Einspruch: Ein billiges Smartphone ist bloß eine Zeitbombe

Spitzen-Smartphones sind schon extrem teuer. Dabei tut es doch auch ein günstiges Smartphone, solange es einem gefällt. Das meint zumindest Trendblog-Redakteur Jürgen Vielmeier. Sein Kollege Peter Giesecke widerspricht: Greift zur Mittelklasse!

Wenige Wochen, nachdem sich Kollege Jürgen Vielmeier ein ZTE Blade A512 angeschafft hat, zog er bereits ein erstes Fazit: „Technik ist vernachlässigbar, wenn das Design stimmt„. Ich glaube allerdings, die Zeit ist noch zu kurz, um das angemessen beurteilen zu können. Das böse Erwachen wird noch kommen. Denn die meisten Menschen kaufen sich ein Smartphone, mit dem sie vor allem in dem Moment zufrieden sind, wenn sie es sich zulegen. Entscheidend ist jedoch, dass sie dies auch dann noch sind, wenn turnusmäßig der nächste Kauf ansteht. Ich bin gespannt, wie Jürgen sein frühes Urteil in zwei Jahren sehen wird.

Objektive Werte, subjektives Urteil

Jedoch gebe ich Jürgen in einem wichtigen Punkt recht: Design ist wichtig. Und wenn ich mir anschaue, wie auf den Messen die Mitarbeiter mit Putztüchern bewaffnet von einem Smartphone zum anderen rennen, um die fettigen Fingerabdrücke der Standbesucher zu entfernen, dann dürfte klar sein: Design ist nicht allein das, wie es in der Auslage hinter Glas zu sehen gibt. Design muss sich auch im Alltag gut anfühlen. Neudeutsch heißt das User Experience (UX). Ich jedenfalls streiche ständig mein Sony Z5 Compact am Ärmel oder an der Hose ab. Schön ist das nicht. Zum perfekten Gesamteindruck gehört auch, wie ein Smartphone in der Hand liegt, die Größe, das Gewicht und ob es genug Leistung hat, dass alles flüssig läuft.

Kollege Vielmeier hat sich das günstige Smartphone ZTE Blade A512 zugelegt und ist zufrieden (Bild: Jürgen Vielmeier)

Jürgen sieht über manche technische Schwächen gnädig hinweg. So seine Worte. Auch damit trifft er einen Punkt, denn diese lassen sich objektiv feststellen und dann abhaken. Die einzelnen Spezifikationen sind nach einigen Wochen noch dieselben wie beim Kauf. Sie werden es auch in einigen Monaten noch sein. Zum Beispiel das Display: Größe, Pixelzahl und -dichte, Kontrast sowie Helligkeit – das wird Jürgen sich alles angeschaut haben. Wenn er mit diesen Werten vor sechs Wochen zufrieden war, wird er das vermutlich auch in zwei Jahren noch sein. Dennoch fließt immer ein subjektives Urteil mit ein, und das wird sich in einigen Punkten mit der Zeit ändern.

Gerne stimme ich ihm zu, dass es nicht immer der schnellste Prozessor und der größte Arbeitsspeicher sein muss. Die Leistung muss so gut sein, dass der Nutzer zufrieden ist: Öffnen sich die Apps schnell genug? Oder gibt es immer einen kleinen Hänger? Was sind die rechenintensiven Anwendungen? Videos abspielen? 3D-Spiele? Doch aufgepasst: Die Leistung nimmt zwar mit der Zeit nicht ab, doch nach einem Update auf eine neue Version des Betriebssystems kann durchaus die Anforderung an die Hardware steigen. Es ist also gut, wenn man immer noch etwas Luft nach oben hat.

Speichergröße, Akkulaufzeit und USB-C-Port

Das gilt insbesondere auch für den Akku. Es rächt sich, wenn dieser von Beginn an knapp bemessen war und später nur noch wenige Stunden durchhält. Zusätzlich zum Gewicht des Smartphones muss dann stets noch eine Powerbank in der Tasche mitgetragen werden, zumindest wenn es am Wochenende auf einen Ausflug geht oder man plötzlich eine Leidenschaft für eine leistunghungrige Anwendung entdeckt hat. Vermutlich lässt der Akku eines günstigen Smartphones auch schneller und stärker nach als bei einem Spitzenmodell. Besser wenn er dann austauschbar ist.

Kann schnell mehrere GB belegen: Offline gespeicherte Musik oder Videos von Apps wie Spotify und Netflix.

Kann schnell mehrere GB belegen: Offline gespeicherte Musik oder Videos von Apps wie Spotify und Netflix.

Ansonsten rate ich wie Jürgen zu Pragmatismus. Der Speicherbedarf hängt stark vom Nutzer ab. Mehr ist nur dann besser, wenn man auch mehr braucht. Wieviel Musik, Bilder, Filme und Offlinekarten man dabei haben möchte, muss jeder für sich entscheiden. Wichtig auch hier: Es gilt, den voraussichtlichen Bedarf in zwei Jahren abzuschätzen (sofern der Neukauf des nächsten Smartphones nicht früher anvisiert wird). Wer eine Speicherkarte in sein Smartphone einsetzen kann, hat immerhin einen variablen Puffer nach oben.

Ob nun eine USB-C-Schnittstelle am neuen Smartphone vorhanden ist oder nicht, diese Frage ist kaum von Belang, denn es hängt von der Gegenstelle ab, ob man einen Adapter braucht und auch diesen mitschleppen muss. Das wird wohl noch einige Zeit so gehen, bis alle Geräte den gleichen Standard nutzen. Auch muss es kein Mini-HDMI sein, um Anschluss an einen Fernseher zu finden (wieder ein Adapter mehr), aber irgendwie sollten sich die Bilder auf den großen Bildschirm dann doch übertragen lassen.

Sonderfall Kamera

Auch bei der Kamera gestehe ich gerne zu: Wer damit zufrieden ist, bleibt in der Regel auch zufrieden. Das Smartphone ist schließlich meist nur ein Zweitgerät zur richtigen Kamera. Unterwegs reicht dann manchmal der Schnappschuss, manchmal soll aber auch eine gute Aufnahme den schönen Moment festhalten, dafür müsste dann schon eine System- oder eine Spiegelreflexkamera dabei sein. So kommt es zu Situationen, in denen man sagt: Hätte ich doch mal die gute Kamera eingesteckt; und nicht: Hätte ich doch mal ein besseres Smartphone gekauft. Dennoch steht die Frage im Raum, wie oft ein Smartphone mit einer besseren Kamera zur Zufriedenheit verholfen hätte.

Samsung-Galaxy-Smartphones der A-Serie sind eine gute Alternative zu den Spitzenmodellen S und Note

Was heißt das nun konkret? In der Regel rate ich zu einem Smartphone der oberen Mittelklasse. Der Abstand zur Spitzenklasse ist beim Preis groß, aber nicht so sehr bei der Leistung. Zudem bleibt genug Puffer, wenn sich die Ansprüche mit der Zeit ändern. Ein aktueller Snapdragon-6xx-Prozessor reicht in der Regel aus, auch zwei bis drei Gigabyte RAM. Mir persönlich wichtig ist noch, dass das Smartphone nicht so leicht aus der Hand rutscht und flach auf dem Tisch liegt. Ich meide also Rückseiten aus Glas und hervorstehende Kameras. Leider werden diese Eigenschaften in den mir bekannten Handy-Datenbanken nicht erfasst.

Mein Rat: Greift zur oberen Mittelklasse

Eigentlich finde ich, dass Jürgen mit dem OnePlus One vor ein paar Jahren alles richtig gemacht hat. Das Smartphone war seinerzeit die Alternative zu all den überteuerten Spitzenmodellen, die in der Hand sich plötzlich doch nicht mehr so spitze anfühlten. Wenn sein Missfallen an der Größe lag, okay. Alles über 5,2 Zoll Bildschirmdiagonale wäre mir auch zuviel. Momentan bin ich mit 4,7 Zoll ganz zufrieden. Nur wenn ich täglich das Spider-Tattoo auf der Rückseite betrachte, wünsche ich mir, ich hätte mich vor einem Jahr anders entschieden. Ein weiteres Jahr möchte ich aber noch durchhalten.

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob man beim Kauf mit dem Gerät zufrieden ist (das sollte immer so sein), sondern wie lange das Gefühl vermutlich anhält? Oder anders formuliert: Wie lange muss man mit einem Gerät auskommen, über das man sich ärgert? Oder nochmals anders: Wieviel früher als geplant kauft man das nächste Gerät, um ein mangelhaftes zu ersetzen, und zahlt damit drauf, was man ursprünglich gespart hat?

Ein zu billiges Smartphone kann eine Zeitbombe sein.

Beitragsbild: Unsplash/Ben White

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Ein Kommentar zu “Einspruch: Ein billiges Smartphone ist bloß eine Zeitbombe
  1. Gestern zum ersten Mal die mitgelieferten Kopfhörer ausprobiert. Die sind top! 😉

    Aber was ich eigentlich sagen wollte: Ich hab gar nicht vor, das Dingen für immer zu behalten. Wenn ein besseres um die Ecke kommt, das mich richtig überzeugt, dann habe ich keine Skrupel wieder zu wechseln. Bis dahin erfreue ich mich an meinem kleinen Weißen. Ja, Kamera und Akku sind nicht der Burner. Mein OnePlus One hatte aber auch Macken, auch wenn es deutlich teurer war. Also warum mehr Geld ausgeben.

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