Ah! Fußnoten! Ohne sie könnte die Welt so schön sein. Was den Siegeszug dialogfähiger KI-Chatbots und -Agenten auf Smartphones, PCs und Sprachlautsprechern angeht, haben wir uns ans Warten gewöhnt. Und so erstaunt es uns auch eigentlich nicht, dass Apples völlig generalüberholte KI namens Siri AI ab Herbst zwar auf gleich mehrere Apple-Systeme kommen soll. Aber, erste Fußnote: zunächst nur auf Englisch, erst später auf anderen Sprachen. Und, zweite Fußnote: für iOS und iPadOS vorerst nicht in China und in der EU.
Das erinnert uns doch an was? Ja, genau. Das bereits vor zwei Jahren angekündigte und dann erstmal reduzierte Apple Intelligence kam für die EU am Ende rund ein halbes Jahr später – nachdem Apple und die Kommission sich über Kartell- und Datenschutzfragen in die Haare bekamen.
Dabei sind die Neuerungen mindestens als „interessant“ zu bezeichnen. Apple spricht zwar nicht von einer neuen Siri-Generation, benennt das neue System aber Siri AI (statt vorher einfach Siri), spendiert ihm eine eigene App, macht es zum allwissenden Chatbot, der per Text oder Sprache Informationen aus einer Vielzahl von Apps verknüpfen und ausgeben soll. Per natürlicher Sprache – die wirklich gut klingt und sich nach Ton, Stimme und Geschwindigkeit anpassen lässt – und gleich auf allen bedeutenden Systemen ankommt: macOS 27, iOS 27, iPadOS 27, watchOS 27, visionOS 27 und auch Apple CarPlay.
Hauptsache, es wird gut – muss es dann aber auch werden
Wenn da eben diese Fußnoten nicht wären. Beta-Tests für die Entwickler der WWDC 2026 laufen bereits, außerhalb der EU und China soll Siri AI denn auch ab Herbst verfügbar sein, wenn die neuen Systeme starten und, Fußnote: die Systemsprache auf Englisch eingestellt ist. Apple wird es vermutlich als Schuld der regulationswütenden EU-Kommission hinstellen, dass es in der EU mal wieder länger dauert. Eine Ausrede, die eigentlich nicht zählt, denn Google bekommt das mit den systemübergreifenden Gemini-Agenten für das kommende Android 17 auch in der EU hin.
Könnten wir uns jetzt drüber aufregen. Aber warum eigentlich? Was dialogfähige, schlaue KI auf unseren Endgeräten angeht, haben wir uns ans Warten gewöhnt. Die Revolution startete bekanntlich Ende 2022 mit dem öffentlichen Start von ChatGPT. Zwar war gerade die Google-Konkurrenz sehr stark darin, mit zunächst Bart, später Gemini nachzuziehen. Aber all dies als vorerst alleinstehende Apps ohne Zugang zu anderen oder gar den eigenen Ökosystemen.
Erst letzte Woche kam Gemini for Home auf meinem Smart Speaker Google Nest Audio an. Amazon verlangt weiterhin den Kauf neuer Hardware, damit der verbesserte Chatbot Alexa+ funktioniert. Dass Apple das neue Siri immer weiter verschieben musste und muss, fiel da zwar nicht gerade positiv auf, aber es ist zu verschmerzen, angesichts dieses Schneckenrennens. Auf Apple Intelligence haben wir in der EU am Ende rund ein halbes Jahr länger gewartet als der Rest der Welt. Dass das nun bei Siri AI voraussichtlich wieder so passieren wird, darauf kommt es jetzt eigentlich auch nicht mehr an.
Ohnehin greift Siri AI auf Google Gemini zurück. Apple verspricht aber einen großen Fokus auf das Thema Privatsphäre, und dass viele Anwendungen von Siri AI dank Apple Intelligence auf Apple-Silicon-Chips lokal ausgeführt werden können.
Und was kann Siri AI?
Laut Apple ist Siri AI ein dialogorientierter Assistent, und er liefert oder beherrscht:
- Verständnis für Inhalte auf dem Display, Nutzer:innen können Fragen zu einzelnen Bereichen stellen, etwa, wenn ein bestimmter Gegenstand im Display auftaucht (Siri mit Visueller Intelligenz)
- Persönlichen Kontext und Allgemeinwissen
- Heraussuchen und Verknüpfen von Informationen aus E-Mails, Fotos, persönlichen Nachrichten oder dem Internet
- Konversationen innerhalb der App auch über mehrere Apple-Geräte hinweg
- Bessere Text- und Bildtools, etwa für das verbesserte Image Playground
- Assistenzfähigkeit, um etwa in Apple Karten Routen zwischen zuvor markierten Zielen anzulegen
- Diktierfunktion
- Vorschläge und Tipps, um Sätze zu vervollständigen und Texte zu verbessern
Und auch Apple Intelligence wird noch einmal deutlich aufgebohrt. Die Funktion erhält verbesserte Foto-Tools in Image Playground oder Fotos. Darunter ist etwa die Möglichkeit, die Perspektive von Bildern nachträglich noch zu verändern .

Das klingt alles gut und überfällig, aber tatsächlich auch ein Schritt hinter Google und den jüngst angekündigten KI-Agenten, die im Hintergrund für uns arbeiten sollen. Aber sei’s drum: Hauptsache es kommt dann auch mal. Das wäre immerhin ein wichtiger Schritt.
Ach so, und zum Abschluss noch eine Fußnote: Die Funktionen, die auf Apple Intelligence basieren, verlangen ein iPhone 15 Pro (Max), iPhone 16 oder neuer, einen Mac oder iPad mit mindestens M1-Chip (oder A17 Pro = Mac mini) oder Apple Watch Series 10/ Watch Ultra 2 oder neuer. Siri AI soll aber für eine Vielzahl weiterer Geräte funktionieren.
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Es stört mich, wenn im Text einfach so ausgeführt wird, dass „Apple und die Kommission sich über Kartell- und Datenschutzfragen in die Haare bekamen“. Das klingt so nach Kinderkram, nach völlig unwichtigem Zeugs. Dabei geht es um grundlegende Fragen des Datenschutzes. Die EU-Kommission fordert von Apple, dass die US-Firma die strengen EU-Regeln zum Datenschutz respektiert, mehr nicht. Solange Apple diesen Respekt nicht garantiert, hat Apple mit seinem Siri AI in Europa nichts zu suchen. Basta.
Nein, unwichtig nicht. Aber schon so, als würde da mit zweierlei Maß gemessen. Der eine will aus geschäftlichen Gründen nicht von der eigenen Linie abweichen, der andere beäugt diesen einen Kandidaten besonders kritisch und drückt bei wieder anderen gleich drei Augen zu. Stringent ist das nicht und es klingt nach kindischem Streit, nicht nach einer klaren Linie.