Apple stellt neuen Musikdienst, iOS 9 und Mac OS X El Capitan vor

Viel Neues von Apple – und auch etwas Altes: Der IT-Riese hat heute Abend in San Francisco seine eigene Entwicklerkonferenz WWDC15 eröffnet und auf der Eröffnungsveranstaltung einen Ausblick auf seine neuen Betriebssysteme Mac OS X El Capitan, iOS 9 und watchOS 2 gegeben, sowie den Streaming-Dienst Apple Music vorgestellt.

Die größten Veränderungen dürfte wohl das mobile Betriebssystem iOS 9 (für iPhone und iPad) erfahren. So erhält das System einen – von Apple so genannten – proaktiven Assistenten, der personalisierte Informationen je nach Aktivität oder Tageszeit anbieten kann. Geht man etwa gerne morgens joggen, dann öffnet Apple schon beim Einstecken der Kopfhörer ins iPhone passende Musik. Auch Informationen zu Orten oder Personen sollen dann angezeigt werden, wenn der Nutzer sie braucht, ohne dass er danach suchen muss. Die Funktion erinnert an Googles persönlichen Assistenten Google Now, Apple betonte aber dabei, dass die Informationen nicht weitergegeben und nur lokal gespeichert würden.

Neue App "Apple News"

Neue App „Apple News“

Apple gelobt Datensicherheit – als Seitenhieb auf Google

Weitere interessante Neuerungen in iOS 9, das für Endkunden im Herbst erscheinen soll, sind verbesserte Erinnerungsfunktionen, ein natürlicheres virtuelles Keyboard, das auch als Trackpad dienen kann, Karten für den Nahverkehr, eine neue Nachrichten-App, die den beliebten Diensten Flipboard und Feedly nachempfunden ist, sowie vor allem ein neues Multitasking. Dies erlaubt es etwa, mehrere Apps nebeneinander auf einem Bildschirm auszuführen (Apple nennt dies „Slide-over“, bei Microsofts Surface heißt es „Split-Screen“).

Window-Manager für iOS: Fenster nebeneinander oder übereinander

Ferner erhält iOS 9 eine Art Fenster-Manager für einige Apps, mit denen man zum Beispiel ein Video auf einem Bildschirm einblenden kann, auf dem man gerade Nachrichten liest. Unter der Haube führte Apple einen Energiesparmodus ein, um bis zu drei Stunden mehr Akkulaufzeit aus der aktuellen iPhone-Serie herauszuholen. Und auch der Speicherbedarf von iOS 9 soll im Vergleich zu iOS 8 mächtig reduziert werden.

Apps neben- oder übereinander im neuen iOS 9

Apps neben- oder übereinander im neuen iOS 9

Etwas bescheidener sind dafür die Änderungen im neuen Mac OS X-Update „El Capitan“ (benannt nach dem höchsten Berg im Yosemite-Nationalpark, der Namensgeber der Vorversion ist). Hier hat Apple einige kleine Veränderungen an den Standard-Apps vorgenommen und sonst vor allem an der Performance des Systems gearbeitet. Das System soll für Endkunden ebenfalls im Herbst erscheinen.

Mac OS X El Capitan

Mac OS X El Capitan

Apple Music: Musikstreaming ohne nennenswerte neue Funktionen, aber das ist egal

Die Version 2 des Systems watchOS für die Apple Watch kann künftig viele Apps auch nativ auf dem Gerät ausführen. Bislang brauchten vor allem Apps von Drittentwicklern sehr viel länger für den Start. Apple gibt seiner neuen Uhr damit deutlich mehr Eigenleben und Autonomie von einem iPhone. Das war von vielen Entwicklern gewünscht worden, als die Smartwatch vor sechs Wochen an den Start ging.

Apple watchOS 2

Apple watchOS 2

Als großes Highlight am Schluss der Veranstaltung stellte Apple dann noch den ersten eigenen Musikstreaming-Dienst Apple Music vor. Dieser soll dem Nutzer Musik auf Basis seiner bisherigen Sammlung empfehlen und ihm von Künstlern zusammengestellte Playlists anbieten. Nutzer haben die Möglichkeit, ihre Künstler zu abonnieren und mit ihnen in Kontakt zu treten. Im Prinzip wärmt Apple damit einige Funktionen seines wenig erfolgreichen und längst eingestellten Musiknetzwerks Ping wieder auf. Doch dazu wird es noch den eigenen Live-Radiosender Beats1 geben und natürlich die Möglichkeit, für einen pauschalen Monatspreis von (in den USA) 9,99 Dollar so viel Musik zu hören wie möglich, ohne sie zu kaufen.

Starke Konkurrenz dank großer Marktmacht

Apple ahmt damit die Funktionen bereits bestehender Musikstreaming-Dienste wie Spotify und Deezer nach, Verbesserungen oder bahnbrechende neue Funktionen gegenüber den bestehenden Diensten bietet Apple Music nicht. Allerdings kann Apple hier mit der eigenen Marktmacht punkten. Apple Music wird der neue Standard-Musikservice auf iOS-Geräten und damit auf fast 1 Milliarde aktiver iPhones und iPads weltweit verfügbar.

Apple Music

Apple Music

Zusätzlich will Apple den Dienst auch auf Windows PCs und Android-Geräten anbieten. Allein diese Zahlen könnten Apple Music schnell zum Marktführer der Streaming-Anbieter machen und das noch nicht derart weit verbreitete Streaming zum Durchbruch verhelfen. Der bisherige Krösus Spotify hat „erst“ um die 60 Millionen Kunden, von denen nur rund 15 Millionen einen Monatsbeitrag zahlen. Der Rest nutzt die werbefinanzierte Kostenlos-Version von Spotify. Apple bietet eine derartige Variante bei Apple Music nicht an.

Wir sind die Guten

Alles in allem zeigten Apples Manager sich auf der Bühne diesmal sehr humorvoll, fast schon ein wenig spießig. Apple-Chef Tim Cook dankte den Entwicklern mit einem eigenen Video und leitete die Vorstellung von Apple Music mit einem „One more thing“ ein, Eddie Cue stellte den Dienst in einem schon fast väterlichen, lachsfarbenen Hemd und mit einem Hüftschwung vor.

Eddy Cue

Eddy Cue

Man betonte bei der Vorstellung des proaktiven Assistenten für iOS, dass man die Privatsphäre dabei wahren wolle und die Daten natürlich sicher seien. Ein klarer Seitenhieb auf den großen Konkurrenten Google, der mit den Daten der Nutzer Geld verdient. Apple hat das nicht nötig, macht den Hauptteil des Profits mit hochpreisiger Hardware. Dafür versuchte man heute, weitere Kunden mit einer neuen Charmeoffensive zu iPhone und iPad zu locken. Ob’s gelingt, wird die Zukunft zeigen.

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