Chromecast: Punktsieg durch Einfachheit

Google hat gestern Abend zusammen mit der Neuauflage des Tablets Nexus 7 und Android 4.3 auch einen kleinen TV-Stick vorgestellt, der zahlreiche Fans in den sozialen Netzwerken aufjubeln ließ: Chromecast. Der kleine Stick wird an die HDMI-Schnittstelle eines Fernsehers angeschlossen und streamt Daten per WLAN indirekt über die Cloud. Kosten soll er nur 35 US-Dollar.

Und genau das ist der Punkt, der die Menge verzücken lässt: Chromecast ist keine direkte Antwort auf Apple TV oder AirPlay, Chromecast ist auch keine Neuauflage der überteuerten Streaming-Box Nexus Q (fast 300 Dollar). Es ist ein Stick, der Inhalte über die Cloud an einen Fernseher überträgt.

Dieser kleine Umweg ist entscheidend. Chromecast bedient sich keines direkten Streamings wie Apples AirPlay, Intels WiDi oder der offene Standard Miracast. Der Umweg über die Cloud bietet gleichzeitig Vor- wie Nachteile. Nachteil ist, dass man nicht alles einfach an den Fernseher schicken kann, was gerade auf dem Laptop, dem Tablet oder dem Smartphone geöffnet ist und was man anderen zeigen möchte. Hier ist der Chromecast in seiner Funktion dann doch wieder nicht simpel genug. Wer das will, ist mit einem einfachen Miracast- oder WLAN-Dongle besser aufgehoben – zahlt dafür allerdings auch schnell 100 Euro und mehr.

Güngstiger Preis hat seinen Preis

Der Vorteil des Chromecast – neben dem günstigen Preis: Durch das Streaming über die Cloud muss einmal gestartete Video-Wiedergabe via YouTube oder Google Play nicht unterbrochen werden. Wurde ein Video etwa über das Smartphone eines Freundes gestartet, der mitten im Film gehen muss, lässt sich der Stream über ein anderes Gerät an gleicher Stelle fortsetzen. Googles Entwicklerkit Cast SDK soll es Entwicklern erlauben, mit geringem Aufwand von nur 200 Zeilen Code ihre App für den Chromecast anzupassen. So ließen sich damit in absehbarer Zeit zum Beispiel auch Spiele auf den Fernseher streamen – während man Tablet oder Smartphone als Game-Controller benutzt. Schon jetzt funktioniert der Stick mit Videoangeboten wie Netflix oder dem Browser Chrome.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Chromecast Multitasking erlaubt. Das gleiche Gerät, das die Inhalte an den Fernseher streamt, kann gleichzeitig als Second Screen dienen, auf dem man weiter E-Mails checkt, twittert oder facebookt. Im inneren des Chromecast läuft ein angepasster Chrome-Browser, Apps dafür ähneln denen für Chrome OS oder Chrome-Browser-Apps. Der Stick soll allerdings auch von Android-, iOS-, Mac OS- und Windows-Geräten steuerbar sein.

Googles Antwort auf Smart TVs

Der geringe Preis ist der große Vorteil. Der Nutzer zahlt natürlich wieder einmal mit seinen Daten: Beim Chromecast läuft alles über das Google-Universum. Google weiß damit praktisch auch, was wir auf dem Fernseher schauen. Jedes Schnäppchen hat seinen Preis.

Schlussendlich ist Googles Chromecast aber eine interessante Antwort auf die Smart-TV-Offensive anderer Hersteller. Es muss im Prinzip weder ein Smart-TV-Fernseher noch eine Fernsehbox wie Boxee oder Apple TV sein: Wer seine Inhalte oder Apps auf dem Fernseher will, der nehme sich sich sein Zweitgerät. Statt einer intelligenten TV-Box gibt es eben einen funktional beschränkten Stick, der die Inhalte nur wiedergibt. Die Intelligenz kommt von einem anderen Gerät, über das heute ohnehin beinahe jeder Haushalt verfügt. Google tut hierbei gut daran, auch anderen Systemen den Zugang zum Chromecast zu ermöglichen. Für 35 Dollar ist das ein Angebot, bei dem viele zugreifen dürften.

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