Cryptomator macht Verschlüsselung für die Cloud ganz einfach

Cryptomator verschlüsselt eure sensiblen Daten auf dem Rechner oder sogar in der Cloud. Trendblog-Redakteur Frank Müller hat die deutsche Open-Source-Lösung ausprobiert und ist sehr angetan davon.

Niemand möchte, dass die Daten auf seinem Rechner oder Smartphone von anderen gelesen werden. Also verschlüsselt man sie einfach, oder? Genau dieses einfach ist oft das Problem. Ein Problem, dass die Open Source Software Cryptomator löst.

Verschlüsselung für die Cloud: vom Muffel zum Fan

Mein iPhone ist natürlich durch ein Passwort gesichert, aber FileVault – die einfache Verschlüsselung der Daten auf dem MacBook – nutze ich bisher nicht. Eine unbegründete Angst, dass durch irgendeinen Bug die Entschlüsselung mal versagen könnte und meine Daten verloren wären, hält mich davon ab.

Auch die Dropbox oder iCloud habe ich ohne kryptografische Software benutzt, bevor ich Cryptomator entdeckt habe. Truecrypt war mir immer zu umständlich. Schließlich wollte ich von mehreren Geräten einfach auf meine Daten zugreifen können. Inzwischen wird wegen Sicherheitsproblemen auf der Seite selbst von der Nutzung abgeraten. Boxcryptor ist interessant, aber in der kostenlosen Version unterstützt das Programm nur 2 Geräte und 1 Clouddienst. Will man mehr, zahlt man 36 Euro pro Jahr. Abo-Modelle bei Software versuche ich zu vermeiden.

Cryptomator: Open Source, einfach und vielseitig

Die Software Cryptomator hat mein Verhalten in Sachen Verschlüsselung geändert. Das Open-Source-Programm lässt sich für Windows, Mac und Linux laden. Für andere Plattformen gibt es eine Java-Version. Das Herunterladen erfolgt entweder kostenlos oder gegen eine Spende, wie man mag. Für die iOS-Version zahlt man einmalig 4,99 Euro – so viel ist es mir wert, auch vom mobilen Gerät auf meine Daten zugreifen zu können. Für Android gibt es momentan eine Beta-Version.

Cryptomator unterstützt fast jeden wichtigen Cloud-Speicher

Ich muss bei Cryptomator kein Konto anlegen und mich nicht irgendwo anmelden. Momentan unterstützt Cryptomator iCloud Drive, Dropbox, Google Drive, OneDrive und WebDAV-basierte Cloud-Speicher-Dienste. Weitere sollen mit kommenden Update folgen.

So einfach verschlüssele ich Daten mit Cryptomator

Ich lege einfach einen Tresor in einem meiner Clouddienste an, wähle ein Passwort – fertig. Der Tresor wird als WebDAV-Laufwerk geöffnet. Das heißt, man arbeitet wie gewohnt, z.B. wie mit einem USB-Stick. Cryptomator verschlüsselt dabei sowohl die Dateiinhalte als auch Dateinamen mit AES und 256 Bit Schlüssellänge. Und selbst aus den Dateinamen lassen sich keine Rückschlüsse auf den Inhalt der Datei ziehen. Nur die Änderungsdaten sind unverschlüsselt.

Wie genau das funktioniert, hat das Team auf einer eigenen Seite zur Sicherheitsachitektur veröffentlicht. Da jede Datei einzeln verschlüsselt wird, muss auch nicht jedes Mal der gesamte Tresor aktualisiert werden, das beschleunigt die Synchronisation mit dem Cloudspeicher. Und wirksamen Schutz gegen Brute-Force-Angriffe bietet das integrierte Tool Scrypt.

Zugriff auch vom Smartphone aus

In der iOS-App wähle ich einfach den Cloudspeicher, mit dem ich mich verbinden will. Dann wähle einen vorhandenen Tresor aus oder lege einen neuen an. Dabei kann ich pro Tresor auswählen, ob ich ihn per Passwort oder Touch ID öffnen möchte. Einfacher geht’s nicht.

2016 gabs den CeBIT Innovation Award für Cryptomator

Übrigens kommt Cryptomator ausnahmsweise mal nicht aus den USA, sondern aus heimischen Landen. 2016 habe die Entwickler Tobias Hagemann, Markus Kreusch und Sebastian Stenzel bereits den CeBIT Innovation Award für Cryptomator erhalten.

Cryptomator verschlüsselt Daten nicht nur in der Cloud

Ich verschlüssele immer noch nicht alle Ordner in der Dropbox. Allerdings gibt es einige, die ich mit Cryptomator schütze. Das können gescannte wichtige Dokumente sein oder Projekte, an denen ich gerade arbeite.

Dabei schützt diese Verschlüsselung nicht nur davor, dass Daten aus der Cloud öffentlich werden. Auch auf meiner Festplatte muss ich erst das Passwort für Cryptomator eingeben, bevor ich auf das virtuelle Laufwerk zugreifen kann. Ich kann also auch irgendwo auf meiner Platte in einem dunklen, tiefverschachtelten Unterverzeichnis einen Tresor ablegen. Öffne ich Cryptomator, muss ich nicht lange danach suchen. Im Programmfenster werden ja schließlich alle vorhandenen Tresore angezeigt werden.

Ausprobieren kostet nichts

Das Verschlüsseln von Daten in der Cloud befriedigt für mich zwei wichtige Grundbedürfnisse, die ich als Nutzer habe. Zwei Grundbedürfnisse, die sich eigentlich widersprechen.

Zum einen möchte ich keine Daten verlieren. Ich brauche also mindestens ein aktuelles Backup, auf das ich zugreifen kann, auch wenn mein Haus abgebrannt ist, mein Rechner gestohlen wurde oder ich mein Smartphone geschrottet habe. Die Cloud (welche auch immer) kommt da wie gerufen.

Zum anderen will ich nicht, dass irgendjemand ohne mein Wissen oder meine Erlaubnis Zugang zu meinen Daten hat. Da ist jedes Cloud-Konto ein Sicherheitsrisiko.

Wenn ich aber die Cloud als Backup nutze und meine Daten verschlüssele, schlage ich diese beiden Fliegen mit einer Klappe. Vor allem, wenn ich dank transparenter Verschlüsselung damit arbeiten kann wie gewohnt.

Mein Tipp: einfach mal ausprobieren. Vielleicht ändert Cryptomator ja auch Euer Verhalten in Sachen Verschlüsselung. Oder nutzt Ihr bereits andere Tools und könnt darüber berichten? Dann gerne in den Kommentaren.

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