Android 6.0 Marshmallow: Googles hohe Wette

Gestern Nacht war die Katze plötzlich aus dem Sack: Die im Herbst kommende neue Android-Version wird den Namen „Marshmallow“ tragen. So weit so gut, aber es soll eine neue Vollversion mit der Nummer 6.0 werden. In meinen Augen ist das ein Fehler.

Immer eine Süßigkeit, jedes Jahr was Neues. So weit ist Googles Produktpolitik für die Android-Abteilung bekannt. Blicken wir kurz umgekehrt chronologisch in der Zeit zurück:

  • Android 5.1 Lollipop erschien mit einigen Verbesserungen im März 2015.
  • Android 5.0, ebenfalls schon „Lollipop“ genannt, kam erstmals im November 2014 heraus.
  • Android 4.4 KitKat erschien ein Jahr vorher, im Oktober 2013
  • Android 4.3 Jelly Bean war bereits ein paar Monate vorher im Juli 2013 zu sehen.
  • Android 4.1 und 4.2 (ebenfalls „Jelly Bean“ genannt) erschienen jeweils im Sommer und Herbst 2012.
  • Android 4.0 Ice Cream Sandwich wurde im Oktober 2011 vorgestellt.

Deutliche Verbesserungen und weitere Funktionen unter der Haube gab es bei jedem kleineren Versionssprung (also etwa von 4.2 auf 4.3). Jede Vollversion brachte bisher aber immer auch eine neue Designsprache mit, die die Oberfläche jeweils in völlig anderem Licht erstrahlen ließ. Android 4.x setzte auf die viel gelobte Holo-Designsprache, die sich deutlich vom eher biederen Android 3.x und Android 2.x unterschied. Nach drei Jahren war es dann Zeit für etwas Neues: Material Design heißt die neue Designsprache, die Google seit 2014 und Android 5.0 Lollipop einsetzt.

Android 6: Kleine, feine Änderungen

Und die Designsprache von Android 6? Ist weiterhin Material Design! Denn so viel ändert sich gar nicht. Was Android 6.0 Marshmallow hauptsächlich mitbringen soll:

  • Einen besseren App-Berechtigungsmanager für den Nutzer. Man soll dann besser steuern können, welche App was darf und was weiß.
  • Android Pay, Googles eigenes mobiles Bezahlsystem, soll von Haus aus unterstützt werden. Auch Fingerabdrucksensoren (von einigen Herstellern bereits implementiert) sollen dann nativ unterstützt werden.
  • Inhalte sollen sich leichter direkt an Kontakte teilen lassen, nicht über den Umweg einer App-Auswahl.
  • Der neue Schlummermodus „Doze“ soll die Akkulaufzeit verlängern.
  • Google Now wird um Drittdienste aufgewertet und erhält „Now on Tap„, kontextbasierte Vorschläge ohne dass ein Nutzer nach ihnen suchen muss.
  • Mögliche Querformat-Ansicht des Startbildschirms – künftig auch für Smartphones.
  • Unterstützung für den neuen USB-Type-C-Stecker, der sich beliebig einstecken lässt und Micro-USB beerben soll.

Unter der Haube lesen sich noch mehr kleine aber feine Änderungen wie ein besseres RAM-Management und ein vertikales App-Menü mit „Endlos“-Bildschirm, statt auf mehrere Seiten aufgeteilt. Die Kollegen von AndroidPit haben die Übersicht über die wichtigsten Änderungen.

Es sind gute Verbesserungen, die Google hier plant, aber es liest sich eher wie ein kleiner Versionssprung: Es gibt, wie beschrieben, keine neue Designsprache, keine ab hier schon erkennbare neue Killerfunktion. Zur Erinnerung: Selbst der recht revolutionäre Dienst Google Now kam nicht mit Android 4.0 oder 5.0, sondern wurde in der Version 4.1 dazwischen geschoben.

Hast du kein Nexus, bleibst du erstmal draußen

Jetzt ohne klare optische Änderungen eine neue Vollversion vom Stapel zu lassen, ist eine hohe Wette. Nach jüngsten Zahlen von Android Developers sind die aktuellen Android-Versionen 5.0 und 5.1 Lollipop gerade bei gut 18 Prozent der Android-Nutzer angekommen. Für die Geräte-Hersteller bedeutet es wieder viel Extra-Arbeit, jetzt die nächste Vollversion vorzubereiten. Jeder Smartphone-Anbieter muss selbst für ein Update seiner zahlreichen Geräte auf ein jeweils neues System sorgen. Und das läuft ohnehin seit Jahren mehr schlecht als recht: Updates auf neue Versionen kommen meist spät oder gar nicht.

Viele Hersteller dürften es aufgrund der Unterstützung von USB-Type-C sogar bleiben lassen. Denn warum sollten sie Android 6.0 wählen, wenn Bestandsgeräte ohnehin noch keinen Type-C-Stecker besitzen und 5.1 genauso aussieht?

Wer aber heute ein Smartphone mit tadelloser Hardware aus dem vergangenen Jahr kauft oder noch besitzt, wird es schon bald schrecklich veraltet finden, wenn er darauf nur Android 4.4 oder auch 5.0 hat. Android 6.0 soll es erst einmal nur für Googles eigene Nexus-Geräte geben: Wer ein aktuelles Nexus 5, 6, 9 oder die TV-Box Nexus Player besitzt, kann Android 6.0 in der aktuellen Vorversion darauf bereits testen. Dass Google im Herbst außerdem zwei neue Nexus-Smartphones vorstellen will, wird bereits seit Wochen gemunkelt.

Google schafft sich für Android 6.0 also einen zunehmend exklusiven Kreis, und der Rest der Nutzer bleibt draußen. Das ist enttäuschend.

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