Kommentar: Googles Agenten übernehmen die Welt

Googles KI Gemini wandert in alle Lebensbereiche. Der Trend geht hier weg von Prompts, hin zu Agenten. Das ist faszinierend – und auch ein wenig beängstigend.

Kommentar: Googles Agenten übernehmen die Welt
Googles KI-Agenten, so wie wir sie uns vorstellen. Erstellt mit Ideogram, weil Google Gemini für eine Bilderstellung gerade nicht verfügbar war.

Nicht sonderlich überraschend, dass es auf Googles aktueller Entwicklerkonferenz Google I/O 2026 vor allem um KI geht. Und das meint natürlich Googles KI-Assistenten Gemini, der in alle Lebensbereiche wandert. Ein paar Beispiele:

  • Google Suche: Die KI-Suche soll künftig nicht nur Text ausliefern, sondern auch Bilder, Tabellen, Simulationen oder direkte Buchungsmöglichkeiten.
  • Suchagenten suchen proaktiv für dich im Hintergrund und liefern Ergebnisse aus, wenn sie etwas für dich Passendes finden, zum Beispiel, wenn du gerade nach einer Wohnung suchst.
  • Einmal geführte Suchen kannst du wie beim Klick auf eine App anpinnen und später weiterführen.
  • Personal Intelligence bezieht dabei auch Infos aus GMail, Google Fotos und Google Kalender mit ein.
  • Universeller Einkaufswagen soll jede deiner Kaufabsichten im Netz verfolgen und an einem Ort zusammenfassen. Du kannst Dinge in den Einkaufswagen legen, selbst wenn du auf YouTube oder GMail unterwegs bist. Googles Agenten suchen dann im Hintergrund nach Angeboten und „überlegen“ schon einmal, was du als nächstes brauchen könntest.
  • Agentische Funktionen sollen das Einkaufen innerhalb der Suche erleichtern.
  • Gemini-App auf verschiedenen Betriebssystemen erhält agentische Fähigkeiten für proaktive Unterstützung – rund um die Uhr.
  • Daily Brief ist so ein Agent, der dir morgens einen personalisierten Überblick aus allem Wichtigen aus damit verknüpften Apps verschafft und Handlungsempfehlungen liefert.
  • Gemini Spark wird dein persönlicher KI-Agent, der im Hintergrund Aufgaben für dich erledigen kann, selbst bei zugeklapptem Laptop.
  • Gemini-App für macOS soll deinen Desktop organisieren und Aufgaben erledigen.
  • Docs Live wird Google Docs mit Sprachsteuerung, du kannst Infos aus E-Mails, dem Web und Gedanken einfach von der App zu einem Dokument kombinieren lassen.
  • Neue Tools, um auf dem Smartphone selbst Apps zu bauen oder Musik zu erzeugen.
  • Google Pics ist ein runderneuertes KI-Tool zur Bilderstellung, das auf Google Nano Banana basiert. Hier kannst du erzeugte Bilder nicht nur mit Prompts, sondern auch mit Klicks verändern.
  • Gemini Omni heißt Googles neuestes und bisher leistungsfähigstes KI-Modell, das Videos auf Basis von Bild-, Video- oder Textinput erzeugen soll.
  • Gemini auch in allen technischen Geräten, angefangen bei den neuen Googlebooks, Google-Smartwatches, Google-TV-Geräten, natürlich Android-Phones bis hin zu Android Auto und smarten Brillen mit Android XR, die in Zusammenarbeit mit Samsung ab Herbst erscheinen sollen.

Wenn du jetzt einen Begriff in dieser Aufzählung besonders oft gelesen hast, dann ist das der Begriff „Agent“. Das heißt, die KI übernimmt für dich nicht nur einzelne Aufgaben, sie erledigt gleich ganze Aufgabenkomplexe, überlegt, was dann als nächstes für dich wichtig sein könnte und bereitet auch hier schon einmal die notwendigen Aufgaben vor. Du musst sie natürlich noch freigeben, aber just dann sollen Googles Agenten die Arbeit für dich erledigen.

Das klingt richtig spannend, hilfreich – und ein klein wenig beängstigend. Gar nicht mal wegen der technischen Möglichkeiten, sondern weil Googles Agenten dich dazu komplett durchleuchten müssen. Deinen Mailverkehr, deinen Kalender, deinen Suchverlauf, deine Fotosammlung, deine Einkäufe. Je besser werden diese Agenten, je mehr Apps du freigibst. Also dann auch Chat-Apps, Tagebuch-Apps oder was immer du erlaubst.

Diese Daten bleiben in aller Regel nicht lokal auf deinem Rechner, sondern werden von Google in Kalifornien in einem Rechenzentrum verarbeitet. Was genau mit diesen Daten geschieht, wer darin Einsicht hat – zu diesem Zeitpunkt unklar. Sicher ist aber: Google kann, muss und wird natürlich Profile von dir erstellen.

Also ist es wie so oft: Die technischen Möglichkeiten sind hochinteressant, aber es kommt mit einem Geschmäckle. Und es dürfte Jahre dauern, bis der Datenschutz nachzieht. Wähle also trotz aller Begeisterung für die Technik weise, was du zu diesem Zeitpunkt freigibst und einsetzt!

Ohnehin stehen die meisten dieser Möglichkeiten zunächst einmal nur US-Nutzern zur Verfügung. Das neue Sprachmodell Omni Flash 3.5, die neue Google-Suche und die neue Gemini für macOS-App sind aber einige der Dienste, die du heute oder in den nächsten Tagen auch in Deutschland schon benutzen kannst.

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