Firefox OS: Was wurde eigentlich aus der Alternative zu Android und iOS?

Ist neben iOS, Android und Windows noch Platz für weitere Betriebssysteme für Smartphones und Tablets? Die vor allem für den Webbrowser Firefox bekannte Mozilla Corporation ist davon nach wie vor überzeugt. Doch was wurde eigentlich aus dem Firefox OS, das in seiner Ursprungsform bereits 2011 angekündigt wurde?

Ein Blick zurück

Am 25. Juli 2011 kündigte die Mozilla Corporation eine neue Plattform an, die basierend auf Internet-Standards wie Javascript, HTML 5 und CSS, aber auch C++ in erster Linie Googles Chrome OS Paroli bieten sollte. Interessant waren die Ansätze: Entwickler sollten in der Lage sein, schnell eigene Apps zu erstellen. Schnell schwangen die Verantwortlichen auf den mobilen Sektor um. Der Wunsch war es 2011 bereits, ein Betriebssystem zu schaffen, das gegenüber iOS, Android und Windows Phone vollständig auf freier Software aufbaut, also von jedem modifiziert werden könnte.

Ein aktueller Homescreen. (Foto: Mozilla)

Ein aktueller Homescreen. (Foto: Mozilla)

Es dauerte wieder viele Monate, bis das später Firefox OS getaufte Betriebssystem auf Smartphones landete. Erst im April 2013 erschienen erste Telefone, das Debüt feierte das OS auf dem spanischen Geeksphone. Es folgten weitere Hersteller, darunter ZTE mit dem Open, Alcatel mit dem One Touch Fire oder LG mit dem Fireweb. Nach Deutschland schaffte es das One Touch Fire durch den Provider Congstar, aktuell ist es bei O2 erhältlich. Von Anfang an war klar: Gerade Entwicklungs- und Schwellenländer hatte die Mozilla Corporation  im Visier.

Der große Erfolg blieb dem Firefox OS bisher verwehrt. Dennoch geht’s mit der Entwicklung weiter, die aktuelle Version 2.2 (Gecko 37) läuft stabil, erinnert mittlerweile optisch sehr an iOS oder Android und ist sehr flexibel geworden. Und: Die Verantwortlichen haben neue Wege gefunden, mit denen man künftig Marktanteile und vor allem an Bedeutung gewinnen möchte.

Viele Pläne

Mit dem 25-US-Dollar-Smartphone wollte Mozilla eigentlich das Firefox OS in Asien, aber auch Südamerika und Afrika etablieren. So recht klappte dieser Ansatz nicht. Und so hieß es schon im März dieses Jahres auf dem Mobile World Congress, dass man bemüht sei, mit preisgünstigen Geräten die Industriestaaten zu erobern. Slider und Klapphandys sowie genauso reguläre Smartphones sollen 2016 mit Unterstützung der Mobilfunkanbieter (unter anderem Verizon Wireless in den USA, Telefónica in Europa) in den Handel kommen. Hier ist keineswegs von Highend-Telefonen die Rede, ganz im Gegenteil. Dafür dürften die Preise für Firefox OS-Devices bei deutlich unter 100 Euro liegen, vorrangig möchte man damit den nach wie vor beliebten Feature Phones Konkurrenz bereiten sowie Anfängern den Einstieg in den Smartphone-Sektor erleichtern.

Totgesagte leben länger. Der Spruch gilt eigentlich gar nicht mal direkt für Firefox OS, eben weil sich die Schöpfer Gedanken machen, Nutzen für Kunden zu finden und Mehrwerte zu schaffen. Wearables, speziell Smartwatches, könnten mit dem energieeffizienten Firefox OS ausgestattet werden. Ein noch größeres Thema sind Smart-TV-Geräte.

Auf dem Fernseher und Sony-Smartphones

Aktuelle HDTV-Geräte von Panasonic setzen auf eine angepasste Variante von Firefox OS, die durch eine eigene Oberfläche für die 4K-Displays der Fernseher ausgelegt wurde. Eine schnelle und intuitive Bedienung soll hier gewährleistet sein, zugleich hat man direkt vom TV-Gerät aus Zugriff auf die vorhandenen Apps aus dem Marktplatz – hier unterscheidet sich das Betriebssystem nicht von den Konkurrenten, abgesehen von der Anzahl der zur Verfügung stehenden Anwendungen. Genau das ist sicherlich auch der Punkt: Für Fernseher benötigt man nicht zahllose Apps, hier ist das schnelle Hangeln durch Menüs elementar, das OS für Anwender nicht weiter relevant. Trotzdem konnte Mozilla offenbar bisher nur Panasonic davon überzeugen, Firefox OS zu verwenden. Ob sich das in Zukunft ändert? Unklar.

Firefox OS auf Panasonic-TV-Geräten. (Foto: Panasonic)

Firefox OS auf Panasonic-TV-Geräten. (Foto: Panasonic)

Und sogar für aktuelle, technisch moderne Smartphones scheint das Firefox OS attraktiv zu sein. Mit indirekter Unterstützung von Sony erschien erst kürzlich die neueste, noch nicht finale Firefox OS 2.5 Nightly-Version für einige Xperia-Modelle. Experimentierfreudige Besitzer eines Xperia Z3, Z2, T2 Ultra oder E3 können die reguläre Android-Fassung durch das alternative OS ersetzen. Details und Hintergründe hierzu findet man unter anderem im Blog des Mozilla-Repräsentanten Sören Hentzschel und im FXP Blog. Sicher: Offiziell ist das nicht, aber es zeigt die Bestrebungen einiger Entwickler, Firefox OS ähnlich wie die überaus populäre Cyanogenmod auf Smartphones vieler Hersteller zu verbreiten.

Wie geht es weiter?

Fakt ist: Das Firefox OS noch nicht zu Grabe getragen. Version 2.5 steht in den Startlöchern, die 3.0 wird für 2016 erwartet – dann sicher mit größeren Updates und Änderungen. So ist es nicht auszuschließen, dass Android-Apps den Weg zu Firefox OS schaffen könnten. Denn das ist den Entscheidern bei Mozilla bewusst: Ohne Apps kommt man nicht weit, möchte man Geräte für Endkunden anbieten. Das musste auch BlackBerry mit dem BlackBerry OS schmerzvoll erfahren, und Microsofts mobiles Windows kämpft unverändert mit einer zu geringen Unterstützung seitens der Entwickler.

Das Orange Klif gibt es auch hierzulande. (Foto: Orange)

Das Orange Klif gibt es auch hierzulande. (Foto: Orange)

So oder so wäre es auf jeden Fall zu früh, Firefox OS abzuschreiben. Vermutlich wird das nächste Jahr darüber entscheiden, ob das offene OS eine Chance auf dem hart umkämpften Markt hat oder eine Randerscheinung bleibt. Mit den Angriff auf Feature Phones im Niedrigpreissegment, als Betriebssystem für Fernseher sowie Wearables und vielleicht als Alternative zu den Android-basierten Customs Roms (Cyanogenmod und Co.) könnte das schon was werden.

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