Langsam nervt’s: Abgesänge auf Windows Phone kommen verfrüht, aber nicht von ungefähr

Nach enttäuschenden Verkaufszahlen von Windows-Smartphones und Gerüchten über eine Neuausrichtung der Sparte mehren sich die Abgesänge auf Windows Phone. Ganz gerecht ist das nicht, Microsoft allerdings an den Problemen nicht unschuldig.

Die Meldungen über Windows Phone/Mobile sind seit rund einer Woche von Abgesängen und Negativschlagzeilen geprägt. Ja, noch mehr als ohnehin schon. Brancheninsider Paul Thurrott wusste vor einer Woche zu berichten, dass die von Nokia übernommene Windows-Phone-Sparte mit der Surface-Sparte zusammengelegt und bei der Gelegenheit verkleinert worden sei.

Niedrige Verkaufszahlen noch einmal halbiert

Ein weiterer Kenner der Szene, Eldar Murtazin sprach analog dazu von einem intern geplanten, baldigen Neustart der Windows Mobile-Plattform mit Intels X86-Chips statt der bisher unterstützten ARM-Architektur. Windows 10 Mobile in seiner jetzigen Form werde aufgegeben. (Hier sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass Murtazin in der Vergangenheit mit seinen Prognosen mindestens genauso oft falsch wie richtig lag.)

Gestern bei der Bekanntgabe der Geschäftszahlen der vergangenen Weihnachtsquartals gab Microsoft nur noch 4,5 Millionen verkaufte Lumia-Smartphones weltweit an. Damit liegt man 57 Prozent unter den vergleichsweise ohnehin schon geringen 10,5 Millionen verkauften Geräten ein Jahr zuvor. Der größte chinesische Internetanbieter Tencent kündigte postwendend an, keine Version der Chat-App QQ mehr für Windows 10 Mobile veröffentlichen zu wollen. Die Entwicklung lohne sich schlicht nicht bei einem derart wenig verbreiteten System wie Windows 10 Mobile. Das gewichtige US-Branchenportal The Verge ließ sich dann gestern schließlich zu einem harten Fazit hinreißen: „Windows Phone ist tot„.

Starke Ansätze, die noch nicht genutzt werden

Das kommt in meinen Augen leicht verfrüht. Noch ist Windows 10 Mobile gar nicht richtig gestartet. Microsoft hatte Großes mit der neuen mobilen Plattform vor. Universelle Apps sollten sich für stationäre wie mobile Windows-10-Systeme skalieren lassen, Continuum es ermöglichen, Windows-Smartphones mit genug Rechenpower wie dem neuen Lumia 950 (XL) gleichzeitig als Computer und Mobiltelefon dienen können. Die Einführung mit Windows 10 Mobile verzögerte sich, viele Praxistests und Updates stehen noch aus und natürlich fehlen auch noch entsprechende Apps, die das alles darstellen können.

Aber genau das ist das Problem, und auch schon immer gewesen: Es fehlen die Apps. Und wo sollen die auch herkommen, wenn Microsoft alle zwei Jahre einen kompletten Neustart der Plattform anordnet? Windows Phone 7 beerbte Windows Mobile 6 im Herbst 2010, zwei Jahre später erfolgte mit Windows Phone 8 ein weiterer Neustart, in diesem Winter mit Windows 10 Mobile ein weiterer. Und sollte Murtazin diesmal mit seiner Intel-Theorie Recht behalten, könnte es nun gar noch einen geben. Alte Windows-Smartphones wären dann nicht mehr kompatibel.

Die Hoffnung schwindet, dass doch noch alles gut wird

Welche Nutzer und welche Entwickler wollen sich das noch antun? Seit Jahren herrscht bei Windows Phone gefühlt die Devise, dass mit der nächsten Version schon alles besser werde. Dass dann endlich die Apps kämen, dass man dann endlich einen Entwicklungsvorsprung gegenüber iOS und Android haben werde und dann auch endlich die Nutzerzahlen nach oben schnellten. Es nervt. Als Nutzer glaubt man diese Versprechen langsam nicht mehr und auch die Verkaufszahlen sprechen eine andere Sprache. Der große Durchbruch wird mit ständigen Neustarts nicht mehr kommen.

Windows 10 Mobile ist die allerletzte Chance, die Microsoft noch hat, um die Nutzer noch für die mobile Plattform zu gewinnen. Wenn es jetzt nicht gelingt, dann stimme ich in den Kanon der Abgesänge mit ein. Widerwillig zwar, aber als ehemaliger Nutzer auch mit einer gehörigen Portion Frust. Dann war es das wohl.

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