Leitfaden für Einsteiger: Worauf muss ich beim Smartphone-Kauf achten?

Ein Smartphone soll her. Vielleicht wollt ihr aufrüsten, euch mal wieder umschauen oder zum ersten Mal vom Mobiltelefon auf ein Smartphone umsteigen. Dieser Beitrag soll euch dabei helfen. Er ist in erster Linie für Einsteiger gedacht, kann aber auch erfahreneren Nutzern als Hilfestellung dienen.

Wichtiger als alles andere: Das Nutzungserlebnis

Es klingt eigentlich logisch: Das Smartphone soll Spaß machen. Den werdet ihr aber dann nicht haben, wenn eurem Gerät wichtige Eigenschaften fehlen oder es zu wenig von Notwendigem gibt. Entscheidender als technische Details ist, was am Ende dabei herauskommt. Oder anders gesagt: Die wichtigste Eigenschaft ist das Nutzungserlebnis. Und es lohnt sich, das eigene Bauchgefühl über vermeintliche Killerfunktionen das Marketings vieler Hersteller zu stellen.

Okay, verstanden. Und was ist nun wichtig dafür?

Das Smartphone sollte gut in der Hand liegen, schnell reagieren, sowohl beim Eintippen, beim Öffnen und Wechseln zwischen Apps, beim Starten der Kamera und natürlich auch beim mobilen Webseiten-Aufruf. Nichts ist deprimierender, als von tollen neuen Anwendungen zu hören und sie dann nicht nutzen zu können. Wichtig für das Nutzungserlebnis ist also auch eine starke App-Auswahl.

Eine Starke App-Auswahl (hier der Windows Phone Store) ist einer der wichtigsten Entscheidungsfaktoren für oder gegen ein Smartphone.

Eine Starke App-Auswahl (hier der Windows Phone Store) ist einer der wichtigsten Entscheidungsfaktoren für oder gegen ein Smartphone.

Was bedeutet das für die Hardware?

Ebenso wichtig wie ein starker Prozessor (selbst einige Einstiegsgeräte haben heute einen Quadcore mit vier Rechenkernen) sind Grafikeinheit und Arbeitsspeicher (RAM). Der Bildschirm muss die Daten schnell darstellen, das System mehrere Apps gleichzeitig verarbeiten können, ohne dabei langsamer zu werden. Für die schnelle Datenverbindung sollte das Gerät der Wahl über LTE (Long Term Evolution) verfügen, was der 4. Mobilfunkgeneration (nach Analog, GSM, UMTS/HSDPA) entspricht und Datenraten bis zu 100 oder 300 Mbit/s (je nach LTE-Typ und Netz) erlaubt.

Der Spaß ist außerdem schnell vorbei, wenn der Akku zu schnell schlappt macht. Faustregel: Je größer Display und Auflösung, desto mehr Lademenge (gemessen in mAh) sollte auch der Akku haben. Derart lange wie bei einem einfachen Handy halten Smartphone-Akkus in der Regel nicht durch. Mit einer Akkuladung sollte man aber mindestens über den Tag kommen können.

Starke Akkulaufzeit wichtig. Hier eine Werbung von Sony

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… und für die Software?

Über die Wahl des „richtigen“ Betriebssystems eines Smartphones herrschen heute tiefe Grabenkämpfe. Die gute Nachricht: Verhältnismäßig nutzerfreundlich ist die Bedienung inzwischen eigentlich bei allen. Die schlechte: Längst nicht jeder App-Anbieter stellt seine Entwicklung in der neuesten Version für alle Systeme gleichermaßen zur Verfügung. Das führte dazu, dass der Markt heute einem Duopol gleichkommt: Googles Android und Apples iOS beherrschen das Geschehen und verfügen jeweils über die Größte Auswahl an populären Apps. Einsteigern müssen wir deswegen aus Komfortgründen zu Android, iOS und mit Abstrichen noch Windows-Geräten raten. Das ist zwar schade für die Vielfalt, darf aber nicht das Problem eines Smartphone-Käufers sein.

Googles Android und Apples iOS beherrschen den Smartphone-Markt. Grafik: Statista.de

Sich das Leben einfach machen – mit einem iPhone?

Gegen die Anschaffung eines Apple iPhones (aktuell in den Versionen iPhone 6 und iPhone 6 Plus) ist im Prinzip nichts einzuwenden. Apple brachte das erste iPhone bereits im Jahr 2007 auf den Markt und legte damit den Grundstein für die Art von Touchscreen-Mobiltelefonen, wie wir sie heute benutzen. Und auch wenn die Konkurrenz mittlerweile auf- und gemessen an einzelnen Details überholt hat, bietet das iPhone mit dem bekannten iOS und einer großen App-Auswahl moderner Apps nach wie vor ein Top-Nutzungserlebnis.

Apple iPhone 6

Apple iPhone 6

Der größte Nachteil: Ein iPhone ist teuer. Das neueste Modell ist erst ab etwa 700 Euro zu haben, das leicht betagte iPhone 5C kostet noch rund 400 Euro.

Android – für Vielseitige

Hier kommt Android ins Spiel. Googles Spielwiese ist vom Nutzungserlebnis und der App-Auswahl iOS ebenbürtig und lässt sich auf Wunsch stark anpassen. Dazu gibt es Geräte zahlreicher Hersteller in allen Formen, Farben und vor allem: Preisklassen. Einfache Geräte sind – mit der entsprechenden Ausstattung – schon für unter 100 Euro zu haben, Spitzenmodelle allerdings ähnlich teuer wie Apples iPhone.

Google Android

Google Android

Zwei Nachteile allerdings hat Googles Android-Universum: Den meisten Geräte-Herstellern ist Googles Standard-Android nicht gut genug. Sie versorgen ihre Systeme mit mehr oder weniger beliebten eigenen Outfits und Zusatzfunktionen, was zur Folge hat, dass sie jedes Android-Update von Hand anpassen müssen, bei der Vielzahl ihrer Geräte mit dem Aufwand nicht nach kommen und es oft bei wenigen oder schlicht gar keinen Updates belassen. Auch der Umgang mit Nutzerdaten – Google finanziert sich mit der Sammlung und Auswertung persönlicher Daten – wird von Verbrauchern zunehmend kritisch beäugt.

Eine Alternative sind „Google-freie“ Android-Anpassungen wie CyanogenMod, die man von Hand auf vielen Android-Geräten installieren kann.

Und der Rest?

Microsofts eigenes System krankte bisher maßgeblich an einer nicht ganz ebenbürtigen App-Auswahl. Mit Windows 10 soll sich das ändern: Entwickler haben hier die Möglichkeit, Apps zu entwickeln, die auf allen Windows-Plattformen laufen, auf PCs ebenso wie auf Windows-Smartphones. Zusätzlich sollen sie iOS- und Android-Apps mit wenigen Klicks zu einer Windows-App anpassen können. Das könnte die App-Auswahl verbessern und die Attraktivität von Windows-Smartphones endlich erhöhen.

Einstiger Marktführer Blackberry: Heute ein deutlich kleinerer Anbieter.

Einstiger Marktführer Blackberry: Heute ein deutlich kleinerer Anbieter.

Auch beim einstigen Marktführer Blackberry scheiterte es maßgeblich an den Apps. Mittlerweile verfügt das System Blackberry 10 zusätzlich zur Blackberry World über Amazons AppStore, womit sich mehrere hunderttausend Android-Apps (nur keine Google-Apps) darauf nutzen lassen. Mozillas Firefox OS setzt ganz auf HTML5-Apps, Fans der Linux-Distribution Ubuntu finden auf ersten Smartphones Anpassungen ihrer Lieblings-Apps wieder. Keines dieser oder weiterer Systeme wie Tizen oder Sailfish OS allerdings reicht in puncto Komfort und App-Auswahl an die Großen heran.

Technische Details: Mehr ist mehr

Mein letztes Smartphone disqualifizierte sich nach einiger Zeit durch einen zu kleinen Speicher und eine eher schwache Kamera. Achtet auf die Details! Ist euch ein besonders lichtstarkes Display wichtig, eine großer Speicher, weil ihr viel zwischenspeichern wollt, Bluetooth und NFC, weil ihr euer Zuhause vernetzen wollt?

Sind euch solche Dinge egal, dann reicht euch ein Einstiegs- oder Mittelklassegerät. Kommt es eben darauf an, dann solltet ihr genau hinschauen und lieber etwas mehr investieren.

Einsteiger-Smartphone LG Joy: Hier wird meist auch an einigen Kernfunktionen gespart.

Einsteiger-Smartphone LG Joy: Hier wird meist auch an einigen Kernfunktionen gespart.

Schöne Theorie, aber gib uns mal ein paar Eckdaten an die Hand!

Wie gesagt: Am wichtigsten ist das Nutzungserlebnis. Und da können manche Details noch so gut sein, es bringt nichts, wenn das Gesamterlebnis nicht stimmt. Notwendig dafür sind Mindestanforderungen, und darauf solltet ihr achten:

  • Prozessor: Quadcore ist besser, ein starker Dualcore sollte es mindestens sein. Achtet auf all zu exotische Chiphersteller. Marktführer mit meist solider Qualität ist Qualcomm mit zahlreichen Varianten des Typs Snapdragon in Kombination mit einem Adreno-Grafikchip. Die Taktung lässt sich nur schwer in Relation setzen, aber von weniger als 1,0 GHz solltet ihr in jedem Falle die Finger lassen.
  • RAM: Hier darf es gerne etwas mehr sein. 1 GB ist sehr wenig. Wenn ihr die Möglichkeit habt, 2, 3 oder noch mehr GB zu bekommen: Nutzt sie!
  • Interner Speicher: Allerallermindestens 16 GB, besser 32 GB oder noch mehr. Die Größe von Apps und Betriebssystemen steigt in der Regel mit jedem Update. Viele Systeme unterstützen nach wie vor keine Installation von Apps auf Speicherkarten, also bleibt interner Speicher enorm wichtig.
  • Kamera: 5 Megapixel sollten es sein, 8 wären besser. Wichtiger allerdings sind Zusatzfunktionen wie ein Autofokus (ein Muss!), optischer Bildstabilisator (OIS), rückwärtige Belichtung mit BSI-Sensor (nur in teureren Geräten), eine niedrige Blendenzahl wie f2.0 (= mehr Lichtstärke) und weiche Faktoren wie die Möglichkeit, auch im Dunkeln noch scharfe, kontrastreiche und rauschfreie Fotos zu schießen. Ihr solltet Videos in HD (1080p oder mindestens 720p) aufnehmen können. Ideal sind Funktionen wie Schärfenachführung bei einer Videoaufnahme.
  • Frontkamera: Hin und wieder werdet ihr einmal ein Porträtfoto machen wollen oder müssen, oder einmal für Videotelefonate zur Verfügung stehen. Eine ideale Frontkamera hat 2 Megapixel oder mehr und idealerweise ein Weitwinkelformat.
Sony Xperia C3, selbst ernanntes "Selfie-Phone"

Sony Xperia C3, selbst ernanntes „Selfie-Phone“

  • Display: Wichtiger als die tatsächliche Auflösung (HD oder Full HD, mehr braucht es nicht) ist die Pixeldichte, die nicht weit unter 300 ppi liegen sollte. Leuchtkraft, Kontrast und (was bei Billiggeräten oft fehlt) die Möglichkeit, die Helligkeit stufenlos einzustellen, sind wichtig. Könnt ihr auch bei prallem Sonnenlicht noch etwas sehen? Spiegelt das Display stark? Wenn möglich: Fragt euren Euronics-Fachhändler, ob er euch zu einem Test nach draußen begleitet.
  • Akku: 3.000 mAh wären bei einem 5,0-Zoll-Display ein sehr guter Wert. Weit darunter sollte die Lademenge nicht liegen, und bei noch größeren Displays entsprechend „mitwachsen“.
  • Einzelne Details, die euer Smartphone können sollte: Bluetooth 4.0 oder höher (für kabellose Datenübertragung), NFC für kontaktlose Daten- und Musikübertragung, WLAN mit mindestens n, besser ac (für neuartige Router), LTE sollte vorhanden sein, HSPA+ aber auch, falls an eurem Standort mal kein 4G-Netz verfügbar ist, idealerweise ist FDD-LTE für zeitgleiche Daten- und Sprachübertragung integriert, Cat4 oder Cat6 erlauben schnellere Datenübertragung, zumindest da, wo euer Netzbetreiber sie anbietet. Weitere Übertragungsmöglichkeiten auf größere Bildschirme wie DLNA oder HDMI mit MHL sind kein Muss, können aber nicht schaden.

Fazit: Es soll Spaß machen

Das Wichtigste aber sind weiche Faktoren: Liegt das Gerät gut in der Hand, reagiert es schnell und, ja, gefällt euch auch das Aussehen? All das ist wichtig, und das erfahrt ihr am besten, wenn ihr die Geräte beim Euronics-Fachhändler eures Vertrauens ausprobiert. Ein persönlicher Test ist durch nichts zu ersetzen.

Viel Erfolg beim Smartphone-Kauf!

Bilder: Hersteller

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2 Kommentare zu “Leitfaden für Einsteiger: Worauf muss ich beim Smartphone-Kauf achten?
  1. Toller Artikel. Aber es wurden noch zwei wichtige Punkte vergessen, die für mich ausschlaggebend sind:
    * Kann man den Akku wechseln?
    * Kann man den Speicher durch eine SD-Karte erweitern?

    Beides sind Argumente gegen das iPhone und moderne Android-Smartphones wie beispielsweise das S6!

    • Jo, da gebe ich dir im Prinzip Recht. Nur: Bei Android ist es immer noch hakelig, wichtige Systemdateien oder auch nur Apps auf einem externen Speicher abzulegen. Selbst mit Bildern oder Musikdateien gibt es da manchmal Probleme. Von daher halte ich einen großen internen Speicher für wesentlich wichtiger.

      Ein wechselbarer Akku ist natürlich von Vorteil, das stimmt. Das ist ein Punkt, den man noch berücksichtigen sollte.

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