Kommentar: Die CES bleibt eine Spielwiese und das ist gut so

Umstrittene Spielereien zeigt die diesjährige CES in Las Vegas wieder zuhauf. Und doch glaubt man eine Trendwende zu erkennen: Die Technik soll zunehmend wieder dem Menschen dienen, nicht nur die Ergebnisse der Hersteller schönen. Ganz ohne Spielerei funktioniert das allerdings nicht.

Es gibt ihn wieder einmal zu sehen, den internetfähigen Kühlschrank. Samsung macht ihn Jahr für Jahr wahr, den Traum von der vernetzen Speisekammer, diesmal mit dem Family Hub Refrigerator. Liest man solche Produktmeldungen, dann muss man für gewöhnlich nicht länger fragen und weiß: Es ist wieder Anfang Januar, es ist wieder die Zeit der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas.

Darf auf einer CES nicht fehlen: der Internet-Kühlschrank, wie hier von Samsung

Darf auf einer CES nicht fehlen: der Internet-Kühlschrank, wie hier von Samsung

Die Technikmesse mit der höchsten Dichte an Schnickschnack hatte diesmal unter anderem einen fahrbaren R2D2-Kühlschrank mit eingebautem Projektor aufgeboten, Laserbänder und Rotlichthelme für neuen Haarwuchs, Fitnesstracker für Haustiere, den vernetzten Schuh, der sich per App zuschnüren lässt. Wird man wohl alles nicht zwingend brauchen.

Doch auf den zweiten Blick meint man trotz allem einen Umschwung festgestellt zu haben: Der Trend scheint zumindest weg zu gehen von Dingen, die nur den Hersteller reicher machen sollen. Hin zu dem, was das Leben wirklich schöner macht.

In Zukunft geht es wieder mehr um den Nutzer, nicht den Hersteller

Dazu gehört ein 800 US-Dollar teurer Laserhelm für vermeintlich neuen Haarwuchs nur bedingt. Das trifft aber auf ein Gadget wie den Parrot Pot durchaus zu. Dieser vernetzte Blumentopf verfügt nicht nur über die notwendigen Sensoren, um zu messen, ob eine Pflanze Wasser, Dünger oder mehr Sonnenlicht braucht – er hält auch die notwendige Menge an Wasser vor, um die Pflanze bei Bedarf zu gießen. Der perfekte Housesitter für eure Pflanzen also, wenn ihr selbst mal zwei oder mehr Wochen in Urlaub fahrt. Vorgestellt hatte Parrot den schlauen Blumentopf bereits vor einem Jahr – nun scheint er endlich marktreif zu sein.

Braucht man nicht, hat aber durchaus einen Nutzen: Trinkbecher Ember hält euren Kaffee konstant auf eurer Wunschtemperatur.

Braucht man nicht, hat aber durchaus einen Nutzen: Trinkbecher Ember hält euren Kaffee konstant auf eurer Wunschtemperatur.

Und schaut man genauer hin, scheinen einige neue Erfindungen der CES durchaus nicht unsinnig. Ein smarter Trinkbecher wie Vessyl etwa wollte vor einem Jahr noch der Aufpasser dafür sein, dass ihr genug Wasser trinkt. Der smarte Trinkbecher im Jahr 2016 heißt Ember, traut uns so viel Verantwortung auch alleine zu, kühlt den Kaffee oder Tee auf eine Wunschtemperatur und hält dann diese Temperatur über Stunden. Auch nicht wirklich notwendig – aber eindeutig eher für Genießer gedacht.

Notebooks: Noch dünner, leichter, leistungsfähiger

Und auch die PC-Hersteller erwachen langsam aus ihrer Lethargie. Konnten sie dem Tablet-Trend lange nichts abgewinnen und nur halbherzig in Form schlecht umgesetzter 2-in-1-Geräte darauf reagieren, sind sie mittlerweile aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Neue 2-in-1-Geräte sind nicht nur ultraschlank und teils modular aufgebaut wie das Lenovo ThinkPad X1. Sie lassen sich dank immer clevererer Scharniere auch eleganter vom Notebook zum Tablet verwandeln oder umgekehrt, und sie sind noch eine ganze Ecke leichter und schlanker geworden. Mein Kollege Jan Tißler hat diesen Trend in einem Video für euch zusammengefasst:

Hersteller Parrot hat seine beliebten Drohnen noch eine Ecke weiter gedacht. Die leistungsfähige Parrot Disco hat in der Luft die Form eines Greifvogels und beginnt von selbst zu fliegen, wenn man sie hochwirft. Dass wieder mehr elegante Technik für Menschen hergestellt werden soll, zeigen auch zwei neue Vinyl-Plattenspieler von Sony und der Kultmarke Technics. Kollege Sven Wernicke kann denn auch dem vernetzten Samsung-Kühlschrank etwas abgewinnen. Angeschlossen ans Heimnetzwerk und ausgerüstet mit einer Multimedia-Konsole für die Küchen-Unterhaltung und -Planung klingt die Idee gar nicht mehr so spinnert, wie noch vor ein paar Jahren.

Mehr Technik für Genießer wie der Technics Vinly-Plattenspieler SL-1200 GAE. Bild:  obs/Panasonic Deutschland/Technics

Mehr Technik für Genießer wie der Technics Vinly-Plattenspieler SL-1200 GAE. Bild: obs/Panasonic Deutschland/Technics

Sich als Hersteller selbst zurückzunehmen und den Kunden etwas zu bieten, das sie wirklich wollen und brauchen: Das dürfte das neue Credo der kommenden Jahre sein. Und keine leichte Aufgabe in einer Welt, in der der moderne Vebraucher schon praktisch alles zu haben scheint. Aber es ist möglich und wünschenswert.

Übertreiben müssen es die Hersteller mit dem tierischen Ernst freilich nicht. Denn ohne Träumerei und etwas Spielerei hätten wir viele Produkte nicht, die heute selbstverständlich sind. Tüfteln und Fantasieren wie von vielen Ausstellern der CES sollte weiterhin erlaubt sein. Man muss ja nicht alles kaufen.

Bilder: Hersteller

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