Jollas erstes Telefon mit Sailfish OS: Eine brauchbare Alternative für Android-Nutzer?

Jollas erstes Telefon mit Sailfish OS: Eine brauchbare Alternative für Android-Nutzer?

Was tut sich eigentlich abseits von iPhone und Android? Nichts, was den Durchschnittsbürger interessieren müsste, könnte man meinen. Doch der Aufstieg des so andersartigen Windows Phone in diesem Jahr, die wachsende Kritik an Google wegen einer Abschottung der eigenen Android-Version und des Datenhungers lassen vermuten, dass sich ein Blick über den Tellerrand hin und wieder lohnt.

Und neu im Bunde ist da das erste Jolla-Phone mit dem eigenen Sailfish OS. Vorbestellen konnte man es schon längere Zeit, nun ist es fertig und soll erst einmal nur in Finnland auf den Markt kommen. Die Frage ist: Haben Google und Apple etwas zu befürchten? Die klare Antwort: nein, aber sie sollten sich das mal anschauen.

Denn das erste Jolla-Phone braucht sich vor den Geräten anderer Hersteller nicht zu verstecken. Sailfish OS ist gestenbassiert. Man weckt es etwa aus dem Standby-Betrieb, indem man zweimal kurz auf den Bildschirm klopft. Anwendungen lassen sich mit Wischbewegungen öffnen und schließen. Die Ansicht geöffneter Apps erlaubt es, die Anwendungen auch aus einer Art Vorschau heraus zu bedienen, etwa die Musik anzuhalten und zu schließen. Direkt beim Entsperren des Geräts kann man aus einem Menü auswählen, zu welcher App das System springen soll. Und, nicht uninteressant: Sailfish OS soll die neuesten Android-Apps ausführen können. Ob diese dann auch nativ auf dem Gerät laufen und auf Systemfunktionen wie das Adressbuch oder die Kamera Zugriff haben, verriet Jolla noch nicht. Auch auf Blackberry 10 kann man Android-Apps laden und ausführen, sie laufen dort aber abgeschottet in einer Art Seifenblase.

Mit Android-Apps aber ohne Google

Das Jolla-Smartphone kostet in Finnland ohne Vertrag knapp 400 Euro und liegt im soliden Durchschnitt aktueller Geräte. So verfügt es über einen Dualcore-Prozessor mit 1,4 GHz, 1 GB RAM, 16 GB Speicher, zwei Kameras mit 8 Megapixeln hinten und 2 Megapixeln vorne, sowie Bluetooth 4.0, LTE und einen Akku mit 2.100 mAh. Das ist nicht die allerbeste Ausstattung, die heute in einem 4,5-Zoll-Smartphone möglich ist, aber das ist durchaus ordentlich. Noch ist allerdings leider nicht klar, ob das Gerät auch in Deutschland auf den Markt kommen wird. Im Video allerdings sieht das schon sehr vielversprechend aus:

Warum uns das alles überhaupt interessieren sollte? Mittlerweile sind 80 Prozent aller neu verkauften Smartphones Android-Telefone. Google kontrolliert das System aber immer stärker, koppelt eine Nutzung an seine eigene Dienste und protokolliert die Aktivitäten der Nutzer. Jolla wäre so gesehen ein freieres Betriebssystem ähnlich wie Firefox OS. Nutzer hätten bei Sailfish OS die Chance, sich wieder etwas freier zu bewegen und trotzdem nicht auf ihre Lieblings-Android-Apps zu verzichten. Ob das System damit den gleichen Komfort bietet, müssen Tests allerdings erst noch zeigen.

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