Google Inbox im Test: Ambitioniertes Mailprogramm mit einer möglichen Killerfunktion

Seit gut einer Woche teste ich Google Inbox, den neuesten Versuch des mittlerweile legendären GMail-Teams, die E-Mail in die heutige Zeit zu befördern. Denn die gute alte elektronische Post ist nach wie vor ebenso wenig verzichtbar wie perfekt. Luft nach oben war da bei bisherigen E-Mail-Programmen durchaus. Doch so sehr ich Inbox mögen will, so sehr scheint es mir trotz einiger Lichtblicke, dass auch das nicht die endgültige Antwort ist.

Inbox setzt auf GMail auf. Allerdings haben Android-Nutzer seit dem Start von GMail 5.0 die Möglichkeit, ein E-Mail-Postfach von Yahoo, Outlook, GMX und Co. in GMail zu integrieren – und damit auch für Inbox zu benutzen. Wie der Name „Inbox“ schon sagt, fokussiert sich der Dienst auf den Posteingang. Inbox soll ihn noch übersichtlicher machen, Mails noch besser gruppieren.

Nicht wirklich übersichtlicher

Für einige Mails gelingt das denn auch: Werbung, Käufe, Finanzen und Benachrichtigungen aus Social-Media-Kanälen werden als solche erkannt, entsprechend markiert und innerhalb der Tageskarte eingeblendet. Auch weitere Labels lassen sich erstellen und von Inbox anwenden. Alle Mails eines Tages werden in einer Karte gruppiert, die Listendarstellung üblicher E-Mail-Programme damit ein wenig aufgebohrt. Eine Vorschau von Anhängen oder Links wird direkt inline angezeigt. Klickt man darauf, hängt es vom Inhalt ab, was damit geschieht: Bilder, PDFs oder Office-Dokumente werden in einer Lightbox über den Content gestellt. Videos und Links werden dafür in einem neuen Tab geöffnet. Mir persönlich hätte es besser gefallen, würden auch Videos und Audios direkt dort abgespielt.

Google_Inbox_Screen1

Und ein weiteres Detail fällt leider gleich ins Auge: Kartendarstellung schön und gut, aber wirklich übersichtlicher als der GMail-Posteingang ist Inbox damit nicht. Zumal mir schmerzlich die Uhrzeit des Maileingangs als Orientierung fehlt. Mails werden mit farbigen Buchstaben gruppiert, aber leichter erkenne ich sie deswegen noch lange nicht. Besonders schwierig wird es, reine Textnachrichten in einem Sammelsurium von inline dargestellten Anhängen wiederzufinden. Hier ertappte ich mich mehrmals dabei, mir die aufgeräumte Thread-Darstellung von GMail zurückzuwünschen. Zumal diese seit einiger Zeit gewöhnliche Mails von Werbung und Social-Media-Benachrichtigungen trennt und dabei aufgeräumter wirkt.

Killerfeature: Mails einfach abhaken und verschwinden lassen

Dafür vielleicht die interessanteste Möglichkeit, die Inbox mitbringt: ein simples Häkchen neben jeder Mail. Klickt man darauf, gilt die Mail als erledigt und verschwindet sofort aus dem Posteingang und dem Gedächtnis. Das Prinzip erinnert an To-Do-Listen wie Wunderlist und erlaubt einen bisher so noch nicht gesehenen Umgang mit Mails, der für viele Nutzer wirklich eine Bereicherung darstellen könnte: Es bleiben nur Mails übrig, die man noch nicht erledigt hat. Das Arbeitsprinzip „Inbox zero“ wird damit wirklich einmal erfüllt. Auf Wunsch lässt sich eine Mail auch in den „Schlummer-Modus“ setzen. Sie wird zwar abgehakt, man wird aber zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder daran erinnert. Hier machte Inbox bei mir als zusätzliche App neben GMail durchaus Sinn. Erste gilt als Ablaufplan, letztere als Übersicht für den Notfall.

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Nicht ganz zu Ende gedacht wirkt dafür die Schlummerfunktion. Hier hätte ich mich gefreut, diese als Option mit meinem Google Kalender synchronisieren zu können. In meinen Augen sehr lieblos integriert ebenfalls: Erinnerungen. Die werden umständlich über das neue „Mail erstellen“-Symbol aufgerufen und an den Fuß der Tageskarte gepappt. Das ginge schöner. Auch die Möglichkeit, selbst Labels anzulegen und jede Mail erst mühsam damit zu belegen, bevor der Dienst das selbst lernt, erfordert vom stressgeplagten Nutzer viel zu viel Eigeninitiative. Dabei war Google in früheren GMail-Versionen schon einmal so weit, Mails automatisch zu sortieren. Ganz so einfach ist es in Inbox nicht.

Fazit

Es war einen Versuch wert, aber der ganz große Wurf scheint Google mit Inbox noch nicht gelungen zu sein. Es fehlt auch dort an Übersicht. Einige der Funktionen, die das Medium E-Mail bereichern sollen, wirken aufgesetzt, nicht integriert. Es fehlt dem System dazu an der versprochenen Intelligenz: Der Nutzer muss zu viel selbst labeln und markieren. Zwar mag es sein, dass Inbox mit der Zeit besser wird. Aber einem Kind erst das Laufen beizubringen, ist eine mühselige Arbeit.

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Gut geeignet ist Inbox dafür, wenn man mal auf die Schnelle einen Anhang oder einen Link sucht. Und das simple Tool zum Abhaken einer Mail könnte noch ein echtes Killerfeature werden. E-Mails wegklicken, so dass sie sofort aus dem Gedächtnis verschwinden – ideal für Menschen, die nach dem Prinzip „Inbox zero“ arbeiten. Alles in allem wirkt Inbox wie ein ambitionierter aber noch nicht vollendeter Versuch. Vielleicht kriegt Google zu einem späteren Zeitpunkt noch die Kurve. Die ersten Ansätze sind auf jeden Fall da.

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