Im Mai 2018 hat Google sein Motto „Don’t be evil“ – also „Sei nicht böse“ abgeschafft. Spätestens ab diesem Zeitpunkt haben viele begonnen, sich nach Alternativen umzusehen – und sind doch häufig zähneknirschend beim Suchmaschinenriesen geblieben. Zu bequem und verlockend ist Google mit den vielen vernetzten, kostenlosen Diensten.
Heute möchten wir dir eine Alternative vorstellen, die sich mit ihrem Angebot nicht vor Google verstecken muss. Infomaniak hat seiner kSuite aus sicheren Kollaborations-Tools den Untertitel „Die ethische Collaboration-Lösung“ gegeben. Infomaniak bezeichnet sich selbst als „die beste unabhängige Alternative zu den Webgiganten“ und sagt, es fördere „die technologische Unabhängigkeit in Europa ohne Kompromisse in Sachen Umweltschutz, Privatsphäre und Mensch“.
Das Unternehmen hat seinen Firmensitz in Genf, in der Schweiz. Aber zumindest das mit der Privatsphäre ist streitbar – was nicht am Anbieter selbst liegt.
Inhalt:
Was steckt in der kostenlosen my kSuite von Infomaniak?
Die kostenlosen Tools von Infomaniak sind unter dem Namen my kSuite zusammengefasst. Dazu gehören Infomaniak Mail, kMeet, kDrive und Swiss Transfer sowie Infomaniak Calendar, Infomaniak Contacts, Infomania Chk und ein Chatbot namens Euria. Was verbirgt sich hinter diesen Diensten?

Die KI von Infomaniak, Euria, hat sie folgendermaßen in je einem Absatz zusammengefasst: (Dadurch bekommst du gleich einen Eindruck der Fähigkeiten von Euria).
„Infomaniak Mail – Deine kostenlose E-Mail-Adresse mit Schweizer Servern, 5 GB Speicher und moderner Oberfläche. Kein Tracking, keine Werbung – nur deine Mail, wie sie sein soll.“
Euria spricht hier von 5 GB Speicherplatz, mir werden in meiner kostenlosen kSuite aber 20 GB Speicherplatz für E-Mails und 15 GB Speicherplatz für kDrive zugewiesen. Und die genannte, moderne Oberfläche sieht wirklich gut aus. Sie erinnert an andere Webangebote und ist übersichtlich. Ich finde mich schnell zurecht.


E-Mail auf Wunsch auch verschlüsselt
Auf Wunsch kannst du deine E-Mail-Nachricht auch mit einem Klick verschlüsseln, wenn du das Web Interface benutzt. Wenn dein gegenüber keine Infomaniak-Mail hat, erhältst du ein Passwort, dass du zum Beispiel sicher über kPaste teilen kannst. Der Empfänger erhält dann nur eine E-Mail mit dem Betreff und der Nachricht, dass die verschlüsselte E-Mail wartet.



Um deine Infomaniak-Mail mobil zu nutzen, rät das Unternehmen dir, die App für iOS herunterzuladen. Das ist aber nicht unbedingt nötig, du kannst deine Infomaniak-Mail-Adresse auch mit Apple Mail oder einem anderen offenen E-Mail-Client abrufen. Dazu musst du nur unter Einstellungen / Mail einen neuen IMAP-Account hinzufügen. Als Server wählst du mail.infomaniak.com, als Benutzername deine Infomaniak-Mail-Adresse und als Passwort dein Infomaniak-Passwort.
„kDrive – Dein kostenloser Cloud-Speicher mit 5 GB Platz. Sichere deine Dateien, teile sie per Link und arbeite mit anderen zusammen – alles aus der Schweiz.“
Wie oben schon erwähnt, stehen mir in meiner kostenlosen kSuite sogar 15 GB Speicherplatz zur Verfügung. Das ist viel, so viel, wie du aktuell auch kostenlos für Google bekommst, und mehr als Apple in der iCloud (5 GB) kostenlos bietet. Du kannst hier unter anderem deine Bilder und Dokumente hochladen und sie auch mit anderen teilen.

„Calendar – Dein privater Kalender mit Synchronisation über alle Geräte. Erstelle Termine, teile Kalender mit Freunden oder Kollegen – ohne Google, ohne Tracking, nur Schweizer Server.“

„Contacts – Deine sichere Adressverwaltung. Speichere Kontakte, synchronisiere sie über Geräte und teile sie – ohne dass jemand deine Daten ausliest. Privat. Einfach. Kostenlos.“
Kalender und Kontaktverwaltung sind nur im Web verfügbar, nicht als eigenständige App. Das macht diese beiden Anwendungen auf mobilen Geräten nicht besonders nützlich. Andererseits kann so ein Kalender mit Kontaktverwaltung für dich interessant sein, wenn du zum Beispiel geschäftliches von privatem strikt trennen willst. Die Anwendung ist auf jeden Fall vergleichbar mit Google Kalender/Kontakte oder Outlook, also modern und leicht zu nutzen.
Video-Meeting powered by Jitsi
„kMeet – Kostenlose Videokonferenzen für bis zu 50 Teilnehmer. Keine Anmeldung nötig, keine Werbung, nur reine Schweizer Infrastruktur.“
Hinter diesem Dienst steckt schlicht Jitsi, eine freie und quelloffene Videokonferenzsoftware. Hier setzt Infomaniak also auf keine eigene Lösung, sondern lagert die Aufgaben aus.

„kPaste – Teile Texte sicher und verschlüsselt – ohne Account, ohne Registrierung. Perfekt für sensible Infos, die nur kurz geteilt werden sollen.“
In kPaste kannst du Text oder Code eingeben und einen Link generieren. Du kannst bestimmen, ob der Link z.B. nur für einen Tag gelten soll und kannst ein Passwort vergeben, ohne dass der Inhalt nicht angezeigt wird. Der Empfänger kann den Inhalt des Links dann mit einem Klick kopieren und so auf seinem Rechner speichern.

„SwissTransfer – Sende große Dateien (bis 2 GB) kostenlos und sicher. Keine Anmeldung, keine Werbung – nur Schweizer Server und maximale Privatsphäre.“
Swiss Transfer funktioniert ganz ähnlich, ist aber für Dateien oder ganze Ordner gedacht. Auch hier kannst du Ablaufdatum und Kennwort bestimmen. Du kannst den Link entweder direkt an eine E-Mail-Adresse versenden oder ihn auf einem anderen Weg an den Adressaten schicken. In jedem Fall kannst du auch noch eine Nachricht dazu erstellen. Eine schöne Alternative zu WeTransfer, das mittlerweile dem eher undurchsichtigen italienischen Webgiganten Bending Spoons gehört.

„Chk – Dein kostenloser, sicherer Link-Shortener mit Tracking-Option. Kürze URLs, verfolge Klicks (optional) und schütze deine Daten – alles ohne Werbung oder Profiling.“
Interessant: Mit Chk kannst du auch QR-Codes erstellen. Über die Tracking-Option kannst du sehen, wie oft dein Link geöffnet wurde und von welchem ungefähren Standort aus.


Wie so häufig dient die kostenlose my kSuite dazu, dir die umfangreicheren, kostenpflichtigen Dienste schmackhaft zu machen. Mit mehr Funktionen, mehr Speicherplatz und mehr Anwendungen. Mir persönlich reichen aber erst einmal die kostenlosen Dienste. Allein der E-Mail Dienst ist schon einmal ideal, um dich von G-Mail unabhängig zu machen. Und kDrive ist ein prima Ersatz für Google Drive.
In der folgenden Tabelle sind habe ich noch einmal die Vorteile der kostenlosen my kSuite gegenüber den entsprechenden Google Diensten aufgelistet.
| Kriterium | Infomaniak Suite | Google Dienste |
| Hosting | Schweiz (kein US-Recht) | Oft USA / global |
| Werbung & Tracking | Keine | Ja (personalisierte Werbung) |
| Inhaltsanalyse | Nein | Ja (z. B. in Gmail) |
| Datenmonetarisierung | Nein | Ja |
| KI-Training mit Nutzerdaten | Nein | Ja (teilweise) |
| Ökologie | Lokale erneuerbare Energie | Global, teils erneuerbar |
| Rechtssicherheit | Schweizer DSG + DSGVO | US-Recht, CLOUD Act |
Sicheres Datenland Schweiz?
Nicht verschweigen möchte ich, dass auch kSuite mit Sitz in der Schweiz von der geplanten Novelle der Verordnung zur Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (VÜPF) dort bedroht ist. Hier müsste der Service persönliche Daten in Echtzeit protokollieren und den Behörden auch ohne richterlichen Beschuss laufend mitteilen. Dann wäre der schöne Vorteil komplett dahin. Noch kämpfen Infomaniak und das hier kürzlich vorgestellte Proton dagegen.
Fazit
Für E-Mail, Cloud-Speicher und online-Meetings ist Infomaniak eine gute Alternative zu Google. Ganz sicher sind deine Daten dort aber auch nicht, wenn die Schweiz ihre Datenschutzgesetze wie geplant deutlich verschärft.
Was hältst du von den Infomaniak-Diensten? Bleibst du lieber bei Google oder kannst du dir vorstellen, zumindest teilweise zu wechseln? Oder nutzt du vielleicht ganz andere Dienste? Schreib es uns gerne in den Kommentaren.