Lenovo baut nur noch „Moto“-Smartphones: Wie Motorola zu Moto wurde

Lenovo wettet seit dieser Woche ganz auf die Smartphone-Marke „Moto“, dem Überbleibsel des übernommenen Herstellers Motorola. Das ist nicht selbstverständlich, denn „Moto“ war lange das Sorgenkind der Branche.

Krise? Mag es bei anderen PC- und Smartphone-Herstellern geben. Aber Lenovo ist eigentlich in beiden Kategorien zufrieden und optimistisch. So sehr, dass die Chinesen Google vor zwei Jahren das strauchelnde Smartphone-Geschäft der Marke Motorola abgekauft haben. Damals stand die Marke kurz vor dem Aus. Heute will Lenovo nur noch darauf setzen. Laut einer Meldung von Campaign Asia will Lenovo neue Smartphones in Zukunft nur noch „Moto“ nennen. Alle anderen Marken sollen verschwinden.

Motorola: Fünf Jahre lang von einem zum anderen gereicht

Gut, in Deutschland hat man ohnehin nicht viel von anderen Lenovo-Smartphones mitbekommen. Die meisten, wie die Marke „Vibe“ gab es hierzulande gar nicht oder nur über Zwischenhändler zu kaufen. Für den Heimatmarkt China stellte Lenovo ein ganz eigenes Sortiment an Mobiltelefonen zusammen als für den Rest der Welt.

Razr-Telefone: Motorola belebte die Marke der Klapphandys (rechts) 2011 in einem modernen Touchscreen-Smartphone wieder. Besonders gut verkaufte sich das neue Razr aber nicht.

Razr-Telefone: Motorola belebte die Marke der Klapphandys (rechts) 2011 in einem modernen Touchscreen-Smartphone wieder. Besonders gut verkaufte sich das neue Razr aber nicht.

Und nun also nur noch Moto-Phones? Wir erinnern uns: Die Probleme begannen mit der Aufspaltung der Motorola Inc. im Januar 2011. Motorola Mobility – wie die Firma heute offiziell noch heißt – war fortan auf sich alleine gestellt. Damals begann der Markt für Android-Smartphones langsam abzuheben. Größtenteils ohne Motorola, denn Smartphones wie das Atrix 4G verkauften sich trotz Dual-Core-Prozessor und interessantem Zubehör wie einem Lapdock schlecht. Auch das erste (und eins der einzigen) Tablets mit Android 3.0, das Xoom, brachten nicht den gewünschten Erfolg.

Moto X und Moto G – es geht wieder aufwärts

Nur ein gutes halbes Jahr später, im August 2011, flüchtete Motorola unter das Dach von Google. Der Suchriese zahlte 12,5 Milliarden US-Dollar für das Geschäft. Es fällt zwar in diese Zeit, dass Motorola mit Smartphones wie dem Razr HD und dem Razr i (mit Intel-Prozessor) wieder Achtungserfolge feierte. Google war da allerdings schon längst auf dem Weg, die Marke in eine andere, fortschrittlichere Richtung zu manövrieren. Ein neues Line-up folgte im Jahr 2013 mit den durchaus beachteten Spitzensmartphone Moto X, der ebenfalls beliebten Einsteigerserie Moto G und dem Moto Maker, einer Möglichkeit, das gewünschte Smartphone auf der Website nach Lust und Laune selbst zu konfigurieren.

Moto X-Serie (2015): Smartphones nach Lust und Laune selbst konfigurieren über den Moto Maker.

Moto X-Serie (2015): Smartphones nach Lust und Laune selbst konfigurieren über den Moto Maker.

Google stattete die neuen Moto-Telefone, anders als früher mit der klassischen Oberfläche Motoblur, jeweils mit nahezu „nacktem“ Stock-Android aus. Es gab schnelle Android-Updates. Und doch blieb Google bei Motorola seltsam passiv. Nexus-Smartphones entwickelte man in jener Zeit lieber mit LG. Das erste Nexus-Smartphone von Motorola kam erst Ende 2014, als Google Motorola längst an Lenovo verkauft hatte. Das Nexus 6 fiel mit einem 6-Zoll-Bildschirm in die Kategorie Phablets oder „Riesen-Smartphones“. Ein durchschlagender Erfolg blieb dem Gerät verwehrt.

Lenovo erwirbt Motorola und führt Entwicklung zusammen

Ein knappes halbes Jahr davor, im Januar 2014, hatte Lenovo Motorola von Google gekauft. Der Preis lag insgesamt bei nur noch knapp 3 Milliarden US-Dollar, wobei Google die meisten der Patente behielt. Ein wenig sah es hier aus, als würde die einstige Traditionsmarke Motorola von einem zum nächsten geschoben und keine echte Heimat finden. Doch die Chinesen taten der Marke überraschend gut.

Aktuelles Spitzen-Smartphone: Lenovo Moto Z

Aktuelles Spitzen-Smartphone: Lenovo Moto Z

Im August 2015 beschloss Lenovo, die gesamte Smartphone-Produktion des Hauses unter dem Dach der Motorola Mobility zu vereinen, die trotz der Übernahme nach wie vor in Chicago beheimatet war und ist. Im Januar 2016 hieß es, der Name „Motorola“ solle zugunsten der Marken „Moto“ und „Vibe“ gänzlich verschwinden. Das hat man auch in die Tat umgesetzt. Aber intern hat sich „Moto“ gegenüber „Vibe“ anscheinend durchgesetzt. Der positive Nachhall der Marke Motorola dürfte hier ebenso eine Rolle gespielt haben wie die zuletzt durchaus erfolgreichen Moto-Smartphones.

„Motorola“ verschwindet, „Moto“ übernimmt

Ruft man heute die Website Motorola.de im Browser auf, dann ist in der Tat nicht mehr all zu viel von Motorola dort zu lesen. Ein Lenovo-Schriftzug prankt links gleich neben dem klassischen M, das Lenovo nach wie vor als Logo für die Moto-Phones benutzt. Die Marke „Motorola“ taucht dort nur noch der Fußleiste auf. Die offizielle Typenbezeichnung der Geräte ist heute etwa „Lenovo Moto Z Play“.

Deutsche Motorola.de-Website. Der Name "Motorola" verschwindet langsam zu Gunsten von "Moto" und "Lenovo".

Deutsche Motorola.de-Website. Der Name „Motorola“ verschwindet langsam zu Gunsten von „Moto“ und „Lenovo“.

Das Line-Up an Smartphones hat Lenovo geschickt weiter entwickelt. Die Einstiegsmarke Moto E verschwand, dafür kam mit Moto Z eine offizielle Highend-Marke hinzu. Es bleiben also drei Linien:

  • Moto Z: Highend-Smartphones. Aktuelle Geräte sind das Moto Z und das Moto Z Play.
  • Moto X: Smartphones der oberen Mittelklasse mit dem Fokus auf hohe Anpassbarkeit durch den Moto Maker. Aktuelle Geräte sind das Moto X Force, Moto X Play und Moto X Style.
  • Moto G: Smartphones der unteren Mittelklasse meist mit ein paar Ausreißern nach oben. Aktuelle Smartphones sind das Moto G4, das Moto G4 Play und das Moto G4 Plus.

Daneben verkauft Motorola auch eine Smartwatch, die durchaus viel beachtete runde Moto 360, sowie die gänzlich kabellosen Kopfhörer Verve Ones+. Interessant sind auch die Moto Mods, die Lenovo als Extra zur Moto-Z-Serie vorstellte. Die Moto Mods lassen sich per Magnet an ein Moto Z-Smartphone andocken und die Funktionalität erweitern. Als Mods gibt es etwa einen JBL-Lautsprecher, eine Hasselblad-Kamera, ein Incipio Akku-Pack oder den hauseigenen Insta-Share Projector.

Lenovo und Motorola – da scheinen sich zwei gefunden zu haben

Unter Lenovo hat Motorola die Kurve gekriegt, auch wenn der einstige Markenname mehr und mehr dem neuen Namen „Moto“ weichen muss. Die Produkte sind begehrt und vor allem auf dem chinesischen Heimatmarkt ist für die Moto-Serie noch Luft nach oben. Von daher ist Lenovos Entscheidung gut nachzuvollziehen, zwei beliebte Marken in einem Produktnamen zu vereinen.

Ein Smartphone? Eine Kamera? Beides: Lenovo Moto Z mit dem Kamera-Mod Hasselblad True Zoom.

Ein Smartphone? Eine Kamera? Beides: Lenovo Moto Z mit dem Kamera-Mod Hasselblad True Zoom.

Ein Moto-Smartphone, das Moto Z Play, gibt es auch bei Euronics. Ebenso wie weitere Motorola-Produkte vor allem aus dem Bereich Haustelefonie und Home Automation, und natürlich PCs, Tablets und Laptops von Lenovo.

Bilder: Lenovo

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