Apple SIM: Ein kleines bisschen Freiheit

Apple SIM: Ein kleines bisschen Freiheit

Als Apple vergangene Woche sein neues iPad-Lineup vorstellte, da war von dieser einen Funktion gar keine Rede. Findige Techjournalisten allerdings fanden es in der Funktionsübersicht schnell heraus: Apple SIM soll den Nutzer vom Joch des ständigen SIM-Karten-Austauschs befreien. Leg die SIM-Karte von AT&T ein und wähle trotzdem das Netz von Sprint – das ist die Botschaft hinter der Funktion. Ein Schritt, der im Grunde überfällig war, ganz neue Konzepte ermöglicht, für den Nutzer noch nicht weit genug geht und trotzdem im ersten Moment einfacher klingt als er in der Praxis umsetzbar sein dürfte.

Zunächst einmal klingt es natürlich ganz besonders kundenfreundlich: Man ist nicht mehr auf das Netz eines Betreibers festgelegt. Die unsägliche Praxis des Netlocks, die eigentlich längst der Vergangenheit angehören sollte, wird damit ein Stück weit aufgeweicht. In den USA noch mehr als in Deutschland ist es nach wie vor leidige Praxis, dass Smartphones oft nicht vertragsfrei gekauft werden können. Man erwirbt sie zusammen mit dem Zwei-Jahres-Vertrag für einen Netzanbieter. Zwar könnte man diesen in vielen Fällen dann noch wechseln, zahlen müsste man den Vertrag aber trotzdem bis zum Ende.

Natürlich nur mit Extra-Kosten

Viele Smartphones werden nur von einem Vertragsanbieter überhaupt angeboten und hin und wieder gibt es gar einzelne Tablets und Telefone, die in einer bestimmten Konfiguration nur für einen Anbieter zur Verfügung stehen. Apple hat mit Apple SIM nun ein Zeichen dagegen gesetzt.

Allerdings dürfte die Revolution – die im Übrigen mit den Carriern so abgesprochen ist – etwas kleiner ausfallen als auf den ersten Blich erhofft. Denn die neuen iPads würden ohnehin von den drei nun bei Apple SIM verfügbaren Carriern verkauft. Einen Nachteil gegenüber den beiden anderen hat dabei also keiner der drei in den USA unterstützten Providern AT&T, Sprint und T-Mobile.

Apple SIM, wie Apple sie auf der Produktseite beschreibt
Apple SIM, wie Apple sie auf der Produktseite beschreibt

Übrigens auch deswegen nicht, weil Apple SIM für den Kunden bei Weitem nicht bedeutet, dass er innerhalb eines Vertrages ohne weitere Kosten zwischen den Netzen der Betreiber beliebig hin- und herschalten kann. Er hat die Freiheit und Möglichkeit, das zu tun, zahlt allerdings jedes Mal drauf, wenn er einen weiteren Carrier wählt.

Im Ausland mal eben schnell eine beliebige Tagesflat buchen

Der größte Gewinn dennoch: Komfort. Denn mit der nachträglichen Wahl des Netzbetreibers erspart der Kunde sich und den Anbietern den hohen administrativen Aufwand, erst eine SIM-Karte bereitzustellen und zu aktivieren. Viele Nutzer neuerer Smartphones erlebten nach einer Bestellung erst die Überraschung, dass mit der Nano-SIM plötzlich ein ganz neues SIM-Format Einzug gehalten hatte und die bisherige Micro-SIM nicht mehr passte. Und noch viel schlimmer: Nicht alle Netzbetreiber hatten sofort eine Nano-SIM vorrätig. In jedem Fall dauerten Bestellung und Zustellung einige Tage. Auf elektronischem Wege ließe sich diese Prozedur nun ersparen.

Die Frage aller Fragen ist: Warum dann überhaupt noch SIM-Karten? Apple hatte bereits in der Vergangenheit mit einer Technik namens Electronic SIM geliebäugelt. Hierbei würde man auf eine SIM-Karte gänzlich verzichten, die Technik auf dem Telefon selbst bereitstellen und den Betreiber einfach später auswählen. Doch die Carrier spielten da nicht mit. Apple SIM ist nun ein klarer Schritt hin zur Electronic SIM. Und wie es oft so war in der Technikgeschichte: Es geht nicht ohne einen solchen Zwischenschritt. Die nächste oder übernächste iPad-Generation dürfte dann die SIM-Karte ganz weglassen.

Apple neues iPad Air 2 unterstützt Apple SIM
Apple neues iPad Air 2 unterstützt Apple SIM

Und noch einen weiteren Fortschritt bietet die Apple SIM tatsächlich: Weil der Wechsel des Betreibers nicht besonders sinnvoll wäre, wenn man jedes Mal einen Zwei-Jahres-Vertrag abschließen würde, bewirbt Apple die Funktion mit Kurzzeit-Verträgen. Hier würde man zum Beispiel auf einen monatlich kündbaren Vertrag wechseln oder könnte für einen Auslandsaufenthalt ein Volumenpaket oder eine 7-Tages-Flatrate buchen. Für weitere Kosten zwar, aber ohne eine lange Vertragsbindung.

Die Netzbetreiber werden natürlich trotzdem zusehen, dass ihre Rechnung dabei aufgeht. Kurzzeitige Verträge bedeuten im Regelfalle nämlich auch höhere Kosten. Dennoch: Es klingt, als habe Apple SIM die Möglichkeit, den Markt in Unordnung zu bringen und dem Nutzer mehr Flexibilität zu erlauben. Zu einem anfangs sicherlich höheren Preis, aber langfristig mit der Hoffnung, dass Preise und vor allem langwierige Vertragslaufzeiten ein Ende haben könnten. Und das wäre ebenso zu begrüßen wie auf lange Sicht ein Verzicht auf physische SIM-Karten. Ein wichtiger Schritt also, den Apple mit Apple SIM geht, und die Verheißung auf ein kleines Stückchen mehr Freiheit.

Apple SIM steht für den Anfang nur bei einigen Carriern in den USA und U.K. zur Verfügung.

Bilder: Apple

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