Marvel Studios' THOR: RAGNAROKThor (Chris Hemsworth)Ph: Film Frame©Marvel Studios 2017

Netflix ohne Toy Story 4 – Disney startet eigenen Streamingdienst

Bislang erschienen Disneyfilme wie Cinderella nach dem Kino exklusiv bei Netflix. 2019 wird es einen eigenen Streamingdienst geben – und einen weiteren für Sport.

Sogar Walt-Disney-Fans kaufen weniger DVDs. Dank einer exklusiven Partnerschaft erschienen alle Disney-Filme zeitgleich mit dem Start der Bluray-Vermarktung bei Netflix. Dazu gehören auch die Filme der Marken Pixar, Marvel und Lucasfilm. Doch 2019 ist damit Schluss. Dann startet Disney einen eigenen Streamingdienst. Toy Story 4, die Fortsetzung von Frozen und The Lion King werden dann nur noch bei Disney zu sehen sein. Hinzu kommen noch alte Disney- und Pixar-Filme sowie ganze Serien und zahlreiche kurze Episoden der Fernsehsender Disney Channel, Disney Junior und Disney XD television.

Bestehende Verträge bleiben

Einen harten Schnitt wird es aber nicht geben. Neue Disney- und Pixar-Filme soll es dann zwar nur noch über den neuen Streamingdienst zu sehen geben. Bei den Marken Marvel und Lucasfilm hat sich Disney noch nicht entschieden. Die könnten auch ins eigene Angebot integriert werden, aber auch an einen anderen Streamingdienst lizensiert werden. Netflix scheint jedoch außen vor zu sein. Die nächsten Teile der Star-Wars-Reihe werden dann also woanders erscheinen. Hinzu kommt noch, dass sich die Ankündigung erst einmal nur auf den US-Markt bezieht. Der neue Streamingdienst soll später aber auch in verschiedenen anderen Ländern erscheinen. Deutschland wird vermutlich dazu gehören. Ein Zeitpunkt wurde noch nicht genannt.

Zur Walt Disney Company gehören auch die Marken Pixar, Marvel und Lucasfilm sowie der Sportsender ESPN (Bild: Walt Disney Company)

Zur Walt Disney Company gehören auch die Marken Pixar, Marvel und Lucasfilm sowie der Sportsender ESPN (Bild: Walt Disney Company)

Was bedeutet das nun für Netflix? Da mag die Monatsgebühr einen Dollar/Euro mehr oder weniger kosten, Geld kommt in die Kasse, wenn die Zahl der Abonnenten wächst. Dass alle wichtigen neuen Titel aus dem Disney-Universum exklusiv bei Netflix erschienen sind, mag dabei geholfen haben. Bestehende Verträge bleiben aber. Jessica Jones wird also nicht so schnell von Netflix verschwinden. Das wird für jeden Film und für jedes Land unterschiedlich ausgehandelt worden sein. Ihr kennt das von der Netflix-Produktion House of Cards, die in Deutschland zuerst bei Sky läuft und erst später auf Netflix. Doch irgendwann wird auch damit Schluss sein.

Wieviele Streaming-Abos kann sich jemand leisten?

Offenbar kommt dieser Schritt nicht unerwartet. Netflix hat gerade den Comic-Verlag Millarworld gekauft, der wegen seiner Filmrechte so wertvoll ist. Kick-Ass und Kingsman wurden bereits verfilmt. Es bleibt jedoch genug Stoff übrig, der als bewegte Pixel auferstehen könnte – exklusiv bei Netflix. Die Investition von geschätzt 100 Millionen Dollar könnte sich schnell rentieren, denn an Disney soll Netflix pro Jahr 300 Millionen Dollar zahlen. Doch ob sich auch unter dem Strich ein Gewinn ergibt, wird sich erst dadurch zeigen, wer auf lange Sicht mit seinen Eigenproduktionen mehr Geld einspielt – und wer die meisten Abonnenten bindet. Das Disneyangebot könnte zu sehr auf die Nische zugeschnitten sein.

Netflix verliert zwar 2019 viele Disney-Filme, aber auch Zuschauer? (Bild: Netflix)

Netflix verliert zwar 2019 viele Disney-Filme, aber auch Zuschauer? (Bild: Netflix)

Ich frage mich auch, wer noch bereit ist, für immer mehr Streamingdienste zu zahlen. Im Kino wird mal der eine, mal der andere Film geschaut. Das verteilt sich dann auf die unterschiedlichen Produktions- und Verleihfirmen. Beim Streaming ist das anders: Ich kenne einige Leute, die drei Abos haben: Netflix, Sky Ticket Entertainment und Amazon. Doch wenn noch Disney hinzukommt und auch immer mehr Sport gestreamt wird (Dazn, Sport Ticket Sport, Eurosport und Disney), dann würde das mit der Zeit richtig teuer werden.

Neuer Streamingdienst für US-Sport

Richtig gelesen: Auch Disney wird Sport streamen und dafür einen zweiten Streamingdienst aufmachen – nicht erst 2019, sondern schon 2018, aber auch erst nur in den USA. Dort sollen pro Jahr 10.000 regionale, nationale und internationale Sportveranstaltungen gezeigt werden. Das meiste Material kommt vom Kabelkanal ESPN, der auch zu Disney gehört. Gezeigt werden die nationalen Ligen von Baseball, Eishockey und Fußball. Hinzu kommt noch College-Sport. Ich glaube aber nicht, dass dieser zweite Streamingdienst jemals auch in Europa angeboten wird.

Nicht nur, dass sich hierzulande zu wenige für den US-Sport interessieren: Sport zu streamen, steht finanziell auf wackligen Beinen, denn wie beim Fernsehen werden alle Inhalte versendet. Warum sollte ich mir ein Fußballspiel aus dem Jahr 1983 ansehen? Ich schaue nicht einmal ein Spiel meiner Mannschaft an, das am Vorabend lief, weil ich das Ergebnis längst kenne. Bei Serien und Filmen ist das anders. Da wird das Abo zwar wegen der vielen Neuerscheinungen bestellt. Doch wer auf die nächste Serienfolge wartet, schaut sich auch mal einen Klassiker an. Frühstück bei Tiffany zum Beispiel. Oder Der Pate.

Beitragsbild: Walt Disney Company

Wie gefällt Dir dieser Beitrag?
Bewertung wird geladen …

Schreibe einen Kommentar

Hinterlasse hier deinen persönlichen Kommentar. Wir freuen uns über deine Meinung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*