Ende eines Musikstreaming-Pioniers: Simfy macht dicht

Ende eines Musikstreaming-Pioniers: Simfy macht dicht

Es hatte sich schon seit Längerem abgezeichnet, nun ist es Gewissheit: Simfy macht dicht. Der Musikdienst informierte Besucher der Startseite am vergangenen Wochenende über das faktische Aus. Man könne aus lizenzrechtlichen Gründen nur noch eine stark eingeschränkte Auswahl an Songs anbieten, heißt es dort. Kunden legt man außerdem einen Wechsel zum bisherigen Mitbewerber Deezer nahe.

Bereits seit Jahren war es ein offenes Geheimnis, dass Simfy strauchelte. Das in Köln gestartete Musikstartup soll dem Vernehmen nach beim Umzug nach Berlin im April 2013 den größten Teil seiner Belegschaft nicht mitgenommen haben. Im Februar 2015 verhieß die Nachricht, dass eine der vier größten Plattenfirmen, Warner, ihr Angebot von Simfy zurückzog und auch die Songs einiger kleinerer Labels nicht mehr verfügbar waren, nichts Gutes. Das Unternehmen befindet sich laut Bundesanzeiger derzeit in der Auflösung.

Zwei Jahre vor Spotify in Deutschland

Simfy imitierte die Oberfläche und das Abspielmodell des beliebten Musikstreaming-Anbieters Spotify. Während das Original aber jahrelang nur im Ausland verfügbar war, war Simfy bereits seit dem Frühjahr 2010 mit einem ganz ähnlichen Angebot und der Musik aller großer Labels in Deutschland verfügbar. Das Angebot umfasste da schon das unbegrenzte, legale Hören von beliebig viel Musik für einen festen Montatspreis und teilweise auch werbefinanziert kostenlos. Als Spotify dann etwa zwei Jahre später im Sommer 2012 doch noch in Deutschland an den Start ging, begann für Simfy der Anfang vom Ende. Zahlreiche weitere Konkurrenten wie Rdio, später Ampya, zuletzt Tidal und eben auch Deezer, die in den vergangenen Jahren an den Start gingen, setzten Simfy weiter zu.

Die Unzufriedenheit der Nutzer mit dem Dienst steigerte sich zuletzt. Die Margen der Musikstreaming-Angebote sind für gewöhnlich gering, die Konkurrenz war hoch. Das Ende vom Simfy war abzusehen. Dennoch gebührt dem Dienst Respekt für den ersten kommerziellen Streaming-Dienst, der in Deutschland verfügbar war, und ohne den man noch rund zwei Jahre länger auf ein vergleichbares Angebot hätte warten müssen. Danke dafür und auf Wiedersehen!

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