Kommentar: Apple Pay, der heimliche Star des gestrigen Abends

Wer sich in den vergangenen Jahren eins der besseren Smartphones von HTC oder Nokia gekauft hat, der hat gestern bei Apples Keynote wohl erst müde gelächelt. Ultrapixel in der neuen iPhone-Kamera? Gibt es seit dem Frühjahr 2013 im HTC One. Einen optischen Bildstabilisator? Hatte schon das Nokia Lumia 920, das bald zwei Jahre alt wird. Und die Smartwatch Apple Watch? Keine Neuerfindung des Rads. Die wird sich gegen die auch nicht hässliche Android-Wear-Konkurrenz von LG und Motorola erst einmal behaupten müssen. Doch oft sind es Kleinigkeiten, die Apples Produkte interessant machen. Und eine davon könnte iPhone 6 und Apple Watch zum Verkaufsschlager machen.

Und das ist Apple Pay. Das Thema Mobile Payment ist nicht erst vier Jahre alt. Doch die Technik NFC weckt seit einigen Jahren neue Hoffnungen und brachte ebenso viele Ansätze hervor. Seitdem kocht jeder sein eigenes Süppchen. Die Telekom hat einen eigenen mobilen Bezahldienst, die Kreditkartenfirmen und PayPal experimentieren an „der einen Lösung“ genauso wie Banken, Sparkassen oder die Deutsche Post. Gefühlt jedes zweite Startup kam mit einer eigenen revolutionären Ankündigung auf den Markt, von der man ein halbes Jahr später nicht mehr viel hörte.

ApplePay

Und nun könnte Apple wieder einmal den Königsweg gefunden haben. Das Gute an Apple Pay: Die Infrastruktur besteht meist schon. Die neuen iPhones 6 und 6 Plus sprechen jetzt auch NFC – was die Android-Konkurrenz schon lange kann, aber noch nicht so richtig zu nutzen wusste. Die Kreditkatenfirmen sind jetzt ebenso mit an Bord wie andere Mobile-Payment-Lösungen und die ersten Supermarktketten oder Restaurants, zumindest in den USA.

Es steht und fällt jedoch alles mit der Nutzerfreundlichkeit. Der Fingerabdrucksensor, der nach dem iPhone 5S jetzt auch im iPhone 6 zum Einsatz kommt, mag zu Recht umstritten sein. In diesem Falle bietet er die notwendige Sicherheit und gleichzeitig die Möglichkeit, eine Rechnung mit nur einem Klick zu bezahlen. Und die überzeugt, weil sie einfacher und schneller ist als das Zücken von Kredit- oder Maestro-Karte. Auch mit der Apple Watch und einem via Bluetooth verbundenen iPhone ist Apple Pay möglich.

Die Kollegen von The Verge haben das direkt nach der Vorstellung einmal ausprobiert und halten ihre Eindrücke in diesem kurzen Video fest:

Und ganz ehrlich: Wenn das so leicht funktioniert, wie in dem Video gezeigt, dann ist es mir egal, dass Apple eine optische Bildstabilisierung, Ultrapixel und Barometer erst jetzt ins iPhone einbaut. Dann hat man die Kunden trotzdem auf die eigene Seite gezogen.

Und dann lassen sich auch die 699 Euro verschmerzen, die ein neues iPhone 6 mindestens kosten soll. Kein Pappenstiel, aber sicher etwas, was Millionen Käufer im nahenden Weihnachtsgeschäft verschmerzen werden. Es sind diese Killeranwendungen, die Apple im Geschäft halten, das iPhone wohl auch weiterhin zum meist verkauften Smartphone machen dürften – und vielleicht auch der Apple Watch im kommenden Frühjahr zu einem erfolgreichen Start verhelfen.

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