Asus Zenfone 2 im Test: Viel mehr Smartphone muss nicht

Asus Zenfone 2 im Test: Viel mehr Smartphone muss nicht

Das Asus Zenfone 2 setzt auf einen Intel-Chip und will sich an die Spitzengruppe unter den Smartphones heranwagen. Dazu fehlt noch ein Stückchen, doch preisbewusste Käufer dürften an der Neuauflage des Zenfones ihre Freude haben.

Während die Spitzenklasse um iPhone 6S und Galaxy S6 mit immer neuen Innovationen 600 Euro und mehr kostet, ist darunter eine neue Liga erstanden: stark ausgerüstete Smartphones wie das OnePlus Two, das Honor 7 oder das Zuk Z1, die fast nichts vermissen lassen und dabei nur etwa zwischen 300 und 400 Euro kosten. Auch das Asus Zenfone 2 fällt in diese Kategorie.

Bunte Software-Oberfläche ist anpassbar, doch das kostet einige Zeit und versaut den ersten Eindruck.
Bunte Software-Oberfläche ist anpassbar, doch das kostet einige Zeit und versaut den ersten Eindruck.

Bei uns im Test machte die Hardware mit dem Intel-Quadcore-Prozessor, der von einem üppigen 4 GB-Arbeitsspeicher unterstützt wird, einen guten ersten Eindruck. Dafür sorgte die angepasste Software-Oberfläche mit einem modifizierten Android (Zen UI) zunächst für ein wenig Ernüchterung. Sehr viele eigen entwickelte Apps oder Dritt-Applikationen, die niemand bestellt hat, tapezieren Homescreen und Auswahlmenü. Man ist die ersten Stunden des Testens damit beschäftigt, Software wieder vom Gerät herunterzuschmeißen und hinter der wenig modernen Standard-Oberfläche aufzuräumen, bis es halbwegs frisch aussieht und den eigenen Wünschen entspricht. Immerhin: Dieses Aufräumen ist möglich.

Hübsch ist anders: Das Zenfone 2 begrüßt den Nutzer mit hässlichen App-Ordnern.
Hübsch ist anders: Das Zenfone 2 begrüßt den Nutzer mit hässlichen App-Ordnern.

Unter den schöneren Eigenentwicklungen ist eine App, die auf Knopfdruck Arbeitsspeicher freigibt. Weniger schön hingegen ein System, das alle Nasen lang mit Push-Erinnerungen damit nervt, man möge doch bitte die Energie-Optionen optimieren, um Akkulaufzeit zu sparen. Es ist schön, dass das Zenfone 2 Energie-Optionen mitbringt. Daran pausenlos erinnert zu werden aber ist in etwa so angenehm, wie auf dem PC zu Updates für das hauseigene Virenprogramm genötigt zu werden. Tu es einfach und lass mich damit in Ruhe, möchte man dem Gerät zurufen.

Android 5.0 mit Zen UI: Weniger wäre mehr

Und wieder einmal stellt sich die Frage, warum jeder Android-Gerätehersteller meint, das angenehm schlanke, nackte Android noch mit einem Wust an Zusatzfunktionen aufpeppen zu müssen. Hier wäre weniger mehr gewesen, zumal die Tatsache es Asus offenbar erschwert hat, eine halbwegs aktuelle Android-Version vorzuinstallieren. Betriebssystem ist Android 5.0, während Google gerade in seinen neuen Nexus-Geräten Android 6.0 auf den Weg bringt und die meisten Hersteller bereits Updates geplant haben. Für ein Telefon, das jetzt erst in Deutschland veröffentlicht wird, wünscht man sich deswegen mindestens Android 5.1. Ein schnelles Update folgt hoffentlich.

Die Rückseite mit Kamera, Dual-Blitz und Lautstärke-Tasten
Die Rückseite mit Kamera, Dual-Blitz und Lautstärke-Tasten

Das weniger Gute

Etwas langweiliges Design
Gerät mit Bloatware vollgestopft
Nur Android 5.0 und ein eher nerviges Zen UI
 Kamera-Automatik bei schlechten Lichtverhältnissen sehr langsam
Fummeliger Einschaltknopf oben

Nicht sonderlich gut platziert ist in meinen Augen der Einschaltknopf, der am Kopf des Geräts leicht abgeschrägt untergebracht ist und das Gerät meist erst beim zweiten Versuch entsperrt. Die beiden Lautstärke-Tasten, die Asus wie LG auf der Rückseite angebracht hat, gleichen diesen Nachteil wieder aus. Je öfter man diese Technik nutzt, desto logischer und angenehmer erscheint sie einem.

Ich probierte die Kamera zunächst bei schlechten Lichtverhältnissen aus und war relativ ernüchtert. Abseits des hellen Scheins macht die Kamera zwar zufriedenstellende Fotos, braucht aber sehr lange, bis sie ein Foto aufnimmt und verarbeitet. Der beworbene Low-Light-Modus hilft da nicht wirklich weiter. Bei Tageslicht hingegen steht die Kamera denen aus teureren Smartphones in kaum etwas nach und trumpft besonders mit einem starken Makro-Modus auf. Selbst mit Objekten, die nur wenige Zentimeter entfernt sind, hat die Kamera des Zenfone 2 keine Probleme:

Das Zenfone 2 trumpft mit einem starken Makro-Modus auf.
Das Zenfone 2 trumpft mit einem starken Makro-Modus auf.

Sehr schön außerdem: das manuelle Einstellungsmenü, das den Nutzer bei anderen Kameras meist automatisierte Einstellungen wie Lichttemperatur (für den Weißabgleich), Lichtempfindlichkeit, Schärfebereich und Helligkeit von Hand einstellen lässt:

Das manuelle Einstellungsmenü lässt den ambitionierten Hobbyfotografen fast alles einstellen, was das Herz begehrt.
Das manuelle Einstellungsmenü lässt den ambitionierten Hobbyfotografen fast alles einstellen, was das Herz begehrt.

Das Gute

+ Schneller Prozessor und starke Grafikeinheit
+ Massig Arbeitsspeicher
+ Akkuleistung ordentlich bemessen
+ Lautstärkeknöpfe praktisch auf der Rückseite angebracht
+ Bei Tageslicht starke Kamera mit hervorragendem Makro-Modus und manuellen Einstellungen.
+ Rückseite austauschbar, der Akku lässt sich ausbauen
+ Gute Verarbeitung
+ Dual-SIM-fähig
+ 1-Klick-Speicherfreigabe

Auch gegen die Maschinerie des Zenfone 2 ist nichts zu sagen. Im selbst durchgeführten AnTuTu-Benchmark kann das Gerät zwar nicht mit der Weltspitze mithalten. In der Praxis erhält der Nutzer aber ein reaktionsschnelles Smartphone, das auch aufwändige Grafik bei von uns getesteten Arcade-Spielen ruckelfrei darstellt. Browsertabs, Videos, schneller Wechsel zwischen Apps: kein Problem für das Zenfone 2.

Das Zenfone 2 im Vergleich mit anderen Smartphones (AnTuTu Benchmark): Die Weltspitze ist weit entfernt.
Das Zenfone 2 im Vergleich mit anderen Smartphones (AnTuTu Benchmark): Die Weltspitze ist weit entfernt.

Die Rückseite im schlichten Plastik-Anthrazit (es gibt auch „flashigere“ Deckel zur Auswahl) ist nicht gerade ein Hingucker, aber davon abgesehen ist das Zenfone 2 gut verarbeitet. Die Rückseite lässt sich abnehmen, darunter bis zu zwei Micro-SIMs oder eine Micro-SIM und eine Speicherkarte einfügen. Der Akku lässt sich zwar nicht einfach herausnehmen, aber im Bedarfsfall relativ leicht ausbauen. Überhaupt hielt der Akku in unserem Test gut durch. Keine drei Tage, wie Asus für den Energiesparmodus angibt, aber auch bei reger Benutzung kam ich gut über den Tag.

Wem das Standard-Anthrazit zu langweilig ist, der kann (und sollte) zu einer "flashigeren" Rückseite der Fusion und Illusion Series zurückgreifen.
Wem das Standard-Anthrazit zu langweilig ist, der kann (und sollte) zu einer „flashigeren“ Rückseite der Fusion und Illusion Series zurückgreifen.

Gesamtnote: 3,5/5

Das Zenfone 2 spielt in einer Liga mit vergleichbar teuren No-Name-Modellen, doch das angepriesene Zen UI behindert eher, als dass es dem Nutzer sinnvolle Extra-Services an die Hand gäbe. Die Hardware gehört nicht zur absoluten Weltspitze, aber das dürfte selbst erfahrenen Nutzern in der Praxis kaum auffallen. Die Kamera spielt bis auf leichte Schwächen bei schlechten Lichtverhältnissen eher noch eine Liga höher.

Weitere Informationen und Daten über das Zenfone 2 findet ihr bei Asus. Das Gerät soll ab Mitte November in Deutschland erhältlich sein und UVP unter 400 379 Euro kosten.

Fazit

Bis zur Tabellenspitze fehlt noch etwas. Aber wer ein starkes Smartphone für weniger als 400 Euro sucht, kann mit dem Asus Zenfone 2 sehr glücklich werden. Wenn auch eher auf dem zweiten als auf den ersten Blick.

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2 Kommentare zu “Asus Zenfone 2 im Test: Viel mehr Smartphone muss nicht

  1. Aber über 48.000 im AnTuTu ist schon ein Top-Wert, finde ich. Also gerade in der Preisklasse. Die Geräte weiter oben in der Liste sind hierzulande auch deutlich teurer….

    1. Na ja, das Meizu MX5… und ich meine, das OnePlus 2 wäre auch noch weiter oben in der Liste gewesen. Aber wie gesagt: In der Praxis hatte ich überhaupt nichts daran zu beanstanden und hab ein sehr reaktionsschnelles Smartphone gesehen, dass auch mit komplexerer Grafik keine Probleme hatte.

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