Neulich im Copyshop, in den ich regelmäßig gehen muss, weil meine Entscheidung für ein papierloses Büro viel zu früh kam. Ich hatte ein Dokument auf dem Handy, das ich ausdrucken wollte, aber keinen USB-Stick dabei. „Kein Problem“, sagte der Besitzer. „Schick mir das doch gerade per E-Mail“. „Hm, anders geht das nicht?“, fragte ich zurück. Ist ja auch datenschutzrechtlich mehr als grenzwertig, wenn jeder meine E-Mail-Adresse und ein Dokument mit meinen persönlichen Daten hätte, das er theoretisch um die halbe Welt schicken könnte.
Dabei könnte es so einfach sein: Das Dokument direkt vom Smartphone kabellos nur an den Rechner schicken, der das Dokument ausdruckt, und danach wieder löschen. Technisch längst möglich mit Lösungen wie WiFi Direct, AirDrop oder QuickShare. Aber in der Praxis eben nicht plattformübergreifend umgesetzt.
Das liegt keinesfalls daran, dass das technisch nicht möglich wäre. Technologien wie WiFi Direct sind fast so alt wie WiFi selbst. Um zwei unbekannte Geräte bekannt zu machen oder Daten anonymisiert strukturiert zu erfassen, kommt auch lange schon Bluetooth zum Einsatz. Die Beacon-Technik, Ultrabreitband. Alles vorhanden und von jedem Hersteller quasi selbst neu erfunden.
Denn genau da liegt das Problem. AirDrop ist der Apple-Welt vorbehalten, QuickShare der Android-Welt. Es gibt erste zaghafte Versuche der Hersteller auf die Systeme der anderen zuzugehen. Samsung und Google etwa unterstützen in den neuesten Versionen ihrer Tophandys künftig auch Apples AirDrop.
Für die einfacheren Smartphones der beiden Hersteller gilt das aber nicht, für andere Vertreter der Android-Fraktion auch nicht. Und umgekehrt: sowieso nicht. Apple hat bislang wenig Interesse daran gezeigt, seinerseits QuickShare zu unterstützen. Und dann gäbe es noch andere Systeme wie Milliarden von Windows-Rechnern oder Linux, die bei einem gemeinsamen Datenaustausch-Protokoll noch fehlen.
Und darum ginge es: Schnell mal mit Freunden Fotos auszutauschen, ein Dokument vom iPhone an den Windows-Rechner einer Freundin übermitteln. Links teilen ohne einen Messenger benutzen zu müssen. „Was du da liest, sieht interessant aus.“ „Warte, ich schick’s dir kurz rüber!“
Der hier im Trendblog vor einiger Zeit vorgestellte Dienst LocalSend bietet genau so etwas, aber um ihn zu benutzen, brauchen wir die App des Anbieters auf jedem Endgerät und müssen sie für die Übertragung benutzen. Was wir wirklich brauchen, ist etwas tief in alle Systeme Integriertes, was jedem mit nur einem Fingertipp zur Verfügung steht. Ein Art AirDrop für alle, nur dass es nicht das Apple-eigene und oft anfällige AirDrop ist.
Nenn es QuickShare, nenn es AirDrop, nenn es Send. Aber ein kabelloser Dateiaustausch per Fingertipp ist überfällig. Er muss kommen!
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Ja, das ganze ist längst überfällig