Keine Lust auf Google oder Apple auf dem Smartphone? Schaut euch Cyanogen an!

Keine Lust auf Google oder Apple auf dem Smartphone? Schaut euch Cyanogen an!

Gibt es eigentlich noch eine Alternative zu Android und iOS? Zusammen kommen beide auf einen Marktanteil von fast 100 Prozent. Windows 10 Mobile und Blackberry 10 verschwinden langsam in die Bedeutungslosigkeit, wo Firefox OS, Sailfish OS, Ubuntu Phone, Tizen und webOS schon längst sind. Ich glaube an ein drittes mobiles Betriebssystem: Cyanogen OS. (Update: Der Open-Source-Zweig hat sich mittlerweile in Lineage OS umbenannt.)

Cyanogen OS beruht auf dem Open-Source-Android (AOSP) – genauso wie Googles Android-Version. Ein Unterschied ist, dass Cyanogen OS dem Nutzer mehr Freiheiten lässt – zum Beispiel um das Aussehen der Oberfläche zu ändern, aber auch die Sicherheitseinstellungen. Für jede App könnt ihr die Zugriffsrechte einzeln festlegen. Zudem erhalten die Geräte regelmäßige Updates, Googles Android-Variante wird dagegen von den Handy-Produzenten oft angepasst, weshalb diese Änderungen auch bei einem Update wieder angepasst werden müssen – was manchmal ziemlich lange dauert. Ihr kennt das Warten.

Am liebsten ohne Google

Cyanogen OS will langfristig ohne Google Play Store und Google Play Dienste auskommen, denn die damit verbundenen Lizenzen schränken das Betriebssystem in den Freiheiten ein, mit denen sie punkten wollen. Während in China die Geräte in der Regel schon Google-frei ausgeliefert werden, finden sich auf den Cyanogen-Smartphones hierzulande jedoch fast immer noch die üblichen Google-Apps vorinstalliert. Den Play Store möchte schließlich kaum jemand missen, da darüber am einfachsten Android-Apps zu installieren sind. Alternative App-Stores können ihn noch nicht ersetzen, da sich nur selten kostenpflichtige Apps dort finden. Zudem verlangen einige populäre Apps auch ausdrücklich die Installation der Google Play Dienste.

Im Rahmen des Mobile World Congress wurde nun angekündigt, dass einzelne Apps sich unter Cyanogen 13, das auf Android 6.0 basiert, tiefer ins Betriebssystem integrieren können. Bei diesem MOD genannten Konzept, muss Skype nicht mehr als App aufgerufen werden, um darüber telefonieren zu können. In der Dialer-App lässt sich wählen, ob ein Telefonat über den VoIP-Dienst oder per Mobilfunk geführt werden soll. Am meisten würde aber ein persönlicher Assistent wie Microsoft Cortana vom Aufbohren des Systems profitieren. Eine stärkere Integration ermöglicht es nämlich auch, tiefer im System die Daten zu sammeln, die letztlich zu besseren Empfehlungen führen.

Gerade in Deutschland, wo großen Wert auf Datensicherheit und Privatsphäre gelegt wird, könnte Cyanogen OS mit dieser Distanz zu Google punkten. Andere könnte immerhin überzeugen, dass sie ihre Oberfläche besser anpassen können, als dies mit dem klassischen Android möglich ist. Es gibt allerdings nur sehr wenige, die sich das Betriebssystem in der freien Variante CyanogenMod (Update: jetzt Lineage OS) selbst auf das Smartphone spielen möchten. Die meisten Kunden möchten lieber ein Gerät, wo alles schon drauf ist.

Wileyfox bringt die Cyanogen-Smartphones Swift und Storm nach Deutschland (Bild: Wileyfox)
Wileyfox bringt die Cyanogen-Smartphones Swift und Storm nach Deutschland (Bild: Wileyfox)

Welche Geräte gibt es schon mit Cyanogen OS?

Die meisten Smartphones mit vorinstalliertem Cyanogen OS kamen bisher aus China – das OnePlus One zum Beispiel, das hierzulande viel Aufmerksamkeit erhalten hat. Mit Wileyfox hat gerade ein europäischer Anbieter angekündigt, zwei Smartphones mit Cyanogen OS nun auch in Deutschland offiziell zu verkaufen. Der Vorteil für den Kunden gegenüber der Importware: ein deutschsprachiger Support und das hiesige Gewährleistungsrecht.

Beim Wileyfox Swift handelt es sich um ein Einsteigergerät im 5,0-Zoll-Format, beim Wileyfox Storm um ein Smartphone der Mittelklasse mit 5,5 Zoll großem Bildschirm. Die verbauten Komponenten sind nicht überragend, sondern handelsübliche Ware, was jedoch den Preis ziemlich nach unten drückt. Das Unternehmen verlangt 179 Euro bzw. 249 Euro. Doch die Zusammenstellung ist stimmig, was sich daran ablesen lässt, dass Cyanogen OS flüssig läuft: LTE Cat 4 erlaubt Downloads mit bis zu 150 Mbit/s, NFC-Chip und Fingerabdrucksensor wurden dagegen weggelassen.

Das BQ Aquaris X5 Plus wird es später hoffentlich auch mit Cyanogen OS geben (Bild: BQ)
Das BQ Aquaris X5 Plus wird es später hoffentlich auch mit Cyanogen OS geben (Bild: BQ)

Vorstoß in die obere Mittelklasse

Das spanische Unternehmen BQ bietet schon länger Smartphones mit Cyanogen OS an. Zum MWC wurde jetzt auch angekündigt, die neuen MOD-Funktionen von Cyanogen zuerst auf das BQ Aquaris X5 zu bringen. Dessen Nachfolger BQ Aquaris X5 Plus wurde ebenfalls vorgestellt – wenn auch vorerst nur mit Google Android. Es ist aber damit zu rechnen, dass es dieses Gerät (5 Zoll, Full-HD, Snapdragon 652, Adreno 510, 3 GB RAM, 64 GB Speicher, NFC) später auch mit Cyanogen OS geben wird.

Das ist zwar noch lange keine Oberklasse. Für viele, die nicht mit iOS oder Android zufrieden sind, könnte es aber schon das Smartphone sein, nach dem sie suchen.

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