwicklung beim Samsung Galaxy S6 (Screenshot von geizhals.de)

Jedes Schnäppchen hat einen Preis

Wer beim Kauf des Vorjahresmodells Geld spart, zahlt jedoch einen anderen Preis: Das ist erst einmal der Verzicht auf Technik, die das neue Gerät mitbringt. In den letzen Jahren war das zum Beispiel NFC oder der Fingerabdrucksensor. Beide Chips bringen Erleichterungen im Umgang mit dem Gerät, jedoch keine völlig neuen Funktionen. Nach wie vor ist es möglich, Geräte per Bluetooth zu verbinden oder beim Entsperren des Smartphones sowie beim Bezahlen an der Ladenkasse eine PIN einzugeben.

Früher war das noch anders: Die Einführung von UMTS und HSPA+ hat zum Beispiel den Upload von Handy-Fotos erst möglich gemacht, was mit Facebook und WhatsApp mittlerweile Alltag ist. Heutzutage würde sich eine bessere LTE-Klasse lediglich beim Dowload großer Datenmengen bemerkbar machen, die in möglichst kurzer Zeit auf dem Smartphone bereit stehen müssten. Aber angesicht von Tarifen mit Drosselung nach 500 Megabyte oder zwei Gigabyte, kommt kaum jemand in solch eine Situation. Die Zeit der großen technischen Fortschritte beim Smartphone ist vorbei.

Viele nutzen die neu Technik auch gar nicht, sondern legen Wert auf das frische Design der aktuellen Geräte. Das kann durchaus einen praktischen Wert haben: Die Bildschirme vieler neuer Modelle sind ein paar Millimeter größer und zeigen daher mehr an bzw. bieten größere Schaltflächen. Ich persönlich würde auch immer das Sony Xperia Z5 allen Vorläufern vorziehen, da die neue matte Rückseite kein Magnet für Fingerabdrücke mehr ist. Manchmal ist aber auch wichtig, was andere vom neu erworbenen Smartphone halten. Das neueste Spitzenmodell wird dann zu einem Statussymbol, dessen Bedeutung kein Preisnachlass ersetzen kann.

Samsung Galaxy S7 und Samsung Galaxy S7 Edge

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Samsung Galaxy S7 Edge von seinem Vorgänger Samsung Galaxy S6 Edge: Der Bildschirm ist von 5,1 auf 5,5 Zoll angewachsen. Damit wurde auch das Gerät insgesamt größer und 25 Gramm schwerer. Im Inneren unterscheidet es sich jedoch kaum von seinem Schwestermodell Samsung Galaxy S7, das im Vergleich zum Vorgänger Samsung Galaxy S6 ebenfalls etwas dicker geworden ist, um einen 18 Prozent leistungstärkeren Akku unterzubringen.

Mit großen Neuerungen konnte Samsung 2016 nicht aufwarten. Für die einen wurde lediglich etwas Modellpflege betrieben, für andere wurden wichtige Eigenschaften zurückgebracht, die das Unternehmen testweise weggelassen hat. So verfügt das Samsung Galaxy S7 wieder über einen Steckplatz für Speicherkarten sowie über einen Schutz gegen Wasser und Staub gemäß IP68. Die Kamera hat einen schnellen Autofokus erhalten und steht aufgrund der neuen Maße nicht mehr so auffällig hervor. Die Rückseite wurde abgerundet und der Infrarotsender abgeschafft.

LG G5

Der Preisunterschied zwischen dem neuen LG G5 und seinem Vorläufer LG G4 fällt etwas größer aus und das hat einen Grund: LG versucht etwas anders zu machen. Die Displayfront schrumpft von 5,5 auf 5,3 Zoll und ist nicht mehr leicht gebogen wie beim LG G4, sondern wieder flach. Das Gehäuse wurde erstmals aus Aluminium gefertigt und mit einer Klappe versehen, über die sich nicht nur der Akku wechseln lässt, sondern auch verschiedene Module angesteckt werden können – zum Beispiel ein Upgrade der Kamera.

Die weiteren Änderungen lassen sich auch beim LG-Smartphone unter dem Stichwort Modellpflege zusammenfassen. Der Prozessor wurde auf den Qualcomm Snapdragon 820 aufgerüstet, der Arbeitsspeicher auf 4 RAM erweitert. Erstmals gibt es einen USB-C-Port, einen Fingerabdruckscanner sowie eine Duo-Kamera.

HTC 10

Das HTC 10 hat bei Erscheinen viel Lob erhalten. Doch der Vergleich mit seinem Vorgänger HTC One M9 zeigt, dass eigentlich nur die Aktualisierungen vorgenommen worden sind, die zu erwarten waren – mehr nicht. Das Display misst jetzt 5,2 statt 5,0 Zoll Zoll und zeigt 1.440 x 2.560 statt 1.080 x 1.920 Pixel an. Innen finden sich der Qualcomm Snapdragon 820 statt 810 und 4 statt 3 GB Arbeitspeicher. Der Akku wuchs von 2.840 auf 3000 mAh.

Lediglich die Kamera ist komplett neu. Nach den Versuchen mit der Ultrapixel- und einer 20-Megapixel-Kamera im letzten Jahr, sind sich jetzt die Tester einig: HTC hat es endlich richtig gemacht. Dies könnte ein Grund sein, nicht zum Vorgängermodell zu greifen. Ein anderer wäre, dass das HTC 10 das erste Android-Smartphone ist, das AirPlay von Apple unterstützt.

Das HTC 10 bringt wieder einmal eine neue Kamera (Bild: HTC)

Das HTC 10 bringt wieder einmal eine neue Kamera (Bild: HTC)

Sony und Apple

Sony fällt ein wenig aus der Rolle, da die Spitzenmodelle bislang nicht im Jahrestakt, sondern alle paar Monate erneuert wurden. Die Verbesserungen waren dann meist marginal und der preisliche Abstand zum Vorgängermodell nur gering. Ob die Japaner dieser Linie in Zukunft treu bleiben werden, ist noch ungewiss. Zum Mobile World Congress wurde lediglich die neue X-Serie vorgestellt, die die Z-Serie vielleicht ersetzen soll, dies allerdings nicht vollständig kann.

Bei Apple müsst ihr noch etwas warten, bis das iPhone 7 erscheint. Der Preisunterschied zum Vorgänger fällt dann meist geringer aus als bei Smartphones mit Android. Ältere Modell werden auch nicht so häufig gekauft, sondern oft von Freunden übernommen, die sich das aktuelle iPhone geleistet haben.

Was ist es euch wert? Das neueste Smartphone in der Hand zu halten, das vielleicht über das eine oder andere Extra verfügt, das jedoch nicht wirklich notwendig ist? Oder wollt ihr etwas Geld sparen? Es gibt jedoch noch eine weitere Alternative. Aufstrebende Marken wie OnePlus oder Xiaomi (beide aus China) haben den Preis für die obere Mittelklasse ordentlich gedrückt. Auch hier muss meist auf die eine oder andere Funktion verzichtet werden. Diese Smartphones sind aber zu einem signifikant niedrigerem Preis zu haben.

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