Kelsen: Semantische Suchmaschine dient als Rechtsberater

Wie ist das eigentlich, fragt man sich oft im Alltag: Wer kommt für Verschönerungsrenovierungen auf, der Vermieter oder ich? Wer haftet, wenn ich in den Wagen eines Freundes eine Beule fahre, wann muss Unterhalt gezahlt werden und wann nicht? Und: Muss ich mir das eigentlich alles gefallen lassen?

In Zweifelsfragen muss für gewöhnlich ein Anwalt konsultiert werden. Aber das kostet meist ein üppiges Honorar. Ein neues Webangebot will den Nutzern diesen Gang zum Anwalt nun ersparen. Kelsen ist eine semantische Suchmaschine für Rechtsfragen.

Suche in einschlägigen Foren

Auf Kelsen gibt man einfach die gewünschte Frage ein, und die Datenbank liefert eine oder mehrere verwandte Antworten. Dazu bedient sich Kelsen bereits verfügbarer Rechtstexte im Netz und durchsucht dafür die einschlägigen Datenbanken. Vergleichbar ist das grob mit dem semantischen Wörterbuch Linguee, das Redewendungen mithilfe mehrsprachiger Webseiten übersetzt.

Bei uns im Test fiel auf, dass Kelsen sich dabei unter anderem Wort für Wort an vorhandenen Texten aus Webforen bedient. Hier dürfte für den Anbieter selbst noch zu klären sein, in wie weit das mit den Urhebern Konform geht. Zumindest wird auf die Originalseite verlinkt. Die Ergebnisse sind themenverwandt, Kelsen im Beta-Stadium findet allerdings nicht immer genau das, wonach man gesucht hat. Die Suche zu einem Thema ist dennoch hilfreich, um nach passenden Seiten zur Weiterrecherche zu forsten.

Kelsen1

Die Idee dafür hatte Sergio A. Aragón, selbst Anwalt und später im Bereich Big Data tätig. Weil er täglich viel Zeit damit verbrachte, bei Rechtsfragen in Datenbanken nach Antworten zu suchen, überlegte er sich, ob nicht auch für Normalsterbliche der Bedarf und die mögliche Lösung für Rechtsfragen ohne Anruf beim Anwalt interessant wären. So entstand die Idee hinter Kelsen.

Könnte die Notwendigkeit von Anwälten eher noch erhöhen

Laut Kelsens Marketingchefin und Mitgründerin Veronica Pratzka umfasst die derzeitige Kelsen Beta mehr als 500.000 Rechtsfälle und bietet Antworten mit einer Genauigkeit von 30 Prozent. Das soll in den kommenden Monaten noch deutlich verbessert werden. Gefördert wird Kelsen unter anderem von Microsoft Ventures und IBM.

Müssen Anwälte nun um ihren Job bangen? Nach dem Test scheint mir eher: Das Gegenteil ist der Fall. Kelsen ersetzt den Gang zum Anwalt ebenso wenig wie ein Netzdoktor den Gang zum Arzt. Aber das Netz dient dem Otto-Normal-Verbraucher in beiden Fällen als erste Anlaufstelle, damit er sich einen Überblick verschaffen und sich vorinformieren kann. Und vielleicht sucht der eine oder andere gerade deswegen jetzt sein gutes Recht mit Hilfe eines Anwalts, der vorher gar nicht wusste, dass das möglich ist.

Von daher gefällt mir Kelsen im ersten Schritt und ich bin gespannt, was mit höherem Datenbestand und genauerer semantischen Suche aus dem Projekt noch wird!

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