Bargeldloses Zahlen: Korea macht es vor

Die bargeldlose Gesellschaft rückt in Korea immer näher. Nur in 20 Prozent der Fälle wird noch bar bezahlt. Trendblogger Kay Nordenbrock berichtet aus dem bargeldlosen Paradies.

Seitdem ich vor knapp eineinhalb Monaten in Korea angekommen bin, habe ich sehr selten Bargeld in der Hand gehabt und es macht den Alltag um einiges einfacher. Ich muss nicht ständig gucken, wie viel Geld ich noch dabei habe, muss kein Geld abheben oder die richtige Kombination aus Scheinen und Münzen finden. Meine Kreditkarte und andere bargeldlose Optionen ersparen mir dies.

Plastik statt Bargeld

Nur rund 20 Prozent aller Transaktionen werden, laut der Bank of Korea, in Korea mit Bargeld erledigt. Das ist einer der niedrigsten Werte weltweit. Außerdem möchte die koreanische Zentralbank Bargeld reduzieren, um bis 2020 eine bargeldlose Gesellschaft zu schaffen. Das sind Statistiken und Ziele, von denen die Deutschen nur träumen können.

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Ein Portemonnaie ohne Bargeld sieht doch gleich viel attraktiver aus

Wenn ich hier zum Kiosk, zum Supermarkt oder ins Restaurant gehe, muss ich kein Bargeld mitnehmen, ich kann mir sicher sein, dass ich mit einer meiner Plastikkarten zahlen kann. In Deutschland ist das leider nicht der Fall. Vor allem in kleineren Geschäften ist das Zahlen per Kreditkarte oder Mobile-App oft nicht möglich.

Die Geschäftsbetreiber haben oft noch die in der Vergangenheit hohen Transaktionsgebühren im Kopf. Dass diese vor einigen Jahren auch in Deutschland deutlich reduziert wurden, hat sich noch nicht überall herumgesprochen. Der Stein kommt also erst langsam ins Rollen.

Welche Möglichkeiten gibt es in Korea?

Die Koreaner haben längst die Vorteile des Zahlens mit Plastik oder Smartphone erkannt, und mit der Unterstützung von Banken und Unternehmen wie Kakao oder Naver werden diese Zahlmethoden immer beliebter.

Am beliebtesten hierbei ist das „klassische“ Zahlen mit der Kreditkarte. Rund 60 bis 70 Prozent aller bargeldlosen Transaktionen werden mit der Kreditkarte getätigt. Dabei ist in der Regel keine Eingabe eines Pins oder einer Unterschrift notwendig. Karte rein, bezahlen, fertig. Auch ich bezahle hier fast alles mit der Kreditkarte, von der einzelnen Flasche Wasser bis zum Großeinkauf. Der einzige Ort, an dem ich Bargeld zücken musste, war die Arcade-Halle.

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Die sogenannten T-Money-Karten kommen mit verschiedenen Motiven. Diese hier zeigt eine beliebte K-Pop-Sängerin

Die restlichen 30 bis 40 Prozent werden von anderen bargeldlosen Methoden eingenommen. Selbst Teenager müssen in Korea kein Bargeld mit sich herumtragen. Die sogenannte Teencash-Karte ist eine Kreditkarte für Jugendliche, die wegen ihres Alters noch keine Kreditkarte von der Bank bekommen. So können die Eltern ihren jugendlichen Kindern diese Karte besorgen und Geld darauf laden, was sie ausgeben können, denn es ist eine Prepaid-Karte.

Die T-Money-Karte ist wieder eine andere. Das „T“ steht dabei für Transportation. Ich bin auch stolzer Besitzer so einer Karte. Ihr könnt sie an jedem Kiosk mit Geld aufladen und dann ohne Probleme die U-Bahn, Bus oder sogar das Taxi bezahlen. Einfach mit der Karte einchecken, auschecken und fertig. Das hat vor allem den Vorteil, dass man sich nicht mit sperrigen und veralteten Ticket-Automaten herumschlagen muss.

Die vorherrschende Mobile-Payment-Option in Korea ist Kakao Pay. Das ist eine sogenannte „E-Wallet“, also ein elektronisches Portemonnaie. Entwickelt wurde es von dem Unternehmen, welches auch für Kakao Talk zuständig ist, dem WhatsApp der Koreaner. Mit Kakao Pay könnt ihr eure Kreditkarten registrieren und damit Käufe online oder im Laden abschließen.

Es können bis zu 20 Karten in der App registriert werden. Außerdem könnt ihr mit der App Rechnungen empfangen und diese direkt begleichen, sowie Kundenkarten oder Coupons digital speichern.

Bargeldlose Gesellschaft

Korea macht es einem sehr einfach, bargeldlos auszukommen. Ich weiß das sehr zu schätzen, da ich noch nie ein Freund von Bargeld war. Wenn es nach mir ginge, könnten wir Bargeld komplett abschaffen. Heutzutage gibt es Methoden, die schlichtweg einfacher sind, als lästiges Geld mit sich herumzutragen. Die meisten Menschen haben so oder so Karten im Portemonnaie und die meisten Menschen haben ein Smartphone.

Sicher gibt es auch gute Gründe dafür, dass die Möglichkeit Bargeld zu nutzen weiterhin bestehen bleibt. Aber für die allermeisten Zahlungswege im Alltag bedeutet bargeldloses Zahlen eine deutliche Vereinfachung für die Geschäfte und die Kunden. Deswegen sollten die Möglichkeiten hier noch deutlich ausgebaut werden.

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2 Kommentare zu “Bargeldloses Zahlen: Korea macht es vor
  1. Ich nutze schon seit einiger Zeit eine Minimal Wallet und zwar von einem polnischen Anbieter:
    https://elephantwallet.com/products/n-wallet-carbon-fiber

    Momentan stecken dort sechs Karten drin, wobei mindestens eine auch ein Äquivalent im Smartphone hat. Scheine kommen zweimal gefaltet unter das Gummiband, Kleingeld erst einmal in die Hosentasche, zuhause in ein Glas und dann irgendwann zur Bank.

    Gezahlt wird bevorzugt kontaktlos per Karte.

    Ich bin froh, dass ich mein doppelt so großes und wesentlich schwereres Portmonnaie abgeschafft habe.

    • Hallo Peter,

      Ich nutze auch ein Portemonnaie ohne Kleingeld-Fach, da das die ganze Sache um einiges dicker macht. Zum Glück brauche ich hier in Korea sowieso so gut wie nie Kleingeld, alles was Bar ist wird in der Regel mit scheinen bezahlt.

      Aber wie schon erwähnt, ist die Kreditkarte sowieso mein bester Freund. Dein Wallet sieht schick und praktisch aus!

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